1. FC Nürnberg:Der Marktwert steigt immer weiter

1. FC Nürnberg: Bin wieder da: Nürnbergs Toptalent Can Uzun grüßt die Fans nach seinem Führungstreffer gegen Hansa Rostock.

Bin wieder da: Nürnbergs Toptalent Can Uzun grüßt die Fans nach seinem Führungstreffer gegen Hansa Rostock.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der Club startet nach der Winterpause erfolgreich in die Restsaison. Beim 3:0 gegen Rostock trifft der 18-jährige Can Uzun doppelt.

Von Christoph Leischwitz

Es war gewiss noch nicht alles perfekt in diesem Spiel, aber es gab diese eine Szene, die der Perfektion ziemlich nahekam. Der 1. FC Nürnberg hatte nicht gut ins Spiel gefunden, die Mannschaft von Trainer Cristian Fiél brauchte bei den Minusgraden eine Weile, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Dann aber lief Can Uzun parallel zum Tor dem Ball hinterher, drehte sich, wurde nicht konsequent angegriffen und schlenzte den Ball vom Strafraumeck unhaltbar ins ferne Eck.

Genau eine Viertelstunde hatte es gedauert, dann war der Club in der Rückrunde angekommen - dank des 18-jährigen Offensivspielers, der trotz seines jungen Alters immer wieder Verantwortung übernimmt. Dieser Moment war auch deshalb so perfekt, weil es aus Sicht des Vereins keinen besseren Spieler geben kann als Uzun, um einen 3:0 (2:0)-Sieg gegen Hansa Rostock einzuleiten: Das Talent ist, wie bereits berichtet, nicht mehr lang in Nürnberg zu halten. Aber mit seinen beiden Toren vom Samstag trägt Uzun dazu bei, dass die Saison erfolgreich genannt werden kann - und erhöht zugleich seinen Marktwert immer weiter.

"Wenn man das Ergebnis, die erste Halbzeit sowie die Defensivleistung betrachtet, war es heute ein gelungener Start ins neue Jahr", sagte Trainer Fiél hernach. Er machte also gleich deutlich, dass er auch noch andere Dinge betrachtet - für seinen Geschmack hatte die Mannschaft nach der klaren Führung, also nach dem 3:0 durch Jens Castrop (51.), zu wenig Kontrolle und insgesamt nicht genug Souveränität ausgestrahlt. Noch gelungener wäre das Spiel gewesen, wenn der neue Angreifer einen perfekten Einstand gehabt hätte. Doch der schwedische Routinier Sebastian Andersson vergab seine beiden guten Kopfball-Möglichkeiten (22., 45.+1).

Der 32-Jährige, der so lange verletzt gewesen und erst vor wenigen Tagen nach Nürnberg gekommen war, wirkt dennoch schon ganz gut integriert. "Er hat uns das gegeben, was wir brauchen, nämlich viele Bälle festgemacht", sagte Fiél, "ich freue mich, dass er da ist." In der Hinrunde hatte gerade im letzten Drittel immer wieder auch die Präzision gefehlt, um gute Spielideen etwas regelmäßiger zu vollenden.

Zugang Sebastian Andersson gibt sein Comeback nach 659 Tagen Zwangspause

"Um ehrlich zu sein, fühlt es sich nicht wirklich real an", sagte Andersson über seinen Startelf-Einsatz. 659 Tage lag sein letztes Pflichtspiel zurück, für den 1. FC Köln, es folgten eine Corona-Infektion und eine Knie-OP, danach schien man das Vertrauen in den neunfachen Nationalspieler verloren zu haben. Dass die Verpflichtung des 32-Jährigen ein Wagnis ist, ist den Nürnbergern bewusst, doch Fiél hatte Andersson schon vor dem Spiel für fit erklärt, 70 Minuten hielt er durch. Von den abstiegsbedrohten Rostockern mit ihrem neuen Trainer Mersad Selimbegovic, der zuvor 17 Jahre bei Jahn Regensburg tätig gewesen war, kam auch in der Schlussphase wenig. Haarsträubend war freilich der Fehler zum 2:0, als man Can Uzun das Tor quasi mit einem Einwurf in den Lauf gelegt hatte (36.).

Eine überraschende Personalentscheidung hatte Fiél auch noch getroffen: Im Tor stand der vermeintliche Ersatzkeeper Carl Klaus, und das, obwohl dieser in der Vorbereitung keinesfalls perfekt gespielt hatte. Eigentlich schien es, als hätte er die Verletzungspause von Christian Mathenia nicht nutzen können. Fiél begründete den Schritt damit, dass Mathenia eine stark verkürzte Vorbereitung gespielt habe - und ließ damit auch offen, wie es am Freitag bei Hannover 96 im Tor weitergeht. Hingegen dürften in der Offensive nun einige Spieler gesetzt sein.

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