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Wolkenkratzer:Das hier ist die Höhe

Gut 100 Jahre später, 1993, kam zu der Cable-Car für Pendler aus den besseren Ständen der demokratische Mid-Levels Escalator, der die mittleren Höhen des Victoria Peak bedient. Die 800 Meter lange Kette von 20 überdachten Rolltreppen und drei Laufbändern, die mitten durch die verbauten Hänge schneidet, stammt direkt aus den Sci-Fi-Phantasien von der Jahrhundertwende. Wie im Zeitraffer bewegt man sich durch die Höhenlinien der Stadt und sieht wie durch die Lupe in ihr Inneres: späht in Fenster, blickt über Terrassen, riecht die Restaurantküchen. Wie im Skilift gleitet man binnen Minuten aus den verspiegelten Büroschluchten bis an die waldigen Hänge des Peak.

Bodenberührung muss nicht sein

Doch auch zwischen den Wolkenkratzern von Central wuchert die Stadt in die Höhe. Fußgängerbrücken queren die Connaught Road, die Voeux Road, die Chater Road, doch sie führen nicht von Gehsteig zu Gehsteig, sondern verbinden die höheren Etagen: Von Armani geht es zu Prada, ohne dass man je den Erdboden berühren müsste. So weitverzweigt sind die Brücken, dass Wegweiser notwendig sind. Die weniger relevanten Läden oder Straßen liegen im Schatten der "walkways" und sind umtost vom Verkehr.

Viel Platz ist also nicht übrig am steilen Hang. Doch ein bisschen höher geht es immer noch. Zwar sind eigentlich alle Bauten verboten, die den Peak verdecken, "aber das ist eines von vielen derartigen Gesetzen, die nur gelten, bis jemand genug investieren will", sagt Wolf.

So geschehen beim Two IFC, dem höchsten Gebäude in Hongkong (und dem vierthöchsten der Welt), hinter dem der Gipfel verschwindet. Nächster Rekordhalter wird das International Commerce Center, derzeit im Bau, das gut 50 Meter höher werden soll, als das World Trade Center war.

Ausweichen ins Meer

Und wenn nach oben wirklich gar nichts mehr geht, weicht man eben ins Meer aus. Von Central aus sieht man im gegenüberliegenden Kowloon Baumaschinen eine gigantische Brache plattwalzen, die von nagelneuen Wolkenkratzern umgeben ist. Das Kulturzentrum inklusive Guggenheim-Museum, das hier entstehen sollte, liegt nach Anwohnerprotesten allerdings auf Eis.

Auch der alte Hafen wird zugeschüttet. Dass das Star Ferry Terminal, eine der beliebtesten Touristenattraktionen, dadurch auf dem Trockenen liegt, stört die Verantwortlichen wenig. Man baut statt des Originalterminals einfach die Replik eines älteren Vorgängers ans Wasser und hofft, dass es den Touristen egal ist. "Alles, was alt ist, wird abgerissen", klagt Wolf und klingt dabei ganz überraschend sehr deutsch. "Wenn überall nur Einkaufszentren übrigbleiben, ist die Stadt ruiniert. Dann wird es hier sein wie in Singapur."

Das gesamte Land befindet sich in staatlichem Besitz. Um die Nachfrage hochzuhalten, werden immer nur kleine Parzellen verkauft, die dann Unsummen kosten. Die Erlöse aus diesen Verkäufen finanzieren zu einem großen Teil den öffentlichen Haushalt und erlauben es im Gegenzug, die Steuern niedrig zu halten.

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