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Zugmonitor-Analyse:Takt ohne Puffer

Die Auswertung betrachtet allerdings nur einen Ausschnitt der Verbindungen zwischen den größten Ballungsräumen. So verkehren viele Züge von Köln direkt zum Frankfurter Flughafen, ohne in Siegburg/Bonn zu halten; andere fahren als Sprinter zwischen Hannover und Fulda durch - doch auch auf diesen Verbindungen sind Züge nach der SZ-Gesamtanalyse häufig verspätet. Die Bahn hat das Problem, dass die ICE häufig eng getaktet sind, ohne große Zeitpuffer, weil die Fahrgäste schnellstmögliche Verbindungen verlangen. Was dann öfter zu weniger Pünktlichkeit führt ( zur Analyse ...).

Bahn-Verspätungen So verspätet ist die Bahn - live

SZ.de-Zugmonitor in Echtzeit

So verspätet ist die Bahn - live

Ein Klick, schon sieht man den verspäteten ICE - und was ihn aufgehalten hat. Der einzigartige interaktive SZ-Zugmonitor stellt live den Fernverkehr auf dem deutschen Schienennetz dar: Auf einen Blick sehen Sie Verspätungen, eine Echtzeit-Statistik und können Monate zurück in die Historie springen.

Was die Bahn sagt

Die Bahn hat auf SZ-Anfrage inzwischen ihre eigenen, noch akkurateren Daten für die Strecke zwischen Siegburg/Bonn und dem Frankfurter Flughafen analysiert, um die Probleme auf dieser Strecke zu erklären. Züge führen auf dem Streckenabschnitt tatsächlich im Schnitt mit einigen wenigen Minuten Verspätung ein, bestätigt der Konzern - wobei eine vorher aufgelaufene starke Verspätung auf der Strecke oft sogar reduziert werde. Wenn indes Verspätungen verschlimmert würden, dann sei unter anderem schlechtes Wetter die Ursache. So habe man im März dieses Jahres an mehreren Tagen das Spitzentempo 300 auf 200 reduzieren müssen, um Schäden durch Schotterflug in Verbindung mit Eis zu vermeiden.

Die durchschnittliche Pünktlichkeit zwischen Nordrhein-Westfalen und Frankfurt sei nicht schlechter als im gesamten deutschen Fernverkehr, teilt die Bahn mit. Sie bestätigt aber das generelle Problem, dass solche Hochtempostrecken meist größere Pünktlichkeitsrisiken haben als weniger schnell getaktete Trassen. Wenn wegen Störungen die Geschwindigkeit von 300 km/h stark gedrosselt werden müsse, habe das Folgen. Tatsächlich gibt es in hohen Geschwindigkeitsbereichen weniger Potential, Verspätungen durch schnelleres Fahren wieder aufzuholen - wegen der begrenzten Maximalgeschwindigkeit und weil die Fahrzeitgewinne bei höheren Geschwindigkeiten immer geringer werden. Baut man dagegen mehr Pufferzeit ein, verlängert sich die Reisezeit auch, wenn es keine Störungen gibt.

Noch schlimmer ist die Lage bei Streckensperrungen zum Beispiel durch Unfälle. Sobald die Trasse zwischen Siegburg und Frankfurt gesperrt ist, muss auf die alte Rheinstrecke ausgewichen werden - auf der die Reise mindestens eine Stunde länger dauert.