2. Bundesliga HSV gewinnt Stadtderby mit 4:0 - Vier Spielunterbrechungen

Der HSV siegte klar am Millerntor von St. Pauli.

(Foto: dpa)

Stürmer Lasogga gelingen gegen St. Pauli zwei Treffer. Ein Deutscher glänzt bei den LA Lakers in der NBA. Die Bayern-Basketballer kassieren eine sensationelle Pleite.

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2. Liga, Derby: Der HSV hat das Hamburger Stadtderby in der 2. Fußball-Bundesliga für sich entschieden. Dank der Treffer von Pierre-Michel Lasogga (32., 61.), Khaled Narey (53.) und Douglas Santos (88.) gewannen die Rothosen am Sonntag das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli mit 4:0 (1:0). In der Tabelle bleibt der HSV auf Rang zwei, St. Pauli ist weiterhin Vierter. Nach einem schwachen Beginn auf beiden Seiten brachte Lasogga den HSV mit seinem elften Saisontor in Führung. Der Mittelstürmer reagierte nach einem Freistoß von Aron Hunt an die Latte am schnellsten und köpfte den Ball an St.-Pauli-Schlussmann Robin Himmelmann vorbei ins Tor.

Narey, nochmals Lasogga und Douglas Santos machten den Sieg perfekt. St. Pauli hatte durch Ryo Miyaichi (46.) und Sami Allagui (56.) gute Torchancen, die beide von HSV-Keeper Julian Pollersbeck pariert wurden. Schiedsrichter Felix Brych hatte die Partie vor 29 226 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion viermal kurzfristig unterbrochen, da in beiden Fanlagern Rauchtöpfe und Pyrotechnik gezündet wurden. In der 82. Minute mussten beide Teams kurzzeitig das Feld verlassen. Insgesamt waren rund um das Derby fast 2000 Polizisten im Einsatz. Der Mannschaftsbus des Hamburger SV wurde mit Farbbeuteln und Eiern beworfen.

Deutsche Nationalmannschaft Mit dem Gespür des Stacheltiers
Joachim Löw

Mit dem Gespür des Stacheltiers

Weder elegant noch souverän hat Bundestrainer Joachim Löw drei verdiente Nationalspieler aus dem Dienst genommen. Thomas Müllers eigentümliches Fußballspiel wird dem DFB-Team fehlen - wie auch seine ungekünstelte Art.   Kommentar von Philipp Selldorf

Basketball, FC Bayern: Aufsteiger RASTA Vechta hat für eine große Überraschung gesorgt. Die Mannschaft von Trainer Pedro Calles setzte sich am Sonntagnachmittag sensationell mit 93:75 (53:40) gegen den FC Bayern durch. Bei Vechta spielte Austin Hollins mit 20 Punkten stark, beim deutschen Meister zeigte sich einmal mehr Derrick Williams mit 21 Punkten am treffsichersten. Die Bayern stehen trotz der Niederlage unangefochten an der Tabellenspitze, die Niedersachsen bleiben auf Rang drei. Drei Tage nach der Euroleague-Pleite gegen Maccabi Tel Aviv fanden die Münchner schlecht in die Partie. Der Spitzenreiter lag nach dem ersten Viertel bereits mit 20:26 hinten. Auch im zweiten Abschnitt kam die Mannschaft von Trainer Dejan Radonjić mit Vechta nicht zurecht und musste zur Halbzeit sogar einen zweistelligen Rückstand hinnehmen (40:53). Im Laufe des dritten Viertels bauten die Niedersachsen den Vorsprung sogar auf über 20 Punkte aus und kamen vor den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl letztlich souverän zum Sieg. "Sie haben heute gezeigt, warum sie eines der besten Teams in der Liga sind", sagte Bayerns Petteri Koponen nach dem Spiel auf Magentasport über die Leistung des Aufsteigers.

FC Bayern, Liverpool: Die Münchner lassen nichts unversucht, um Offensivspieler Kingsley Coman und Außenverteidiger David Alaba für das Champions-League-Rückspiel fit zu kriegen. Die beiden absolvierten am Sonntag zumindest Teile des Mannschaftstrainings. Bis zur entscheidenden Achtelfinal-Partie an diesem Mittwoch (21.00 Uhr/Liveticker SZ.de) bleiben noch zwei weitere Übungseinheiten sowie Zeit für intensive Behandlungen. Der Franzose Coman hatte sich vor zwei Wochen beim 1:0 gegen Hertha BSC einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. "Der King fühlt sich gut", berichtete Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Wochenende. Man müsse allerdings die Trainingseindrücke abwarten.

