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Atlético Madrid:Simeone erklärt den Fußball

Der letzte Simeone-Moment war vor dem Elfmeterschießen. Er ging zur Fankurve. Im Elfmeterschießen zählt normalerweise, noch mehr als sonst, vor allem der Glaube an die eigene Stärke. Die letzten Extra-Prozente wollte Simeone von der Tribüne holen. Am Ende aber zählte nicht Glaube. Am Ende entschied ein Pfosten. Juanfran setzte seinen Elfmeter, den neunten des Schießens, an ebendiesen. Und Simeone war wieder der Verlierer.

"Im Fußball gibt es keine Revanche, es gibt lediglich neue Möglichkeiten und Chancen. 'Revanche' ist ein negatives Wort, weil es auf eine Niederlage zurückgreift. Das Wort 'Chance' dagegen beinhaltet Optimismus und Zuversicht ", sagte Simeone vor dem Spiel.

Er muss den Glauben wieder zurückbringen

Er selbst trägt den Spitznamen "El Cholo", ein in Argentinien eigentlich abschätziger Name für Menschen indigener Abstammung. Er bekam ihn, weil er einem anderen Fußballer mit diesem Namen ähnlich sah. Seine Art, eine Mannschaft zu führen, heißt darum Cholismo. "Cholismo, wenn man es so nennen will, bedeutet einfach, dass man an den Erfolg glaubt, wie man an seinen Gott glaubt. Und von meinen Spielern erwarte ich, dass sie mir in diesem Glauben folgen. Denn genau darum geht es beim Fußball", erklärte er mal.

Den Glauben muss Atlético nun behalten. Dieser Verein, der sich seit Jahrzehnten über jenen Schmerz definiert, den die Fans manchmal Pupa nennen, das spanische Wort für Aua. 1974 eliminierte Bayerns Katsche Schwarzenbeck Atlético in letzter Sekunde im Finale des Europapokals der Landesmeister, 2014 Sergio Ramos in der 93. Minute, jetzt der Pfosten und am Ende Cristiano Ronaldo.

Aber wenn es einer schafft, Atlético weiter den Glauben zu geben, dann Diego Simeone.

© SZ vom 29.05.2016/ebc

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