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2. Bundesliga:Angsthasenfußball statt stilvolle Dominanz

TSV 1860 München - SV Sandhausen

Enttäuschung im Abstiegskampf: 1860-Abwehrspieler Abdoulaye Ba (M.) bekommt nach dem späten Ausgleichstreffer Zuspruch von den Löwen-Maskottchen.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Nur 1:1 gegen Sandhausen trotz zahlreicher Chancen. Und weil die Konkurrenz gewinnt, steht der TSV 1860 München wieder voll im Abstiegskampf der zweiten Liga.
  • "Wir haben nur noch auf den Schlusspfiff gewartet", sagt Trainer Vitor Pereira zum Spiel.
  • Derzeit haben die Löwen 33 Punkte - das Ziel in den nächsten fünf Spielen ist die 40-Punkte-Marke.

Aus dem Stadion von Markus Schäflein

Es lief die 82. Minute, da machten in der namenlosen Mannschaft des SV Sandhausen zwei zumindest in Bayern noch bekannte Protagonisten auf sich aufmerksam. Der frühere 1860-Nachwuchsspieler Thomas Pledl brachte eine Freistoßflanke herein, der frühere Ingolstädter Defensivspieler Markus Karl traf per Kopf zum 1:1-Endstand (83.). Wie zuletzt gegen den VfB Stuttgart hatte der TSV 1860 München wieder eine knappe Führung kurz vor Schluss vergeben, mit dem Unterschied, dass die zunehmend defensive Ausrichtung diesmal nach offiziellen Angaben nicht geplant war, sondern die Folge eine psychologischen Instabilität.

"Wir hatten nicht mehr das Spiel im Kopf, sondern nur noch die drei Punkte", klagte Trainer Vitor Pereira, "wir hatten irgendwie Angst, in Führung zu sein, haben nur noch auf den Schlusspfiff gewartet - und dann passieren Fehler." Angsthasenfußball statt stilvoller Dominanz, wie sie Pereira doch eigentlich vorschwebt. Nur zwei Zähler aus den vergangenen drei Spielen stehen damit zu Buche, viel zu wenig, um den Kampf um den Klassenverbleib hinter sich zu lassen.

Dabei hatte am Ostersonntag alles wunschgemäß begonnen. Pereira hatte die Frage, ob er den rotgesperrten Sebastian Boenisch in der Dreier-Abwehrkette durch Routinier Kai Bülow oder U21-Talent Marin Pongracic ersetzen würde, beantwortet mit: Bülow und Pongracic. Letzterer ersetzte auf der linken Seite den erkälteten Felix Uduokhai und gab ein gutes Zweitliga-Debüt mit offensiven Impulsen. Bülow rechtfertigte seinen Einsatz ebenfalls, mit einem Kopfballtor nach Freistoß von Michael Liendl kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 1:0 (45.).

Bis dahin hatten die im ersten Durchgang klar überlegenen Löwen schon eine ganze Reihe von Chancen vergeben: Sandhausens Torhüter Marco Knaller lenkte einen Schuss von Romuald Lacazette über die Querlatte (14.), Amilton aus spitzen Winkel (24.) und Stefan Aigner im Eins-gegen-eins (29.) scheiterten ebenfalls an Knaller, bei einem Durcheinander im SVS-Strafraum verpassten gleich mehrere Münchner die Führung (40.).

Nur noch ein Zähler trennt die Münchner von der Abstiegsrelegation

"Die erste Halbzeit war gut genug, um in Führung zu gehen", fand auch Pereira, "ich hätte mir gewünscht, dass die Mannschaft dann rausgeht und das 2:0 sucht." Doch nach dem Seitenwechsel setzte zwar noch Lacazette einen Kopfball nach Liendl-Freistoß zu hoch an (56.), dann kam aber Sandhausen immer besser ins Spiel. Tim Kister schoss über das Tor (61.), der eingewechselte Richard Sukuta-Pasu genau in die Arme von 1860-Torwart Stefan Ortega (62.), an dem auch Lucas Höler mit einem Distanzschuss scheiterte (67).

Pereira nahm in Ivica Olic den einzigen Stürmer vom Platz (71.), brachte den Zentralspieler Felix Neuhaus und stellte auf ein 5-3-2 mit Aigner und Amilton als vordersten Spielern um. Er habe dies "im Sinne der Kontrolle des Spiels gemacht", erklärte der Trainer - und natürlich auch, weil Olic 90 Minuten kaum mehr durchhält.

Spielkontrolle erlangten die Löwen jedenfalls in dem neuen System nicht, in der 80. Minute brachte Pereira dann noch Stürmer Christian Gytkjaer und Levent Aycicek für Liendl und Aigner, und kehrte so zur Ursprungsformation zurück. Eigeninitiative war allerdings auch mit diesem neuen Personal kaum mehr zu sehen. Und dann kam Karl.

Mit dem Remis versäumten es die Münchner, den SV Sandhausen in der Tabelle zu überholen; sie stehen auf Rang 12, aber angesichts des 1:0-Sieges von St. Pauli gegen Würzburg nur noch mit einem einzigen Zähler Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz. "Wir waren nie raus aus dem Abstiegskampf", erklärte Torschütze Bülow, "wir müssen mehr als 40 Punkte holen." Derzeit sind es 33, vier Mannschaften dahinter haben 32 - und noch fünf Partien stehen aus. Die nächste Gelegenheit, sich von den Abstiegsrängen zu distanzieren, gibt es für 1860 am Freitag beim 1. FC Kaiserslautern, einem der 32-Punkte-Konkurrenten.

© SZ vom 16.04.2017/schm
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