1. FC Nürnberg Schießbude der Liga

Leipzigs Marcel Sabitzer schießt das zwischenzeitliche 3:0 gegen Nürnberg.

(Foto: AFP)
  • Der 1. FC Nürnberg verliert in der Bundesliga 0:6 gegen Leipzig - erst elf Tage zuvor hatte das Team 0:7 gegen Dortmund verloren.
  • Immerhin steht der Club mit acht Punkten auf Platz 12.
  • Torwart Fabian Bredlow hielt es nach dem Spiel in Leipzig weitgehend für nachvollziehbar, dass nun über seinen Verbleib im Nürnberger Tor spekuliert wird.
Von Javier Cáceres, Leipzig

Am Sonntagabend war der 1. FC Nürnberg in Hochform. Als die Partie bei RB Leipzig vorüber war und es vor der Kabinentür darum ging, das 0:6 verbal einzuordnen. Der Deutsch-Italiener Enrico Valentini etwa, aufgrund seiner familiären Verwurzelung prädestiniert für eine Disziplin namens calcio parlato ("gesprochener Fußball"), gestand unumwunden ein, dass es unmöglich sei, besonders schwerwiegende Fehlleistungen herauszupicken, denn: "Da war alles mit dabei, sechs Tore kassierst du nicht einfach so."

Und Torwart Fabian Bredlow war erleichtert, "dass die Leipziger Gott sei Dank irgendwann aufgehört haben, komplett durchzulaufen", denn so fiel das letzte Tor der Partie, als noch mehr als 30 Minuten zu spielen waren. Es war ja alles auch so schon schlimm genug: Die ersten vier Treffer waren erzielt worden, als die erste Halbzeit noch nicht vorüber war, "du liegst 4:0 hinten zur Pause, gehst in die Kabine und denkst: 'Scheiße, in welchem Film bin ich gerade?'", sagte Bredlow. Die einzige richtige Antwort auf die marternde Frage nach dem Film: Es war ein Remake.

Elf Tage war es am Sonntag nur her, dass die Nürnberger beim heutigen Tabellenführer Borussia Dortmund mit 0:7 untergegangen waren, nun folgte ein 0:6, das ebenfalls ein 0:7 geworden wäre, wenn der zweifache Torschütze Timo Werner in der 63. Minute noch seinen Elfmeter verwandelt hätte, seinen eigenen Toren (32./59. Minute) und den Treffern von Kevin Kampl (3.), Yussuf Poulsen (7.) und Marcel Sabitzer (21./55.) noch einen siebten Erfolg hinzugefügt hätte.

Trainer Köllner will "nicht alles in Frage stellen"

"Das war eine bittere, eine harte Niederlage", sagte Club-Trainer Michael Köllner, den die ersten schon in die fußläufig erreichbare Thomaskirche transportieren wollten, wo einst Johann Sebastian Bach als Kantor gewirkt hatte - so requiemverdächtig galt ihnen Köllner nach den beiden monumentalen Pleiten. Nichts da, sagte allerdings Nürnbergs Sportdirektor Andreas Bornemann in Bezug auf den Trainer: "Er macht einen sensationellen Job, da braucht sich keiner Gedanken zu machen, das wird sich auch bis zum Ende der Saison nicht ändern."

Nun sind derartige Einlassungen von handelnden Personen aus der Fußballbranche bekanntlich mit Vorsicht zu genießen. Aber als der Blick auf die Tabelle wieder frei war, sah man: Der 1. FC Nürnberg steht mit acht Punkten auf Platz 12, und das heißt: vor allen Aufsteigern der letzten beiden Spielzeiten (Hannover 96, Fortuna Düsseldorf, VfB Stuttgart).

"Du musst die Fehler klar beim Namen nennen, darfst aber auch nicht alles in Frage stellen. Wir sind nicht mit null Punkten Letzter und haben schon das ein oder andere richtig gemacht in dieser Saison", sagte Köllner. Er hätte darauf abheben können, dass der 1. FC Nürnberg in Sachen Passsicherheit unter den ersten sechs der Liga steht, trotz desaströser Fehlpässe in Leipzig. Aber er erinnerte vor allem daran, dass sein Team die Prügel von den beiden "aktuell stärksten Mannschaften der Liga" bezogen habe, vom Spitzenreiter Borussia Dortmund und dem Tabellenzweiten Leipzig.