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Leichtathletik-WM:"Dann ist das halt so, dann muss ich das hinnehmen"

Leichtathletik-WM

Gina Lückenkemper kommt ins Ziel. Sie verpasst als Letzte ihres Laufes den Einzug ins WM-Finale.

(Foto: dpa)
  • Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto verpassen das Finale über 100 Meter - obwohl es rein nach ihren Bestzeiten in Reichweite gewesen wäre.
  • Beide hadern mit ihren Halbfinal-Läufen und hoffen nun auf die Staffel. Dort hält das deutsche Team die Weltjahresbestzeit.
  • Es gewinnt die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce in 10,71 Sekunden.

Laufen fühlt sich für Gina Lückenkemper manchmal wie Fliegen an. Und für Beobachter sieht das dann auch so aus: Wenn die 22-Jährige über 100 Meter mal wieder später als alle anderen aus dem Startblock kommt und bis zum Ende des Rennens doch noch an einigen vorbeizieht. In den Vorläufen in Doha war ihr das zum Beispiel gelungen, doch nachdem sie am Sonntagabend ihr Halbfinale beendet hatte, musste sie feststellen: Das mit dem Fliegen, "das war heute leider nicht der Fall".

In 11,30 Sekunden kam sie als Letzte ihres Laufs ins Ziel, "scheiße, was anderes kann man dazu nicht sagen", fand Lückenkemper, "das war heute definitiv keine Glanzleistung". Nach dem ersten TV-Interview schaute sie im Stadion noch zu, ob Tatjana Pinto der erste Finaleinzug einer Deutschen seit 1997 gelingen würde, doch in 11,29 Sekunden war auch für die 27-Jährige im Halbfinale Endstation. "Als ich mich aufgerichtet habe, konnte ich meine Beine irgendwie nicht spüren. Das war total komisch. Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagte Pinto: "So schnell sind ein paar Zehntel drauf, wenn man nicht locker bleibt." Im Finale eroberte am Sonntagabend schließlich Jamaikas Shelly-Ann Fraser-Pryce mit der Weltjahresbestleistung von 10,71 Sekunden den WM-Titel vor der Britin Dina Asher-Smith (10,83) und Marie-Josée Ta Lou (10,90) von der Elfenbeinküste.

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Für Lückenkemper und Pinto war das Abschneiden in Doha ernüchternd, denn mit Blick auf die Liste der Finalteilnehmer wurde ja klar: Da hätten auch ihre Namen stehen können. 11,10 Sekunden hätten dafür gereicht, sowohl Pinto als auch Lückenkemper sind in ihrem Läuferleben schon deutlich schneller unterwegs gewesen. Anfang August hatte sich Pinto in 11,09 Sekunden den Deutschen Meistertitel gesichert, Lückenkemper war damals hinter ihr gelandet und musst nun in Doha feststellen, dass ihre Saison mit dem Höhepunkt im Kalender nicht die erwünschte Steigerung gefunden hat. Sie habe Schmerzen in den Beinen gehabt, sagte Lückenkemper weiter, "die sind im Warmup eher schlimmer geworden als weniger." Dass sie für die Staffel, die am Freitag die Vorläufe bestreitet, rechtzeitig fit werden würde, glaubte sie dennoch: "Ich habe da keine Sorge. Wenn wir jetzt schnell genug reagieren, kann das schnell genug wieder weggehen." Mit 41,67 Sekunden hält das deutsche Quartett die Weltjahresbestleistung und gehört zu den Medaillenkandidaten.

2017 war Lückenkemper in London mit 10,95 Sekunden persönliche Bestzeit gelaufen, vor einem Jahr ist sie in Berlin EM-Zweite geworden. Wo sie lief, war Fröhlichkeit. In Doha wich sie der Enttäuschung. "Natürlich ist das Jahr nicht so für mich gelaufen, wie ich es gerne hätte", sagte Lückenkemper, "ich weiß aber auch warum und weiß, was bei mir in den letzten Wochen privat so passiert ist. Dann ist das halt so, dann muss ich das hinnehmen. Dann muss ich einfach gucken, wie es weitergeht." Es folgte ein stiller Moment, obwohl sie sonst beim Reden kaum Pausen macht. Kurz vor der WM in Doha hatte sie sich nochmal eine Auszeit vom Sport genommen, war mental ausgelaugt von einer langen Saison. Und der Erkenntnis, dass sie nun eben immer wieder an diesen 10,95 Sekunden von London gemessen wird. Im Finale hätten sie für Rang fünf gereicht.

Als um 23.20 Uhr im Khalifa-Stadion von Doha die Lichtershow erloschen war, meldete sich eine andere zurück: Shelly-Ann Fraser-Pryce, die nach ihrem starken Finale mit Sohn Zyon auf dem Arm die Ehrenrunde lief. Die WM in Doha war für die zweifache Olympiasiegerin, die 2010 eine halbjährige Dopingsperre absaß, die erste große Bühne seit 2016 in Rio, 2017 wurde sie Mutter. Als "pocket rocket" hatte sich Fraser-Pryce früher selber ironisch aufgrund ihrer Größe von 1,52 Metern bezeichnet, aus der Taschenrakete ist nun eine "mommy rocket" geworden, die so schnell ist wie lange nicht mehr: 2008 wurde sie in Peking Olympiasiegerin mit 10,78 Sekunden. "Ich bin zurück", sagte sie noch ins Stadion-Mikrofon in Doha, bei den TV-Interviews schlief der Sohn auf ihrem Arm. Es war ja auch schon fast Mitternacht.

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