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Angelique Kerber:"Mal gucken, wer die Fahne trägt"

Kerber kann sich Mixed mit Zverev bei Olympia vorstellen

"Hat Spaß gemacht": Angelique Kerber kann sich gut vorstellen, auch bei Olympia wieder gemeinsam mit Alexander Zverev zu spielen.

(Foto: Tony Mcdonough/dpa)
  • Angelique Kerber setzt nach den Australian Open derzeit vom Training aus.
  • Die von Verletzungen geplagte Tennisspielerin will die Anzahl ihrer Turniere in dieser Saison klein halten.
  • Bei den Olympischen Spielen in Tokio will sie dabei sein - und vielleicht sogar die Fahne tragen.

Als Angelique Kerber die Kamin Lounge betritt, fällt sie sofort auf. Beziehungsweise: ihr himmelblaues Kleid. Die meisten Gäste tragen gedeckte Farben, passend zu einem Anlass, der einen "Champagner Cocktail" als Programmpunkt beinhalten sollte. Aber wenn sich jemand Extravaganz gönnen durfte an diesem Montag im Münchner Hotel "Bayerischer Hof", war es Kerber. Sie war der Grund, warum Mode- und Gesellschaftsreporterinnen gekommen waren und, so ist das heute bei Anlässen wie diesem, Influencerinnen. Wenn der Eindruck nicht täuschte - denn so in Gruppenstärke versammelt sahen sie sich alle ähnlich -, war auch Cathy Hummels zugegen. Anhand der Visite der Gattin des Fußballprofis Mats Hummels ließ sich erahnen, dass es schwerpunktmäßig weniger um Rückhände und Stopps gehen würde.

So kommt es dann auch: Kerber präsentiert sich gut gelaunt als erste deutsche Botschafterin einer dänischen Luxusschmuckfirma und parliert über ihr Faible für Körperverzierungen. Später, als Lachs-Häppchen auf Schwarzbrot gereicht werden, nimmt sie aber doch kurz Stellung zu ihrer Situation, die sie als Berufstennisspielerin betrifft, denn das ist sie an vorderster Stelle ja noch.

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Fazit: Kerber geht es gut, sie ist aber weiterhin irgendwie in einem Reha-Standby-Modus, es gibt also keine Neuigkeit - und genau das, dass es nichts Neues gibt, ist manchmal doch eine Neuigkeit. Es manifestiert sich ja, dass die Saison 2020, Kerbers 18. Jahr als Profi, so schwierig anläuft wie lange keine zuvor. Aus Tagen der Sorgen wurden Wochen, aus Wochen Monate. Die Zeit rast, auch für dreimalige Grand-Slam-Gewinnerinnen.

Kerber will sich auf die großen Turniere konzentrieren

Ihr Körper ist es, das Kapital jedes Athleten, der sie vor Aufgaben stellt, die sie als "Challenges" betrachtet. Im Grunde muss Kerber seit Monaten eher in der Rolle einer Problemlöserin denn einer wieder mutig angreifenden Tenniskonterspielerin verharren, ein Kreislauf, der besonders für ihren Charakter eine Herausforderung darstellt. "Ich bin nicht der geduldigste Mensch, das war ich noch nie", sagt sie also, begleitet von einem Lächeln. Der Oberschenkel zwickt nach wie vor und lässt nach ihrer Rückkehr von den Australian Open weiter kein Training zu. Anfang des Jahres musste sie sich bereits am Rücken behandeln lassen.

Die vierte Runde in Melbourne erreicht zu haben, war für sie angesichts der Umstände "okay, mit der Verletzung, die ich davor hatte und die ich immer noch ein bisschen habe". Doch eines weiß sie auch: "Ich brauche noch ein bisschen Zeit, damit ich die Verletzung komplett auskuriere." Nein, sie kann sich weiter nicht völlig auf diese Saison einlassen. Gesundheit, Fitness lassen sich nicht erzwingen, selbst mit einem Spezialistenteam um einen herum.

Wo und wann dieses Alles-auf-Anfang-Kapitel für Kerber, 32, ausgelöst wurde, lässt sich nicht benennen, es war ein schleichender Prozess, der zu der Suche nach der alten Überzeugung führte. Gerade nutzt sie die Zwangspause für PR-Events. Bald will sie einsteigen ins Training "und mal gucken, wie es ist", sagt sie: "Aber man muss sehen, wie es bei Belastung ist. Daher kann ich momentan nichts sagen, wie der Stand der Dinge ist."

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