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Wie Airlines Passagiere hätscheln:Im Cockpit mit Gandalf

Eine neuseeländische Airline schickt Elfen und Hobbits, um die Sicherheitshinweise zu erläutern, in manch britischem Flugzeug erscheinen Warnhinweise vor romantischen Filmen, um sensible Passagiere vor Tränen zu schützen. Andere Fluggesellschaften haben selbstgestickte Zierdeckchen oder einen Kuss vom Kapitän im Angebot: Mit welchen Wohlfühl-Exzessen Airlines ihre Passagiere quälen.

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Quelle: AFP

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Eine neuseeländische Airline schickt Elfen und Hobbits, um die Sicherheitshinweise zu erläutern, in manch britischem Flugzeug erscheinen Warnhinweise vor romantischen Filmen, um sensible Passagiere vor Tränen zu schützen. Andere Fluggesellschaften haben selbstgestickte Zierdeckchen oder einen Kuss vom Kapitän im Angebot: Mit welchen Wohlfühl-Exzessen Airlines ihre Passagiere quälen.

Rechtzeitig zum Start des Films "Der kleine Hobbit" (28.11.) ist Neuseeland wieder im Hobbit-Fieber. Touristen, die mit Air New Zealand fliegen, tauchen schon im Flugzeug in die märchenhafte Welt von Mittelerde ein. Hobbits, Elfen und Zwerge präsentieren den Passagieren die Sicherheitshinweise vor dem Abheben der Maschine. Das Video ist auf Youtube zu sehen und hat bis Freitag innerhalb von 24 Stunden mehr als 2,2 Millionen Klicks bekommen. Darin taucht eine Elfe mit spitzen Ohren als Stewardess auf und Gandalf mit Rauschebart als Pilot. Regisseur Peter Jackson ist als Passagier zu sehen - mit dem goldenen Ring. "Es ist deutlich, dass die Passagiere auf Air-New-Zealand-Flügen bei dem Sicherheitsvideo tatsächlich zuschauen", meinte eine Sprecherin der Airline.

Air Berlin

Quelle: dpa

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"A gmüdliche Hoimfahrd, kommet Se guad ens Neschd." So hat Stewardess Michaela Bahnmüller die Passagiere kürzlich bei der Landung in Stuttgart verabschiedet - und ist damit zum Hit auf Youtube geworden. Air Berlin nutzt den kostenlosen Werbegag für sich - und will künftig mit noch mehr Mundart Sympathiepunkte sammeln. Sicherheitsansagen müssen allerdings nach wie vor zuerst auf Hochdeutsch und Englisch gemacht werden, erst dann dürfen die Flugbegleiter in den Dialekt wechseln. "Wir machen diese Bordansage auch nur, wenn überwiegend schwäbische Fluggäste an Bord sind", sagt Bahnmüller. Und das hört sich dann so an: "Bassed Se bidde uf, wenn Se d'Schadulla öffned, dass Ihne dr Kladaradadsch ned uf da Dätz fliagd."

Vielleicht ein Weg, wieder mehr Aufmerksamkeit für Sicherheitshinweise zu wecken. Eine philippinische Airline hat allerdings noch ganz andere Ideen ...

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Quelle: Screenshot: YouTube

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Bei immer demselben Text, immer denselben Vorführungen schalten nicht nur Vielflieger ab. Die philippinische Billigairline Cebu Pacific hat sich deshalb etwas einfallen lassen: Mit vollem Körpereinsatz buhlen die Stewardessen in einem Video um die Aufmerksamkeit der Fluggäste. Beim Schwimmweste-Anlegen lassen sie die Hüften kreisen, bei der Demonstration eines Druckverlustes in der Kabine wedeln sie im Takt des Disco-Sounds mit den Sauerstoffmasken. Das kam an, bei Passagieren und Medien. Daher tänzeln die Stewardessen von Cebu Pacific nun mit Gurt und Schwimmweste zu den Klängen von Mariah Careys "All I want for Christmas" durch den Gang. Über mangelnde Aufmerksamkeit müssen sie sich nicht beklagen.

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Quelle: AP

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Romantik über den Wolken kann gefährlich werden. Das scheint zumindest die britische Fluglinie Virgin Atlantic zu glauben. Sie will herzzerreißende Filme künftig mit Warnhinweisen versehen, um sensible Passagiere auf Tränen vorzubereiten - zunächst die romantischen Hollywood-Filme "Wasser für die Elefanten" und "Meine erfundene Frau". Virgin Atlantic entschied sich nach eigenen Angaben nach einer Befragung ihrer Fluggäste zu dem ungewöhnlichen Schritt. Demnach gaben 55 Prozent der Passagiere an, während eines Fluges emotionaler zu reagieren. Unter den befragten Männern hätten 41 Prozent angegeben, sich unter einer Decke zu verkriechen, um ihre Tränen zu verstecken. Unklar ist allerdings, wie viele Fluggäste wirklich an der Erhebung teilgenommen haben.

Wissenswert: Wie entsteht der Jo-Jo-Effekt?