"Der Trainer wird die richtige Lösung finden", sagte Salihamidzic zur Aufstellung von Niko Kovac gegen Klopps Team. Beim Österreicher Alaba hatte es nach einer Sehnenreizung noch nicht für einen Einsatz am Samstag beim 6:0 gegen den VfL Wolfsburg gereicht. Die Bayern müssen nach dem 0:0 in Liverpool im Rückspiel bereits die gesperrten Thomas Müller und Joshua Kimmich ersetzen. Außerdem fallen Arjen Robben (Wade) und Corentin Tolisso (Aufbautraining) sicher aus. Gegen Wolfsburg erhielten immerhin der dreifache Torvorbereiter Franck Ribéry und Nationalspieler Leon Goretzka als Einwechselspieler wertvolle Spielpraxis. "Dem Trainer und mir war erstmal wichtig, dass ich ein paar Minuten bekommen habe und Spielrhythmus aufnehme", sagte Goretzka nach der Partie: "Ich bin bereit für Mittwoch."

Basketball, NBA: Ein Name war nach der 107:120-Heimniederlage der Los Angeles Lakers gegen die Boston Celtics in aller Munde: Moritz Wagner. Der deutsche Basketballprofi spielte am Samstag (Ortszeit) zum ersten Mal in der NBA von Beginn an und bot eine überzeugende Leistung. 34 Minuten stand der 21-Jährige auf dem Parkett und erzielte 22 Punkte. "Das macht mich stolz. Aber so richtig freuen kann ich mich nicht, wir haben zum fünften Mal in Folge verloren", sagte Wagner. Hinter LeBron James glänzte er als zweitbester Werfer seiner Mannschaft. Beim Debüt in der Startformation profitierte der gebürtige Berliner von den Personalsorgen der Lakers. So war er neben Johnathan Williams einer von zwei Nachwuchskräften, die nachhaltig überzeugten. Die starken Auftritte sind auch MVP James nicht verborgen geblieben: "Das sind junge Spieler, die Fehler machen werden. Aber heute haben sie sowohl in der Defensive als auch in der Offensive einen super Job gemacht."

Viererbob, WM: Francesco Friedrich hat als erster Bobpilot der Welt den Double-Hattrick geschafft. Nach seinem fünften Sieg in Serie im kleinen Schlitten holte er am Samstagabend im kanadischen Whistler trotz eines Muskelfaserrisses auch den WM-Titel im Viererbob und ist somit seit 2017 bei WM und Olympia in beiden Disziplinen ungeschlagen. Damals gewann er bei der Heim-WM in Königssee in beiden Disziplinen, raste 2018 in Pyeongchang zum olympischen Doppelsieg und wiederholte nun als erst zweiter Pilot nach dem Italiener Eugenio Monti 1961 in Lake Placid sein WM-Double. Und das alles mit derselben Crew. Nächstes Ziel: Die Heim-WM 2020 im sächsischen Altenberg.

Nach insgesamt vier Läufen hatte Friedrich im Wallner-Schlitten mit seinen Anschiebern Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis 0,29 Sekunden Vorsprung vor dem Letten Oskars Kibermanis, der im ersten Lauf in 50,05 Sekunden Bahnrekord fuhr und im zweiten Lauf mit 4,69 Sekunden André Lange den Startrekord (4,70) von 2010 abnahm. Dritter wurde der Kanadier Justin Kripps. Der Olympia-Zweite Nico Walther kam nur auf Rang acht direkt vor Johannes Lochner, der zeitgleich mit Friedrich 2017 den Titel in der Königsklasse gewann.

"Mehr als die Rekorde hatte ich mein Bein im Hinterkopf. Die Physios um Brigitte Schmailzl haben einen Riesenjob gemacht. Und die Jungs mussten für mich mitschieben, das haben sie mehr als hervorragend gemacht", sagte der 28-jährige Friedrich und meinte zu seiner Rekordjagd: "Das ist mein Job, meine Leidenschaft. Es wird so lange gemacht, bis es nicht mehr geht. Nun kommt mit Altenberg wieder ein gutes Pflaster, direkt vor unserer Haustür." Im ersten Lauf hatte sich der Pirnaer einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen. Dennoch verkleinerte die Crew im zweiten Lauf den Abstand auf Kibermanis und überholte den auf Rang zwei liegenden Kripps. Im dritten Lauf raste er mit neuen Kufen zum Geschwindigkeitsweltrekord von 157,06 Stundenkilometern. "Das war der erste Schlitten, der das bislang geschafft hat. Ich hoffe, er bleibt es auch", meinte Friedrich.

