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11 im Fokus - das Rückrundenpuzzle:Stille Schritte in eine ungewisse Zukunft

Bastian Schweinsteiger FC Bayern München

Bastian Schweinsteiger beim Trainingslager in Doha.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bastian Schweinsteiger wird im Sommer 30 Jahre alt, mit dem FC Bayern will er das Triple verteidigen, dann steht die Fußball-WM an. Nach vielen Verletzungen stellt sich die Frage: Wird er wieder richtig fit, um im vielleicht wichtigsten Halbjahr seiner Karriere der alte Mittelfeld-Chef zu werden?

Von Jonas Beckenkamp

Wer an das Fußballjahr 2003 zurückdenkt, landet schnell bei dieser herrlichen Lausbuben-Geschichte. Der Boulevard rieb sich die Hände, weil Bastian Schweinsteiger einen nächtlichen Ausflug ins Trainingsgelände des FC Bayern unternommen hatte. Natürlich steigen 18-Jährige nicht allein in den Whirlpool - schon gar nicht der Mann, der damals noch ganz offiziell "Schweini" hieß. Eine junge Dame war dabei, "es war meine Cousine, der ich den Bayern-Trakt zeigen wollte", sagte der Ertappte später. Schweini, Schwimmbecken, so war das damals im Sommer vor zehneinhalb Jahren.

Heute ist Bastian Schweinsteiger ein hoch seriöser Fußballspieler. Einer, der vorangeht, ein Vorbild, ein wohl frisierter Statesman, der sich seiner Rolle bewusst ist. Vom Wandel des Menschen Schweinsteiger hat die Öffentlichkeit wenig mitbekommen. Wer erwachsen wird, muss eben nicht mehr in jedes Planschbecken springen. Auch der Sportler Schweinsteiger hat sich entwickelt: Früher sollte er die Außenlinie entlang flitzen, jetzt hält er im Zentrum den Laden zusammen. Wenn er denn spielt. Dass der Ko-Kapitän des FC Bayern auf dem Platz seinem Beruf nachgeht, war in letzter Zeit gar nicht so selbstverständlich.

2010 hatte die Welt bei der WM in Südafrika einen strategisch herausragenden Schweinsteiger erlebt, in den beiden Jahren danach gab es in Europa kaum einen besseren Mittelfeldspieler. Dann begann die Seuchenzeit. In der Saison 2011/12 brach ein Schlüsselbein, ein Außenband riss, das Sprunggelenk machte Probleme und im Drama dahoam erlitt er einen bösen Tritt in die Wade. Schweinsteiger quälte sich durch die EM. Es folgte die erste Operation am Knöchel und ein herausragendes Spieljahr mit drei Titeln. Gemeinsam mit Javi Martínez bildete er eine Macht in der Mitte.

Die Leistungsschwankungen auf hohem Niveau kehrten in dieser Hinrunde zurück: Mal trat (wie in Schalke) der souveräne, onmipräsente Schweinsteiger in Erscheinung, mal (wie in Pilsen) ein seltsam geschwächter. Der Boss der Bayern war nicht fit, doch eingestehen wollte sich der oberbayerische Sturkopf das nicht, schon gar nicht öffentlich. Bis zum November - da manifestierte sich in Form einer Notiz von Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt, dass der rechte Fuß erneut in Chirurgenhände muss. Im November war das, die Bayern siegten munter weiter und um Schweinsteiger ist es still geworden. Doch jetzt, zum Start der Rückserie, rückt seine Situation wie von selbst in den Fokus. Es ist ja nicht irgendein Halbjahr. Und er ist nicht irgendein Spieler.

Bastian Schweinsteiger wird im Sommer 30, mit den Bayern will er das Triple verteidigen und dann steht noch die Fußball-WM in Brasilien an. Ausgerechnet in diese Gemengelage gerät Schweinsteiger nun mit einem frisch operiertem Gelenk, dessen Stabilität Fragen aufwirft. Kann er noch einmal beschwerdefrei spielen? Brauchen die Bayern ihn überhaupt noch? Findet er auch mit wenig Einsatzzeit seinen Rhythmus? Welche Pläne verfolgt Trainer Pep Guardiola, der auf der Sechserposition längst mit Philipp Lahm plant? Und wie reagiert Bundestrainer Joachim Löw, wenn ihm nach dem Kreuzband-Patienten Khedira auch noch ein Schweinsteiger mit wenig Spielpraxis in Richtung WM schlingert?

Vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Gladbach hielten sich die Beteiligten mit Prognosen zurück. Guardiola hält seinen Dauerpatienten für "fast bereit", doch er hat registriert, dass Schweinsteiger im Trainingslager in Doha nur in homöopathischen Dosen mit dem Team trainierte. "Er war zwei Monate raus, er braucht Zeit", gibt der Coach zu Bedenken, "der erste Schritt für ihn ist, mehr mit uns zu trainieren." Der Rekonvaleszent selbst formuliert die Lage pragmatisch: "Ich bin zufrieden, wie es jetzt ist. Ich gehe das alles mit Geduld an, Schritt für Schritt. In die Zukunft schauen kann ich nicht."

Mit dieser Ungewissheit geht Bastian Schweinsteiger in einen entscheidenden Lebensabschnitt - nicht wenige finden, es könnte der wichtigste seiner Karriere werden.

Wer trägt die Hoffnungen der Bundesliga-Klubs in der Rückrunde? Wer startet ein aufsehenerregendes Comeback? Und wer kommt nochmal groß raus, obwohl er schon fast vergessen war? Die Sportredaktion von SZ.de stellt Ihnen elf Spieler vor, auf die Sie achten sollten.

Bislang erschienen: Julian Green (FC Bayern), Josip Drmic (1. FC Nürnberg), Marc-André ter Stegen (Mönchengladbach), Kyriakos Papadopoulos (Schalke 04), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund), Kevin Vogt (FC Augsburg), Tobias Weis (Eintracht Frankfurt).

© SZ.de/rus

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