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Anti-Doping-Kampf nach der Ära Armstrong:Nur ein Prozent von 260.000 Kontrollen ist positiv

Doch was wird aus dem Anti-Doping-System? Schließlich war Armstrong über Jahre einer der best-getesteten Athleten. Die internationale Anti-Doping-Agentur Wada hat bereits im Mai dieses Jahres eine Arbeitsgruppe zur "(In) Effektivität des Anti-Doping-Kontrollsystems" eingesetzt. Ausgangspunkt ist, dass lediglich rund ein Prozent der jährlich circa 260.000 Anti-Doping-Kontrollen weltweit positiv sind - und es zu einem hohen Prozentsatz dabei um Marihuana geht. Andere Fakten verweisen allerdings auf eine viel höhere Dopingquote.

Dopingfälle bei der Frankreich-Rundfahrt

Die Tour-Täter

Der Fall Armstrong macht das bisherige Anti-Dopingsystem zur Makulatur. Bei grundehrlichen Athleten haben die Kontrollen einen Abschreckungseffekt. Wer aber wirklich will, kann das Testsystem unterlaufen, auch wenn öffentlich, manchmal unter Verletzung von Persönlichkeitsrechten der Sportler, vorgegaukelt wird, es gebe ein effektives Vorgehen gegen Doping. Hier ist eine radikale Wende nötig.

Wir brauchen eine Null-Toleranz-Haltung, die konsequent umgesetzt wird. Ehemalige Doper sollen eine Resozialisierungschance haben, aber nicht in führende Positionen des Sports gelangen dürfen. Wessen Leistungen durch Doping gebrandmarkt sind, kann nicht als Held gefeiert werden. Die Einladung der Stiftung Deutsche Sporthilfe an Jan Ullrich zum Ball des Sports 2012, wenige Tage vor dessen endgültiger Sperre, zeigt beispielhaft, dass der deutsche Sport dies nicht begriffen hat.

Ärzte sollen der Gesundheit verpflichtet sein, nicht dem Erfolg

Wer einen Sportverband führt, muss sich - ebenso wie Manager von Unternehmen - der Verantwortung für Skandale stellen. Eine Haftung für mangelndes Risikomanagement und fehlende Kontrollen gilt auch für Funktionäre. Auch dürfen Präventionsmaßnahmen nicht nur bei den Athleten ansetzen, sondern müssen alle Verantwortlichen umfassen.

Und schließlich sollen Sportärzte nicht dem Erfolg verpflichtet sein, sondern der Gesundheit der ihnen anvertrauten Athleten. Das aber setzt Unabhängigkeit voraus - und deshalb sollten diese Ärzte nicht mehr von Sportverbänden und Sportteams beauftragt werden.

Pressestimmen zum Usada-Bericht

"Schändlicher Armstrong als Tyrann"