Union Berlin, Staatsschutz: Ein antisemitischer Twitter-Kommentar eines mutmaßlichen Fans von Fußball-Zweitligist Union Berlin gegen Ingolstadts israelischen Mittelfeldspieler Almog Cohen zieht große Konsequenzen nach sich. Der polizeiliche Staatsschutz hat nach einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung Ermittlungen aufgenommen, auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ermittelt in der Sache. Cohen selbst bedankte sich auf seinen sozialen Netzwerkseiten für die Unterstützung und stellte den Vorfall als Ausnahme dar. "Als jüdischer Fußball-Profi in Deutschland möchte ich nur sagen: Ich bin sehr stolz auf meine Abstammung und darauf, mein Land in der 2. Bundesliga zu repräsentieren und den FC Ingolstadt 04 als Kapitän anzuführen. Und das in einem Land, in dem ich seit neun Jahren lebe und das ich für seine Offenheit schätze", schrieb der 30-Jährige: "Vielen Dank für den großen Zuspruch in den vergangenen Stunden sowie die damit verbundene Unterstützung von allen Seiten."

Cohen war während des Ligaspiels des FC Ingolstadt bei Union Berlin (0:2), bei dem er nach einer Tätlichkeit die Rote Karte (65.) gesehen hatte, von einem anonymen User auf Twitter mit einem antisemitischen Hass-Kommentar aufs Schärfste beleidigt worden. Die Person beendete seinen Eintrag mit "U.N.V.E.U.", der von Union-Anhängern oft benutzten Abkürzung für den Spruch "Und Niemals Vergessen Eisern Union".

Doping, Kirche: Papst Franziskus ist vor Spitzenvertretern des internationalen Radsports mit Doping ins Gericht gegangen. Wenn Athleten für andere Interessen wie Prestige und Profit instrumentalisiert würden, entstehe eine "Unordnung, die den Sport verschmutzt", sagte der Papst am Samstag bei einem Treffen mit dem Europäischen und dem Afrikanischen Radsportverband. An der Audienz im Vatikan nahm auch der Präsident des Welt-Dachverbands UCI, David Lappartient, teil. Der Papst verwies auf "Doping, Unehrlichkeit, mangelnden Respekt für sich und die Gegner, Korruption". Auf der anderen Seite gäben viele Radsportler ein Beispiel an Unbestechlichkeit und Geradlinigkeit. Athleten hätten die außerordentliche Möglichkeit, anderen Menschen und vor allem Jugendlichen positive Werte und Einsatzbereitschaft für "hohe und edle Ziele" zu vermitteln. Mit Blick auf neue Disziplinen im Radsport riet der Papst zu Offenheit. Entwicklungen in der jungen Generation könnten "wie alle Neuerungen Widerstand erzeugen und für die traditionelleren Disziplinen eine Herausforderung darstellen". Wie auch in der katholischen Kirche gelte es, sich die Anliegen zu Herzen zu nehmen und die Jugend zu begleiten, ohne die Traditionen aus dem Blick zu verlieren, so das Kirchenoberhaupt.

Tennis, Indian Wells: Die deutschen Tennisprofis Alexander Zverev und Philipp Kohlschreiber haben es beim Turnier in Indian Wells in die dritte Runde geschafft. Der an Nummer drei gesetzte Zverev startete nach einem Freilos zum Auftakt mit einem vorzeitigen Erfolg ins große Turnier in der kalifornischen Wüste. Beim Stand von 6:3, 2:0 gab Zverevs slowakischer Gegner Martin Klizan am Samstag (Ortszeit) auf. Der Hamburger trifft nun auf seinen Davis-Cup-Teamkollegen Jan-Lennard Struff. Der Sauerländer setzte sich mit 3:6, 6:3, 6:2 gegen den Litauer Ricardas Berankis durch. Kohlschreiber gelang beim 6:4, 6:4 gegen den Australier Nick Kyrgios, der zuletzt das ATP-Turnier in Acapulco gewonnen und hochklassige Konkurrenz geschlagen hatte, eine kleine Überraschung. Der 35 Jahre alte Augsburger darf nun gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic aus Serbien antreten. Ausgeschieden war dagegen zuvor der Nürnberger Maximilian Marterer.

Bei den Frauen kam nach Angelique Kerber und Mona Barthel auch Julia Görges weiter. Die deutsche Nummer zwei schlug die unbequeme Estin Kaia Kanepi 6:3, 2:6, 6:3 und trifft in der Runde der letzten 32 in einem deutschen Duell auf Barthel. Die Neumünsteranerin setzte sich überraschend mit 3:6, 6:1, 7:5 gegen die einstige US-Open-Finalistin Madison Keys durch. Kerber tritt nach dem glatten 6:0, 6:2 gegen die Kasachin Julia Putinzewa gegen die Russin Natalia Wichljanzewa an. Die topgesetzte Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste Naomi Osaka aus Japan startete mit einem 6:3, 6:4 gegen die Französin Kristina Mladenovic, der sie zuletzt noch unterlegen war.

Doping Lucky Luke und die Blutbeutel

Doping

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Die Affäre um das Erfurter Doping-Netzwerk trägt immer mehr die Züge eines Sportkrimis. Noch nicht identifizierte Kunden fürchten die Zuordnung der Blutbeutel - und die Aussage des mutmaßlichen Drahtziehers.   Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner