1. FC Nürnberg:Zu große Düsseldorfer

1. FC Nürnberg: Bedient im Schneegestöber: Nürnbergs Fußballer nach der herben Heimniederlage gegen Düsseldorf.

Bedient im Schneegestöber: Nürnbergs Fußballer nach der herben Heimniederlage gegen Düsseldorf.

(Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/Imago)

Der Club geht im Heimspiel gegen die Fortuna mit 0:5 unter - nach dem 1:4 in Karlsruhe hat die Mannschaft den guten Eindruck der Vorwochen bereits wieder beschädigt.

Von Christoph Leischwitz

Bevor sich Fans und Spieler des 1. FC Nürnberg einen winterbedingten Spielabbruch wünschen konnten, war erst einmal Richard Hempel dran. Der Schiedsrichter hatte nämlich auch einen gebrauchten Tag, wenngleich auf andere Art. Das Zwicken in seiner linken Wade verursachte am Samstag im Zweitligaspiel gegen Fortuna Düsseldorf eine 13-minütige Unterbrechung inklusive eines kurzen Kabinengangs für die Mannschaften. Der vierte Offizielle Assad Nouhoum aus Fürstenfeldbruck übernahm dann ein Spiel, das wenig später in noch weniger Spielminuten entschieden war: Die drei Tore der Gäste vor der Pause (45.+7, 45.+9, 45.+15) dürften dazu geführt haben, dass sich Trainer Cristian Fiél und seine Akteure im Nachhinein eine Unbespielbarkeit des Platzes gewünscht haben. Dann wäre zumindest nicht aufgefallen, dass Düsseldorf für den Club an diesem Tag unbespielbar war.

0:5 hieß es am Ende, und das völlig verdient. Vor der Partie hatte Fiél noch davon gesprochen, dass Düsseldorf "unfassbar ballsicher" sei. Die wichtigsten Statistiken belegten seine Aussage, und zwar im Wortsinn: 39 Prozent Ballbesitz für Nürnberg, dementsprechend wenige Torchancen, gerade einmal ein Schuss ging in Richtung des gegnerischen Kastens. "Wir hatten heute wenig Zugriff", fand der defensive Mittelfeldspieler Florian Flick, man müsse jetzt viel "analysieren und uns dann verbessern". Viel Zeit bleibt freilich nicht: Am Dienstagabend tritt Nürnberg als letzte verbliebene bayerische Mannschaft im DFB-Pokal an, beim 1. FC Kaiserslautern (18 Uhr), der am Sonntag seinen neuen Trainer Dimitrios Grammotzis bekannt gab.

In Nürnberg waren auf der Jahreshauptversammlung vor anderthalb Wochen Mannschaft und Trainer noch von Vereinsmitgliedern gefeiert worden, Fiél hatte gegen seine Absicht eine Rede halten müssen, für die er viel Applaus bekam. Seitdem hat die Mannschaft allerdings in zwei Partien neun Gegentore gefangen und droht jetzt, den hart erarbeiteten Zuspruch wieder zu verlieren. Allerdings sieht der 43-jährige Coach unterschiedliche Gründe für das 1:4 in Karlsruhe und das 0:5 zu Hause. Beim Gastspiel im Badischen hatte Fiél eher "Einstellung und Mentalität" als Problem ausgemacht, diesmal habe man schlicht "keine Chance gehabt", Düsseldorf sei einfach die bessere Mannschaft gewesen.

Beim Club gibt es niemanden, der nach einem Rückstand das Spiel an sich reißt, klagt Trainer Fiél

Fortuna-Trainer Daniel Thioune merkte nach dem klaren Sieg an, dass man sich akribisch auf den Gegner vorbereitet habe und zu dem Schluss gekommen sei, auf Flügelspieler zu verzichten und das Zentrum zu überladen. Was wiederum den Schluss zulässt, dass Nürnbergs vertikal ausgerichteter Fußball zu einfach zu durchschauen ist. Außerdem ging von den Düsseldorfer Flügeln immer noch genug Gefahr aus. Dafür sprechen die beiden Kopfballtore von Vincent Vermeij zum 1:0 und 3:0. Offenbar hat die Nürnberger Innenverteidigung gegen einen Angreifer von 1,96 Meter Körpergröße enorme Probleme - Düsseldorfs Niederländer schnürte dank seines verwandelten Handelfmeters (56.) einen Dreierpack.

"Die ersten zwei Tore fallen durch Flanken. Wir haben die Boxverteidigung noch unter der Woche thematisiert", ärgerte sich Fiél. Seine junge Mannschaft hat noch ein weiteres gravierendes Problem, das diesmal besonders stark zutage trat. Auf die Frage, warum die Mannschaft nach einem Gegentor oft ein schnelles zweites fängt, antwortete der Trainer, das läge "ein Stück weit an der Erfahrung", also: an der fehlenden. Da sei manchmal niemand da, "der das Ding auf dem Feld an sich reißt".

Nur wegen der zusätzlichen Pause geriet das Spiel in den Schlussminuten dann noch in einen Schneesturm. Es erwies sich als vorausschauend, die Spielfeldlinien in Rot gezogen zu haben, von einem Abbruch war man zum Leidwesen der Nürnberger allerdings weit entfernt. Viele der gut 33 000 Zuschauer hatten das Stadion da schon verlassen.

Einen Lichtblick gab es aber noch: Zeitgleich mit dem 0:5 in Nürnberg hatte der 17-jährige Finn Jeltsch aus dem Club-Nachwuchs mit der U17 den WM-Titel geholt. "Ich freue mich unfassbar für den Jungen. Davon wird er noch seinen Enkeln erzählen", sagte Fiél. Davor wird Jeltsch aller Voraussicht nach auch noch seine ersten Einsätze bei Nürnbergs Profis bekommen. Und einer von den vielen jungen Spielern sein, die beim Club zum Einsatz kommen, um möglichst schnell und viel zu lernen.

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