1. FC Nürnberg:Noch nicht bereit

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1. FC Nürnberg: Schon wieder drin: Paderborns Felix Platte (hinten) hat zum 0:2 getroffen, der Nürnberger Asger Sörensen kann dem Ball nur hinterherschauen.

Schon wieder drin: Paderborns Felix Platte (hinten) hat zum 0:2 getroffen, der Nürnberger Asger Sörensen kann dem Ball nur hinterherschauen.

(Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/imago)

Die Richtung stimmt - aber das 1:2 gegen Paderborn lässt erahnen, dass der Club in dieser Saison wohl nur einen Zwischenschritt geht. Trainer Klauß vermisst "die letzte Entschlossenheit, die letzte Gier, den letzten Mut".

Von Sebastian Leisgang, Nürnberg

Dieses Mal blieb Robert Klauß die Frage erspart. Hätte ja durchaus sein können, dass schon wieder jemand wissen will, was diese Niederlage wohl für den Ausgang der Saison bedeute, doch dieses Mal fragte kein Reporter nach dem großen Ganzen. Alles, was die Journalisten nach dem 1:2 gegen Paderborn in Erfahrung bringen wollten, galt ausschließlich dem 1:2 gegen Paderborn.

Klauß, 37, frühstückte die Fragen ab, eine nach der anderen, gleichförmig wie ein Kantinenautomat, aber eben auch genauso akkurat, immer auf den Punkt. Nürnbergs Trainer erklärte, warum seine Mannschaft so spät in die Offensive gegangen war, er haderte, dass sie streckenweise ziemlich mutlos gespielt hatte, und er verriet, dass er dem Stürmer Schäffler eine vergebene Torchance ebenso verzeihe wie dem Verteidiger Sörensen und übrigens auch jedem anderen Menschen auf der Welt. Mache ja keiner mit Absicht, sagte Klauß, bedankte sich wenig später, stand auf und ging.

Einzelne Szenen, Spieleindrücke und Taktisches: Es waren Detailfragen, mit denen sich der 1. FC Nürnberg nach dem ersten Spiel des neuen Jahres beschäftigte, dabei war es doch auch dieses Gefühl, das einen am Samstagnachmittag im Max-Morlock-Stadion beschlich: Für ganz oben wird's nicht reichen, weil die anderen dem Club voraus sind.

In dieser zweiten Liga darf schon mal was daneben gehen. Passiert den anderen ja auch

Die Mannschaft hat ja noch nicht diese offensive Wucht in ihrem Spiel wie Darmstadt, nicht diese Selbstverständlichkeit wie St. Pauli, und sie ist auch noch nicht so weit wie die Bremer, die jetzt Woche für Woche abliefern, seit Ole Werner als neuer Trainer das Wort führt.

Schon in den ersten Wochen der Saison, als Nürnberg kein einziges Mal verlor, war es in aller Regel nicht gerade mitreißend, wie die Mannschaft auftrat. Sie spielte zweimal unentschieden, dann gewann sie und spielte wieder unentschieden. Gewann, spielte unentschieden. Gewann, spielte unentschieden, und als sie im Oktober dann doch zwei Mal hintereinander gewonnen hatte, 1:0 in Dresden und 4:0 gegen Heidenheim, da gingen prompt die ersten Spiele verloren.

Das 1:2 gegen Paderborn war nun die fünfte Niederlage. Keine zwar, die einen dazu veranlassen muss, in einen Abgesang auf den Club einzustimmen, die Schlussszene aber, die, die einem im Kopf bleibt, die war dann schon so etwas wie ein Sinnbild. In der vierten Minute der Nachspielzeit hätte es plötzlich doch noch ein gutes Ende nehmen können, Sörensen hatte freie Bahn, er war gerade noch zur rechten Zeit am rechten Ort, sechs Meter vor dem Paderborner Tor, doch Sörensen, der Verteidiger, war der falsche Mann - er schoss weit über das Ziel hinaus.

Als es dann vorbei war, bemängelte Klauß, dass seiner Mannschaft "die letzte Entschlossenheit, die letzte Gier, der letzte Mut" gefehlt habe. Seine Spieler hatten zu lange das Risiko gescheut, und so verfestigte sich der Eindruck - die Sörensen-Szene war bloß beispielhaft -, dass da keine Mannschaft spielt, die die Gelegenheit beim Schopfe packt.

Torwart Mathenia hält der Mannschaft die Möglichkeit offen, zumindest wieder unentschieden zu spielen

Schon klar, es war nur ein Spiel, und in dieser zweiten Liga darf schon mal was daneben gehen. Passiert den anderen ja auch, und es bleibt noch genug Zeit, um es hinzubiegen, 15 Spiele sind es noch, doch in den ersten 19 hat der Club nur fünf Tore mehr geschossen als kassiert. Und wer weiß schon, wie die Bilanz aussähe, wenn nicht Christian Mathenia zwischen den Pfosten stehen würde. Nürnbergs Torwart hat der Mannschaft in dieser Saison schon so manchen Punkt gerettet und ihr auch am Samstag gegen Paderborn lange die Möglichkeit offengehalten, zumindest wieder unentschieden zu spielen, nachdem die Mannschaft vor der Winterpause 3:1 in Aue gewonnen hatte.

Nach dem Spiel sagte Mathenia: "Ich denke, dass wir in dieser Saison eine Entwicklung genommen haben, aber wir müssen jetzt in der Rückrunde auch noch eine Entwicklung nehmen." Er klang weder mahnend noch besorgt, an sich geht's dem Club ja gut. Es wächst was zusammen, die Richtung stimmt, und die Mannschaft ist noch lange nicht am Ende ihres Weges. Aber, und auch so ließen sich die 90 Minuten gegen Paderborn lesen: Es braucht noch Zeit, bis die Nürnberger am Ziel ankommen.

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