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Abgelehnte Münchner Olympiabewerbung:Zu viele Deals im Hinterzimmer

Olympia "Wenn du diese Chance verpasst, dann ist es vorbei" Video
Franz Beckenbauer zum Olympia-Bürgerentscheid

"Wenn du diese Chance verpasst, dann ist es vorbei"

Die Reaktionen aus dem Fußball hinsichtlich des Bürgerentscheids zur Olympia-Bewerbung von München 2022 sind eindeutig: "Chance verpasst", urteilt Franz Beckenbauer.

Der groteske Höhepunkt dieser Führungskultur war im August 2012 zu erleben, als während der Londoner Sommerspiele das Innenministerium von Journalisten per Gerichtsurteil gezwungen wurde, die Medaillen-Zielvereinbarungen mit dem DOSB offenzulegen. Das sind nationale Erfolgsvorgaben, die andernorts in schönen Broschüren publiziert werden; immerhin geht es dabei um die Effizienz der verwendeten öffentlichen Mittel. In Deutschland schuf die Justiz Transparenz; so, wie die Politik nun endlich gesetzliche Instrumente schaffen will, mit denen dopenden Athleten beizukommen ist.

"Es gibt kein Hintertürchen", sagte Vesper nach dem Votum resignierend, "es ist die Aussage der Bürger." Die Arbeit im DOSB wird nicht einfacher werden. Beim Bundestag am 7. Dezember wird Alfons Hörmann als Interims-Nachfolger für Bach an der DOSB-Spitze installiert.

Der Firmenchef aus dem Allgäu ist Präsident des Deutschen Ski-Verbands, er stößt nun auf viele Probleme - und in ein Vakuum, das Bach hinterließ und Vesper verwaltet. Auf nur ein Jahr ist sein Mandat begrenzt, 2014 wird turnusgemäß ein DOSB-Präsident auf vier Jahre gewählt. Da wäre manches leichter gefallen, hätte er das Amt mit einer Winterspielbewerbung im Kreuz antreten können: etwa die anstehende Debatte mit dem BMI um mehr Geld für den Sport.

Abzuwarten bleibt, ob Hörmann im neuen Umfeld ein Profil entwickeln kann, das ihm bisher nicht zu eigen war. Auch am Abend nach der Wahl hinterließ er einen farb- und ratlosen Eindruck, im Bayerischen Fernsehen verteidigte er die allseits als Knebelverträge empfundenen Veranstalter-Kontrakte des IOC so stur und trotzig, dass ihm sogar ein Verbündeter in die Parade fuhr: Christian Ude schlug sich demonstrativ auf die Seite des Olympia-Gegners Ludwig Hartmann und rügte die olympischen Vertragswerke. Münchens Oberbürgermeister hatte dafür ja vor Jahren bereits den Begriff "Zumutung" geprägt.

Ein Sport im Schmollwinkel wird das Vertrauen der Bevölkerung kaum zurückgewinnen können. Zumal da die Verbündeten in der Politik vorsichtig geworden sind. Und dass gewisse Prominente für Großevents werben, nehmen die Bürger der modernen Zivilgesellschaft eher als Folklore wahr.

"Das Land Bayern hat eine große Chance vertan, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren", befand Franz Beckenbauer nach dem Olympia-Aus. Tage zuvor hatte er die globale Kritik an einem anderen Großereignis zurückgewiesen, der Fußball-WM in Katar. Er selbst habe dort, so lautete Beckenbauers Expertise, "noch nie einen Sklaven gesehen".

© SZ vom 12.11.2013/jbe
089 "Es war ein sehr sehr deutliches Zeichen" Video
089 zum Olympia-Bürgerentscheid

"Es war ein sehr sehr deutliches Zeichen"

Alle vier Bürgerentscheide sind klar gegen eine Münchner Olympiabewerbung für die Spiele 2022 gewesen. Warum aber haben die Bürger dagegen entschieden? Eine kleine Spurensuche.

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