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11 im Fokus - das Rückrunden-Puzzle:Der Teuerste von allen

VfL Wolfsburg - Vorstellung de Bruyne

Neu in Wolfsburg: Der Belgier Kevin De Bruyne kostete den VfL ein hübsches Sümmchen.

(Foto: dpa)

Nur Kleingeldbeträge wurden in dieser Winterpause von den Bundesliga-Klubs in neues Personal investiert - naja, abgesehen vom VfL Wolfsburg, der sich für über 20 Millionen Euro Kevin De Bruyne leistete. Der letzte Teil unserer Serie von Spielern, auf die Sie in der Rückrunde achten müssen.

Zum Beispiel die Bayern. Kein neuer Spieler. Oder der BVB. Ebenfalls Fehlanzeige. Leverkusen hat sich immerhin den jungen Julian Brandt geleistet, offiziell jedoch ablösefrei. Und bei Schalke reichte es gerade, um Jan Kirchhoff auszuleihen. So gehört Hannover 96, das eine halbe Million Euro für Artjoms Rudnevs bezahlte, schon zu den Großinvestoren dieses Transferwinters. Und natürlich Mainz 05, das überraschend acht Millionen für Todor Nedelev und Ja-Cheol Koo hinlegte.

Knapp über zehn Millionen Euro hatten die Bundesligaklubs bis vor wenigen Tagen in neues Winterpersonal investiert, was schon als neuer Minusrekord gedeutet wurde. Es gab schließlich Zeiten, da hatte Felix Magath beim VfL Wolfsburg eine solche Summe binnen weniger Tage allein in den Transferorbit gejagt. Wie im Winter 2011/12, als er für Kräfte wie Petr Jiracek, Ricardo Rodriguez oder Giovanni Sio fast 30 Millionen Euro hinblätterte.

Vielleicht fühlte sich sein Ex-Klub aus Tradition verpflichtet, diese Winterpause nicht zur Kleingeldzone verkommen zu lassen. Die Transferperiode drohte ohne Großereignis zu Ende zu gehen, ehe der VfL doch noch zuschlug und die Rückkehr des hochtalentierten Kevin De Bruyne verkündete. Die Wolfsburger zeigen damit, dass der Verein nicht gewillt ist, die teuren Transfers allein den Großklubs in Dortmund und München zu überlassen: Schon im Sommer überwies der VfL 20 Millionen Euro für Luiz Gustavo, De Bruyne dürfte sogar noch etwas kostspieliger gewesen sein. Der Verein schweigt, geschätzt wird eine Summe bis zu 22 Millionen Euro.

Die Aussage von Geschäftsführer Klaus Allofs, der vor wenigen Monaten bekannte, man lebe in der monetär gut ausgestatteten Autostadt auch nicht im "Schlaraffenland", steht damit etwas seltsam in der Landschaft. Solche Bekenntnisse sind nun egal. Das Gerede um eine ereignislose Winterpause ist verstummt. Und De Bruyne ist - ganz nebenbei - der teuerste Wintertransfer der Bundesliga-Geschichte.

Das dies so kam, verwunderte manchen Branchenbeobachter. Von De Bruynes altem Klub aus London waren zuletzt ausdrücklich widersprüchliche Signale zu vernehmen. Die Hinrunde über hatte Coach José Mourinho eher selten auf die Dienste des Belgiers gesetzt, er parkte ihn auf der Bank, manchmal sogar auf der Tribüne. Um dann aber zu erklären, dass er auf genau diese Dienste keinesfalls verzichten wolle. Letztlich wollte Mourinho damit wohl lediglich den Preis nach oben treiben.

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Dass sich De Bruyne für Wolfsburg und nicht etwa für Dortmund oder Leverkusen entschied, denen ebenfalls Interesse nachgesagt wurde, hat natürlich mit Klaus Allofs zu tun. Der hatte den Belgier bereits 2012 per Leihgeschäft nach Bremen gelotst, wo De Bruyne seine bislang beste Zeit hatte (zehn Tore in 33 Spielen). Bevor der Spieler auf Geheiß von Mourinho zurück nach Chelsea musste, kämpfte Allofs vehement um ihn. Das hat der mittlerweile 22-Jährige nicht vergessen.

Der belgische Nationalspieler hatte keine Lust mehr, von einem Verein zum nächsten geschoben zu werden. Seit 2012 ist er in Besitz des FC Chelsea, hat jedoch nur ein halbes Jahr für seinen Stammverein gespielt. "Für mich war es sehr wichtig, nach vier Klubs in zweieinhalb Jahren wieder Kontinuität zu finden", erläutert de Bruyne: "Ich will mich über mehrere Jahre bei einem Verein weiterentwickeln." Dieser Klub soll ausdrücklich Wolfsburg sein, wo er einen Fünfeinhalb-Jahresvertrag unterzeichnet hat. Der VfL ist aktuell Tabellenfünfter. Die Teilnahme an der kommenden Champions-League-Saison ist alles andere als ausgeschlossen.

Zum Rückrundenstart gegen Hannover 96 soll De Bruyne gleich auflaufen, sein Trainer Dieter Hecking sucht derzeit ein Plätzchen für ihn im gut bestückten Wolfsburger Offensivapparat. "Er hat mich im Training überzeugt", sagt Hecking, "ich sehe kein Risiko, ihn jetzt sofort reinzuschmeißen." Auch der Belgier will sofort helfen: "Ich habe sechs Monate ohne Winterpause trainiert. Ich bin physisch fit und kann viel laufen", sagt De Bruyne. Bei solchen Sätzen dürfte Felix Magath noch ein letztes Mal sein Wolfsburger Herz aufgehen.

11 im Fokus - Bislang erschienen: Julian Green (FC Bayern), Josip Drmic (1. FC Nürnberg), Marc-André ter Stegen (Mönchengladbach), Kyriakos Papadopoulos (FC Schalke 04), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund), Kevin Vogt (FC Augsburg), Tobias Weis (Eintracht Frankfurt), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig) und Julian Brand (Leverkusen).

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