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4:0-Sieg in Bremen:FC Bayern lässt nur 100 Sekunden Spannung zu

SV Werder Bremen v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Mühelos zum Sieg in Bremen: Bayern-Profis David Alaba (links) und Jerome Boateng feiern sich gegenseitig

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der FC Bayern beantwortet die verbalen Scharmützel im Vorfeld der Partie in Bremen auf seine Weise: humorlos und mit einem einseitigen 4:0. Der Schiedsrichter gerät nicht in Verdacht, die Münchner zu bevorzugen, im Gegenteil.

Thomas Müller hatte sich keine dieser gepolsterten Hosen angezogen, mit allerlei Schutzvorrichtungen für Hüfte, Niere und andere Weichteile. Jerome Boateng lief nicht mit Helm bekleidet auf den Rasen und auch Bastian Schweinsteiger verzichtete auf einen Schläger. Man hätte sich ja vieles vorstellen können, das verbale Getöse war groß gewesen vor dem Spiel des FC Bayern beim SV Werder Bremen. Es ist ja von manchen sogar zum Eishockeyspiel gejazzt worden: die Bremen Penguins gegen die München Mighty Ducks. Werder-Sportchef Thomas Eichin, ein frührer Eishockey-Manager, hatte in der Woche den Bonus der Bayern-Spieler bei den Schiedsrichtern beklagt, Münchens Sportvorstand Matthias Sammer genüsslich gekontert ("hat mal 'nen Puck an den Kopf bekommen", "Spätfolgen jetzt").

Die Fußballbranche ist ja schrill genug, um auf das größte Nord-Süd-Scharmützel seit Ende der Achtziger Jahre, als Willi Lemke weiland den Klassenkampf gegen Uli Hoeneß und den FC Bayern ausgerufen hatte, eine angemessene Inszenierung folgen zu lassen. Dortmunds Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus mimten nach einem Torerfolg Batman und Robin, selbst dem eigentlich unprätentiösen Thomas Müller war es nicht zu peinlich, im Trainingslager der Nationalmannschaft seinen Kollegen im Dirndl das Essen zu servieren.

FC Bayern in der Einzelkritik

Überall lauert der Bayern-Bonus

Doch als das Spiel in Bremen begann, war da: nichts, zumindest kein Schauspiel, kein Verkleidung. Aber Spektakel, weil Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ein Loch im Netz des Tors entdeckte, in dem Pepe Reina stand. Also musste ein Bremer Verantwortlicher heraneilen, um den Misstand zu flicken, mit schönen Tapestreifen, die er um Netz und Pfosten wickelte. Fünf Minuten dauerte das. Erst dann konnte das Spiel beginnen, das nach 45 Minuten schon wieder entscheiden war. 2:0 führten die Münchner nach der ersten Hälfte, am Ende gewannen sie mit 4:0 (2:0), es war der sechste Sieg in Serie des Tabellenführers, der am 28. Spieltag schon wieder als Meister feststehen könnte.

"Meine Mannschaft hat das sehr, sehr gut gemacht", lobte Bayern-Trainer Pep Guardiola hinterher.

Langweilig war die Partie trotzdem nicht - zumindest 100 Sekunden lang. Der Enkel von Uwe Seeler, Levin Öztunali, hätte sich nach 34 Sekunden einen festen Eintrag in die Werder-Historie sichern können, wenn sein eleganter Volleyschuss nicht knapp am Tor vorbeigegangen wäre. Wenige Sekunden später tauchte Gebre Selassie allein vor Reina auf, der sein Pflichtspieldebüt feierte, weil Guardiola dem Nationaltorwart einmal eine Pause gönnte. Doch Selassie schloss zu überhastet ab.

Und die Bayern? Benötigten ein wenig, um sich zu sortieren. Arjen Robben (eingeklemmter Nerv im Rücken) und Franck Ribéry (Stauchung im Sprunggelenk) waren absent, auch Xabi Alonso fehlte wegen einer Gelbsperre. Denker und Grübler Guardiola musste sich deshalb länger in seinem Kämmerlein einschließen, um eine Formation und eine Taktik - er begann mit einer Dreierkette und drei variablen Stürmern - zu finden, die Bremen bezwingen konnte. Immerhin war Werder bis zu dieser Partie neben München und Wolfsburg die beste Mannschaft der Rückrunde.

In den Anfangsminuten zeigten die Norddeutschen auch warum. Sie standen nicht mit zehn Spielern um den eigenen Strafraum, wie so viele Mannschaften in der Bundesliga, die gegen die Bayern nur eine zweistellige Niederlage verhindern wollen. Bremen spielte schnell, direkt mit Drang nach vorne. So dauerte es fast eine Viertelstunde, bis die Gäste ihre erste Chance hatten. Nach einer feinen Flanke von Rafinha, der die rechte Seite hoch und runter lief, köpfelte Robert Lewandowski aus fünf Metern aufs Tor, seinen Aufsetzer parierte Raphael Wolf mit einer sehenswerten Wischbewegung seines linken Armes.