Zweitligist Hannover 96:Immer weiter abwärts

Lesezeit: 3 min

31.07.2021, HDI-Arena, Hannover, Ligaspiel, 2. Bundesliga, Hannover 96 vs FC Hansa Rostock, im Bild Martin Kind (Praesid; Martin Kind Hannover 96

Muss schon wieder einen neuen Trainer suchen, bewies bei dieser Aufgabe aber zuletzt selten eine glückliche Hand: Hannovers Geschäftsführer Martin Kind.

(Foto: Joachim Sielski/Imago Images)

Hannover 96 entlässt seinen Trainer - mal wieder. Doch die Situation ist gefährlicher als sonst. Dem Traditionsklub droht der Abstieg in die dritte Liga.

Von Carsten Scheele, Hannover

161 Tage sind selbst für die Verhältnisse bei Hannover 96 eine kurze Zeit, aber Jan Zimmermann ist schon wieder weg. Die Idee hinter dieser Trainerpersonalie trug im Sommer noch charmante Züge. Ein junger Coach aus der Region, der gerade den TSV Havelse in die dritte Liga geführt hatte, sollte es richten; ein kleiner Name nach manchem großen Namen, mit dem es nicht funktioniert hatte. Von Zimmermann, 42, wurde nicht einmal der Wiederaufstieg in die erste Liga verlangt. Oben mitspielen sollte die Mannschaft in der zweiten Liga dagegen schon.

Und nicht auf den Relegationsrang zur dritten Liga abrutschen. Zimmermanns persönlicher Schlusspunkt war das 0:4 am Samstag in Karlsruhe, das insgesamt achte Ligaspiel hintereinander ohne Sieg. Zimmermann hatte sich dazu hinreißen lassen, den Fans vorab einen Auswärtssieg zu versprechen - es kam komplett anders. Den Spätherbst in Hannover, der für Übungsleiter immer besonders verzwickt zu sein scheint, hat damit auch Zimmermann nicht überstanden.

Und jetzt? Kommt wieder Mirko Slomka?

Hannover 96 - Zimmermann

Nur 161 Tage Hannovers Trainer: Jan Zimmermann.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Dies darf als unwahrscheinlich gelten, allerdings: Eine echte Idee, wohin es mit dieser Mannschaft gehen soll, vermisst man bei 96 schon länger. Mal wird ein Trainer mit großer Erfahrung angestellt (Slomka, Thomas Schaaf), dann einer, der "die zweite Liga kennt" (Kenan Kocak), oder eben ein unverbrauchter Coach wie Zimmermann. Funktionierte alles nicht, elf Trainer hat 96 in den vergangenen zehn Jahren zerschlissen. Wer nicht alles schon da war: Michael Frontzeck, Thomas Schaaf, André Breitenreiter, Thomas Doll. Slomka gleich zweimal. Elf Trainer in zehn Jahren, damit ist der kleine HSV aus Hannover längst in die Sphären des großen HSV aus Hamburg vorgestoßen.

2012/13 spielte Hannover 96 noch im Europapokal, seitdem ging es abwärts

Die Geschichte dieses Absturzes erinnert an jene, die man bei anderen Traditionsklubs verfolgt hat. Man fühlt sich groß und stark genug für den Wiederaufstieg, schließlich gehört man ja auch in die Bundesliga - und findet sich zwei Umbrüche später an der Schwelle zur dritten Liga wieder. In der Saison 2012/13 spielte 96 noch im Europapokal, seitdem ging es nur noch abwärts. 2016 und 2019 musste Hannover die Bundesliga verlassen, zuletzt wurde der Wiederaufstieg zweimal deutlich verpasst.

Der aktuelle Absturz in die unteren Zweitliga-Regionen mutet nicht einmal unverdient an, obwohl das Team zu den kostspieligeren der Liga zählt. Es ist schwer, die Klasse zu halten, wenn die Stürmer ihrem Kerngeschäft nicht nachgehen. Zehn Ligatore nach 15 Spieltagen sind ein Minusrekord für den Klub; der einzige Mehrfachtorschütze dieser Saison ist Sebastian Kerk mit vier Treffern, ein Mittelfeldspieler.

Aber nicht nur die Trainer kommen und gehen: Zuletzt gab es auch wieder einen Wechsel auf dem Posten des Sportchefs. Marcus Mann wurde von der TSG 1899 Hoffenheim verpflichtet, Gerhard Zuber dafür freigestellt. Wer dagegen immer noch da ist: Martin Kind. In Bundesliga-Zeiten war er der allmächtige Klubchef, heute ist er immer noch Geschäftsführer, auch wenn er sich mit der erstarkten Gegenbewegung im Klub arrangieren muss. Kind ist kleinlauter geworden in den vergangenen Wochen, man müsse alles daran setzen, die Tabellenregion wieder zu verlassen. "Wir können und dürfen nicht absteigen", sagte er zuletzt.

Doch zuerst muss Kind erneut bei der Trainersuche ran, was zu einigen Problemen führt. Das erste: Ambitionierte Übungsleiter stehen zu dieser Jahreszeit selten Schlange, außerdem sind andere Standorte offensichtlich attraktiver als die niedersächsische Landeshauptstadt. Der frühere Kieler Ole Werner, auf den man ein Auge hatte, hat sich gerade Werder Bremen angeschlossen. Uwe Neuhaus, der Bielefelder Aufstiegstrainer, wartet angeblich lieber, bis in Düsseldorf etwas frei wird. Nun sind Uwe Rösler (zuletzt Fortuna Düsseldorf) und Daniel Thioune (zuletzt Hamburger SV) im Gespräch, vielleicht gesellt sich ein Überraschungskandidat dazu.

Noch ein Problem: Es ist lange her, dass Kind bei der Trainersuche eine glückliche Hand bewiesen hat.

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