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1860 München:"Die, die gestern erschienen sind, waren gegen mich als arabischen Investor"

Dass Ismaiks Bruder Yahya nicht in den Verwaltungsrat gewählt und bei seiner Vorstellung ausgebuht und ausgelacht wurde, dass im Auditorium zudem ausdauernd die Melodie des Spottlieds "Scheiß auf den Scheich" gepfiffen wurden, rundete das Bild ab, dass der Investor - zumindest von der großen Mehrheit der Anwesenden - nicht mehr gewünscht ist. Ismaik zeigte sich von der offensichtlichen Aversion am Montag gegenüber der SZ wenig beeindruckt. "Was passiert ist, ist okay. Meine Antwort ist: Der Klub und meine 60 Prozent (an der KGaA, d. Red.) stehen nicht zum Verkauf. Das war nicht die Mehrheit. Die Mehrheit sind 25 000 Mitglieder. Die, die gestern erschienen sind, waren gegen mich als arabischen Investor."

Dass sein Bruder nicht in das Kontrollgremium gewählt worden ist, sei sogar "besser" so, findet Ismaik - warum auch immer.

Die Gruppe, die der investorenfreundliche Fanklubverband Arge gestellt hatte, sei leider "very little" gewesen, also sehr klein. Dazu ergänzte er: "Wenn der e.V. den Kooperationsvertrag kündigen will, ist das okay für mich. Warten wir das Gerichtsurteil ab." Damit meint er seine Klage gegen die 50+1-Regel. Ohne juristische Gegenwehr wird Ismaik auf den Vertrag, der ihm die komplette Machtübernahme für den Fall eines Sturzes der 50+1-Regel garantiert, wohl auch nicht verzichten.

Aus dem fernen Singapur meldete sich dann auch noch Uli Hoeneß zu Wort. "Solange dieses Hickhack um den Herrn Ismaik nicht beendet ist, wird Sechzig nicht weiterkommen", sagte der Präsident des FC Bayern. Er sprach sich für einen Einstieg des Münchner Geschäftsmanns Gerhard Mey aus. "Als ich vor einigen Wochen gelesen haben, dass der Gesellschafter von Webasto offensichtlich Interesse hat, da einzusteigen, wenn der Ismaik da aufhören würde, da habe ich mir gedacht, hoppla, das wäre mal eine Sache, die man ernst nehmen sollte", sagte Hoeneß.

Stellt sich nur noch die Frage, ob die Mitglieder von 1860 ernst nehmen, was Uli Hoeneß denkt.

© SZ vom 25.07.2017/schm
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