French Open:Ehrgeiz in Etappen

French Open: Der Weg ist noch weit: In Paris räumt Alexander Zverev die Hürde Roman Safiullin aus dem Weg.

Der Weg ist noch weit: In Paris räumt Alexander Zverev die Hürde Roman Safiullin aus dem Weg.

(Foto: AFP)

Alexander Zverev erreicht gegen seinen alten Bekannten Roman Safiullin die dritte Runde - der Russe ist für ihn ein fordernder Gegner. Nun will sich auch Philipp Kohlschreiber gegen seine Skeptiker behaupten.

Von Barbara Klimke

Viel Abwechslung bietet Paris den Tennisprofis derzeit nicht: Eine Stunde Luftschnappen erlauben die Gesundheitsbehörden neben den beruflichen Aktivitäten, dem Rackern im roten Sand. Das reicht vielleicht für einen Café in der Brasserie um die Ecke, für die Abendgestaltung muss jeder selber sorgen. Jan-Lennard Struff verfolgt gern am Fernseher, wie sich die Kollegen in Roland Garros schlagen. Am Tag nach seinem Überraschungssieg über den Weltranglisten-Siebten Andrej Rubljow wollte er sich ausnahmsweise eine TV-Serie gönnen, wie er sagte: "Undercover", Spionagegeschichten, "so anderthalb Folgen vor dem Schlafengehen". Auch Philipp Kohlschreiber machte es sich nach dem Auftaktmatch gegen Fernando Verdasco im Hotel gemütlich: "Es ist schön", fand er, "dass man heute Abend einmal nicht im Hotelzimmer sitzt und grübelt, warum man verloren hat."

Ein Trio aus dem Deutschen Tennis Bund hat sich in der zweiten Runde der mit 34 Millionen Euro Preisgeld dotierten French Open eingerichtet: Dominik Koepfer, 27 Jahre alt, Struff, 31, und Kohlschreiber, 37. Damit hat jeder bereits 84 000 Euro verdient; das sichert zumindest die laufenden Kosten für eine Weile ab. Einer allerdings, der Jüngste, ist am Mittwoch schon vorausgeeilt. Alexander Zverev, 24, hat sich in drei Sätzen gegen den russischen Qualifikanten Roman Safiullin mit 7:6 (4), 6:3, 7:6 (1) in die dritte Runde gespielt.

Ein Arbeitssieg für Zverev, nur eine weitere Etappe auf dem Weg zum Ziel: kein Anlass, die Routine oder etwa das Fernsehprogramm zu ändern. Zverev, Nummer sechs der Welt, strebt in Paris erneut seinen ersten großen Titel bei einem Turnier der Grand-Slam-Kategorie an. Den Zuschauern, die wegen der Pandemie mit großem Abstand im Court Suzanne Lenglen saßen, hat er am Stadionmikrofon erklärt, dass ihn nach dem unglücklich verlorenen US-Open-Finale ("zwei Punkte fehlten zum Sieg") weiterhin der Ehrgeiz treibt.

Bei Zverev überwiegt die Erleichterung, nicht noch ein Fünf-Satz-Match gespielt zu haben

Der gleichaltrige Safiullin, den er seit seiner Kindheit kennt und mit der sich vor Jahren bereits in Pariser Junioren-Turnier duellierte, war ein fordernder Gegner. Allein der erste Satz dauerte eine volle Stunde und war erst im Tiebreak entschieden. In den beiden folgenden Sätzen musste Zverev jeweils ein Break aufholen. Mit exzellenter Übersicht, schnörkellosem Spiel und Variantenreichtum (darunter ein Unterarmaufschlag) scheuchte Safiullin den alten Bekannten dann auch in Durchgang drei bis in die Verlängerung. Zverev war einigermaßen "glücklich, dass ich in drei Sätzen durchgekommen bin und nicht noch ein Fünf-Satz-Match gespielt habe", das sei "wichtig für mich mit Blick auf den Verlauf des Turniers". Im Duell um den Einzug ins Achtelfinale wird er am Freitag auf den Serben Laslo Djere treffen; auch den kennt er aus seiner Jugend.

Schon am Donnerstag sind seine deutschen Kollegen gefordert. Philipp Kohlschreiber tritt gegen Aslan Karatsew an, jenen Russen, der bei den Australian Open für Furore sorgte und sich in Melbourne erst im Halbfinale vom Weltranglistenersten Novak Djokovic aus dem Turnier drängen ließ. Kohlschreiber kann den Platz in der Überzeugung betreten, sich gegen alle Skeptiker behauptet zu haben. Denn der Erstrundensieg gegen den Spanier Verdasco (7:6, 6:2, 2:6, 6:4) war sein erstes gewonnenes Match auf der ATP-Tour seit Februar 2020. Noch vor wenigen Wochen hat er sich beim Turnier in München fragen lassen müssen, ob er so langsam ans Karriereende denkt.

Jan-Lennard Struffs Sieg über Rubljow, den manche für einen Turnierfavoriten hielten, war für ihn ein Karrierehöhepunkt: Erstmals hat er nun einen Top-Ten-Spieler bezwungen: "Das bedeutet mir sehr viel", sagte er. In München hatte Struff auf roter Asche das Finale erreicht, am Donnerstag muss er sich an Facundo Bagnis aus Argentinien messen. "Ich will gewinnen", versprach er, "ich werde alles geben."

Für Dominik Koepfer schließlich steht ein Duell mit dem Amerikaner Taylor Fritz an. Fegt er diesen aus dem Turnier, könnte er in der dritten Runde Roger Federer gegenüberstehen. Es könnte eines dieser Matches werden, die der Kollege Struff sich gern im Fernsehen ansieht.

© SZ/cch
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