Quelle: dapd

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Thai Airways verordnet seinen Flugbegleitern regelmäßig Diäten und Fitnessstudio. In diesem Frühjahr haben die Verantwortlichen erneut Maß genommen. 41 der 6000 Stewards und Stewardessen schafften das Schlankheitsideal nicht und wurden strafversetzt. Die Fluggesellschaft verbrämt ihre Anweisung noch nicht einmal als Sicherheitsrichtlinie. Die Attraktivität des Personals steigere die Wettbewerbsfähigkeit, beschied Teerapol Chotechanapibal, im Vorstand von Thai Airways zuständig für Kundenbeziehungen. Den Aufruhr unter Arbeitsrechtlern und die hämischen Kommentare im In- und Ausland will die Airline nicht verstehen. In Asien seien Vorschriften zum Taillenumfang nun mal gang und gäbe.

Erstes Hooters-Restaurant in Berlin eroeffnet

Quelle: ddp

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Hooters Air ging noch einen Schritt weiter: Dort erfreuten leichtbekleidete Damen die Passagiere. Die Stewardessen trugen nur orangefarbene Shorts und tief ausgeschnittene T-Shirts, ab und an tanzten sie aufreizend durch die Reihen im Flugzeug. Seit der Flugbetrieb eingestellt wurde, kellnern die Hooters-Girls nur noch in Hooters-Restaurants, die es in vielen amerikanischen Städten gibt. Auf komplett nackte Tatsachen setzte derweil ein ostdeutscher Reiseveranstalter: OssiUrlaub.de bot seinen Kunden einen Nacktflug an. Nackt sollten in diesem Fall aber nur die Passagiere an Bord des Flugs von Erfurt nach Heringsdorf sein, Stewardessen und Piloten behalten "aus Sicherheitsgründen" die Kleidung an, hieß es auf der Homepage. Im letzten Moment sagte der Reiseveranstalter dann aber den Nacktflug ab - trotz angeblich riesiger Nachfrage quälten ihn nun "moralische Bedenken".

Lufthansa-Crews starten ab Muenchen wieder in traditioneller Tracht

Quelle: dapd

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Züchtiger geht es bei der Lufthansa zu, wo die Stewardessen in ihrer marineblauen Uniform ein wenig an strenge Politessen erinnern, die statt Knöllchen Saft verteilen. Doch zur Wiesn hat sich die Fluggesellschaft etwas Zünftiges ausgedacht: Seit sechs Jahren tauschen die Flugbegleiterinnen ihre Uniform gegen ein Dirndl - natürlich in Gelb und Blau. Die "Trachtencrew" kommt diesmal bei Flügen von München nach San Francisco, Montreal und São Paulo zum Einsatz. Das Lufthansa-Dirndl hat selbstverständlich kein anrüchiges Dekolleté, der Rock ist entsprechend lang. Das Beste an der Wohlfühlaktion: Statt der üblichen Pasta kann man zur Wiesnzeit bei Lufthansa auch bayerische Schmankerl bestellen.

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Quelle: Air New Zealand

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Die Air New Zealand sorgt mit mehr Bequemlichkeit dafür, dass der Flug wie im Flug vergeht: Was bisher den betuchten Gästen der Business und First Class vorbehalten war, ist nun auch in der "Holzklasse" möglich - Fliegen im Liegen. Doch auch in der billigsten Kategorie müssen die Passagiere draufzahlen, wenn sie sich austrecken wollen. Denn für die "Skycouch", wie Air New Zealand eine Art hochklappbare Fußstütze nennt, muss man drei Sitze buchen - darauf liegen können aber höchstens zwei Erwachsene, eng wird es trotzdem. Denn die Liegefläche reicht nur bis zur nächsten Sitzreihe, und die ist bekanntlich in der Economy Class nicht weit entfernt.

Blaue Chips, JetBlue

Quelle: dpa

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Viele Amerikaner, so geht ein Gerücht, unternehmen nur eine Flugreise, um mal wieder die Kartoffelchips zu essen, die es bei der Billigfluglinie JetBlue gibt. Natürlich in Himmelblau. Die eigentlich ungenießbar aussehenden Chips haben in den USA Kultstatus erreicht. Aber nicht nur Kalorien, auch Bewegung gehört für die Airline zum Wohlfühlprogramm. Die Fluggesellschaft bietet Aircraft Yoga an, auf Broschüren werden den Passagieren verschiedene Übungen erklärt. An Bord heißt es dann: Die Handflächen zusammendrücken, tief Luft holen - und wohlfühlen. Wohlfühlsieger ist jedoch eine andere Airline ...

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Quelle: Palmair

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Mehr als 30.000 Briten hatte das Verbrauchermagazin Which? 2008 nach ihrer bevorzugten Fluggesellschaft befragt - und war dabei zu überraschenden Ergebnissen gelangt. Ausgerechnet das 19-Personen-Unternehmen Palmair aus dem südenglischen Bournemouth, dessen einziges Flugzeug eine mehr als 30 Jahre alte Boeing 737 ist, durfte sich die beliebteste britische Fluggesellschaft nennen. "Jeder Passagier wird beim Check-in mit Handschlag begrüßt", erklärte Servicemanagerin Teresia Rossello damals das geradezu hymnische Lob. Viele Passagiere hätten an Bord einen Stammplatz, in der Toilette gebe es frische Blumen aus dem Garten der Betriebsleiterin und die Kopflehnen zierten selbstbestickte Deckchen. Vor dem Start bekommt jeder Passagier außerdem einen Kuss vom Kapitän. Doch der gute Service rettete die Mini-Airline nicht vor steigenden Preisen: Derzeit ist der Flugbetrieb auf Eis gelegt.

© Süddeutsche.de/afis/kaeb/dgr
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