1860 München:Fenster-Gespräche

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1860 München: Zurück an den Schreibtisch: Geschäftsführer Günther Gorenzel hat für Michael Köllner das Training geleitet, jetzt ist der Cheftrainer wieder da.

Zurück an den Schreibtisch: Geschäftsführer Günther Gorenzel hat für Michael Köllner das Training geleitet, jetzt ist der Cheftrainer wieder da.

(Foto: Ulrich Wagner /imago)

Sechzig-Trainer Michael Köllner versucht, die Quarantäne mit Humor zu nehmen, hofft auf deren Ende - und auf eine "infektionsfreie Fahrt" zum Auswärtsspiel bei Viktoria Köln.

Von Christoph Leischwitz

Das Fenster geht auf - und da sitzt Michael Köllner! "Pendelquarantäne", nennt der Trainer des TSV 1860 München das, passenderweise musste er dann auch kurz noch einmal aufstehen und zum Laptop pendeln, um den Ton anzustellen. Man könnte es in Corona-Deutsch auch Hybrid-Arbeit nennen: In geschlossenen Räumen muss Köllner noch alleine sein, auf dem Platz trainieren durfte er seine Mannschaft am Freitag schon wieder - und löste dort den Geschäftsführer Günther Gorenzel ab, der kurzzeitig das Training des Corona-bedingt dezimierten Kaders übernommen hatte. Dessen Training "kam erstaunlicherweise gut an", scherzt Köllner nun, der offensichtlich demonstrieren wollte: Wir hatten Stress in den vergangenen Tagen, aber den Humor noch nicht verloren. Wenn alles gut geht, kann der bislang nicht infizierte Trainer am Samstag mit der Mannschaft in einem geschlossenen Bus auf eine "infektionsfreie Fahrt" zum Auswärtsspiel bei Viktoria Köln reisen (Sonntag, 13 Uhr), nachdem das Heimspiel gegen Kaiserslautern vergangenen Dienstag abgesagt werden musste.

Zum Abschluss einer überaus anstrengenden, vom Studium der Hygienemaßnahmen (Köllner: "Ich kenn' mich jetzt aus!") geprägten Woche waren die Sechziger bemüht, die ganze Sache nicht mehr allzu hochzuhängen - dabei war zu Beginn die Empörung groß gewesen nach einer Quarantäne-Anordnung, die fast alle betroffen hatte. "Die Absprache mit dem Gesundheitsamt war hervorragend", schwärmt Köllner nun, sehr viel Verständnis sei der Mannschaft entgegengebracht worden. Weil man die Risiken minimiert habe, sei es nun auch zu vertreten, dass die Partie in Köln stattfindet. Dabei stehen mehrere Schlüsselspieler nicht zur Verfügung, darunter Kapitän Stefan Lex. "Es kann sein, dass wir einige Jugendspieler mitnehmen", erklärte der Trainer. Auch deshalb, weil es zusätzlich verletzte Spieler zu beklagen gibt; so stehen unter anderem Marius Willsch und Daniel Wein nicht zur Verfügung, Spielmacher Richard Neudecker ist gelbgesperrt. Bekanntlich dürfen aber solche Spieler nicht mitgezählt werden wenn es darum geht, einen Kader mit Infizierten zum Zweck einer Spielverlegung kleinzurechnen.

Neue Spieler? Köllner wiederholt mantraartig, dass man Bedarf und wirtschaftliche Machbarkeit zusammenbringen müsse

Ob der gesamte Kader indes groß genug ist, um das sportliche Ziel (Angriff auf die Aufstiegsplätze) noch erreichen zu können, ist Ende Januar fast schon traditionell ein heiß diskutiertes Thema. Denn womöglich geht bald das Fenster zu, in diesem Fall das Transferfenster, und da sitzt dann kein neuer Spieler. Auf die Fragen, ob Sechzig sich denn nicht noch mit dem einen oder anderen Akteur verstärke, wiederholte Köllner vermutlich so oft, wie er sich im Laufe der Woche testen lassen musste: Es werde analysiert, ob Bedarf besteht, wenn ja, auf welcher Position. Dann müsse der Markt eruiert und das mögliche Interesse in Einklang mit der wirtschaftlichen Machbarkeit gebracht werden. Köllner sagte nicht, ob und wo man sich in diesem Prozess befindet. Und merkte an, dass "der Prophet im eigenen Land" bei ihm ja sehr viel wert sei. Spieler wie Wein oder Willsch seien ihm ungemein wichtig. Gerüchteweise soll Sechzig am Ex-Sechziger Tim Rieder von Türkgücü München interessiert sein, der auf Weins Position im defensiven Mittelfeld spielt.

Für das Spiel am kommenden Sonntag gibt sich Köllner zuversichtlich, punkten zu können. Ein Gradmesser dafür, ob noch weitere Spieler benötigt werden, ist es aber sicher nicht - dafür muss für den Sonntag viel zu viel improvisiert werden.

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