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Aufregung in Mainz:Tuchel will Beschwerde über Offiziellen verfassen

"Das werde ich nicht mehr hinnehmen": Mainz-Trainer Thomas Tuchel tobt nach dem Erfolg gegen Nürnberg wegen des 4. Offiziellen, der ihn in "arroganter und abfälliger Weise" an seiner Arbeit gehindert habe. Das könnte nun ein Nachspiel haben - auch der leitende Schiedsrichter kündigt interne Gespräche an.

1. FSV Mainz 05 - 1. FC Nuernberg

Trotz Erfolg gegen Nürnberg wütend: Mainz-Trainer Thomas Tuchel fühlt sich vom 4. Offiziellen in seiner Arbeit eingeschränkt. 

(Foto: dapd)

Thomas Tuchel ist für emotionale Ausbrüche bekannt und am Freitag war der Mainzer Trainer ganz besonders wütend. So wütend, dass er kurz nach Abpiff mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den 4. Offiziellen zulief. "Ich habe ihm gesagt, dass ich einen Bericht über ihn schreiben werde", kommentierte Tuchel die Szene nach dem 2:1 (2:1) am Freitagabend gegen den 1. FC Nürnberg, in der er zum wiederholten Mal mit dem 4. Offiziellen Martin Petersen aneinandergeraten war.

Die Schiedsrichter-Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darf sich auf Post von Tuchel einstellen, weil sich der Coach von dem Unparteiischen aus Stuttgart in der Ausübung seines Berufs behindert gefühlt hat. "Ich bin in arroganter und abfälliger Art in der Coaching-Zone an meiner Arbeit gehindert worden, das werde ich nicht mehr hinnehmen", sagte Tuchel im Fernsehsender Sky: "Die Schiedsrichter haben in so einem Fall das Mittel, einen Bericht zu schreiben, und das werde ich jetzt selber einmal nutzen." Tuchel wollte sich zwar nicht dazu äußern, was konkret vorgefallen ist ("Das mache ich nicht öffentlich"), dennoch redete der Trainer Klartext. "Wenn ich mich so benehmen würde, wie er sich mir gegenüber benommen hat, hätte ich jede Woche einen Eintrag im Spielbericht", sagte Tuchel über den 27 Jahre alten Referee.

In die gleiche Kerbe wie sein als heißblütig bekannter Trainer schlug der Mainzer Manager Christian Heidel. "Das Verhalten des 4. Offiziellen war an Arroganz kaum zu überbieten. So etwas habe ich noch nie erlebt. Er war fast die ganze Zeit in unserer Coaching-Zone. Diejenigen, die rechts saßen, konnten gar nichts mehr sehen. Ich musste ihn darauf hinweisen, wo sein Arbeitsplatz ist", sagte Heidel.

"Ich weiß nicht, was da draußen passiert ist"

Ein überaus erfahrener Referee stand am Freitagabend auf dem Platz. Und obwohl Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer von den Vorfällen an der Seitenlinie nichts mitbekommen haben will ("Ich weiß nicht, was da draußen passiert ist"), war dem 44-Jährigen offenbar bewusst, das etwas schiefgelaufen ist. "Wir werden darüber sprechen, es analysieren und gucken, was wir zukünftig besser machen können", sagte Kinhöfer. Allerdings musste Kinhöfer nicht nur seinen jungen Kollegen in Schutz nehmen, er selbst stand auch in der Kritik. "Das war vom Gespann an Arroganz nicht zu überbieten, da hat sich keiner etwas gegeben", sagte der Nürnberger Hanno Balitsch, der nach seiner Auswechslung auf der Bank wegen Meckerns seine fünfte Gelbe Karte kassiert hatte und damit gegen Bayern München gesperrt ist.

Den Vorwurfs von Balitsch wies Kinhöfer entschieden zurück. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht arrogant bin und den Dialog mit den Spielern suche", sagte der Schiedsrichter: "Nur wenn man ständig angesprochen wird, ständig kritisiert wird, und ständig versucht wird, Meinung zu machen, dann ist das Fass voll und dann schaltet man auch ab." Fußball war vorher übrigens auch gespielt worden. Doch dass die Mainzer den sechsten Erstliga-Heimsieg gegen den Club in Folge feierten und der Nürnberger Coach Dieter Hecking bei seinem 200. Bundesligaspiel eine Niederlage kassierte, interessierte anschließend erstmal kaum jemanden.

© Süddeutsche.de/sid/ska/mane
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