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Weltnichtrauchertag:So quarzt die Welt

In Spanien zahlen erwischte Raucher dreistellige Summen, in Russland hält sich jeder Dritte nicht ans Rauchverbot - und in Tokio rauchen Männer sogar neben Schwangeren.

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Quelle: Grafik Jessy Asmus/SZ.de

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Italien

Es muss 2004 gewesen sein, in Vibo Valentia, einer Kleinstadt in Kalabrien. Die Kaffeebar war leer, bis auf den jungen Barista hinter dem Tresen. Und der war auffällig aufgeregt. Eine sanfte Schwade Zigarettenrauch zog durch den Saal. "Tut mir leid, Dottore", sagte der Barista, "ich rechnete noch nicht mit Kunden, so früh am Morgen schon." Er sei halt noch schwach - dieses Gesetz! Questa legge! Spätestens da war klar, dass sich das Rauchverbot, das Italien unter der Skepsis von halb Europa 2003 eingeführt hatte, lange vor anderen großen Ländern, tatsächlich durchsetzen würde. Selbst in Vibo Valentia.

Und wie es sich durchsetzte. In Italien, wo früher fast alle fast überall rauchten, auch im Krankenhaus und in der Bank, raucht niemand mehr in geschlossenen, öffentlichen Räumen. Die Raucher treffen sich in großen Menschentrauben vor den Lokalen und Ämtern. Aber ihre Zahl hat auch in Italien abgenommen. Es rauchen trotzdem noch immer 10,2 Millionen Italiener - 19,5 Prozent der Bevölkerung über 14. Man sieht es den Gassen an und den Piazze. Da liegen Stummel in großer Menge, immer und überall.

Oliver Meiler

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Brasilien

In Brasilien gibt es seit zwei Jahren eines der strengsten Anti-Raucher-Gesetze weltweit. Rauchverbot gilt nicht nur in Restaurants und Kneipen, sondern auch unter den Sonnenmarkisen vor den Lokalen. Interessant sind aber weniger die Gesetze, sondern die Tatsache, dass sie vom Großteil der Bevölkerung befolgt werden - in Brasilien keine Selbstverständlichkeit. Zumal das größte Land Südamerikas zum Raucherparadies prädestiniert wäre. Das öffentliche Leben findet größtenteils unter freiem Himmel statt. Die Brasilianer sind auch nicht unbedingt für ihr ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein bekannt. Sie essen mächtig und fettig, nur Exoten kaufen Ökoprodukte, dafür wird rund um die Uhr umso mehr Bier getrunken. Gelegenheiten zum Rauchen gäbe es also genug, und Tabak ist billig. Eine importierte Schachtel Zigaretten kostet sieben Reais: 1,75 Euro. Nationale Marken sind noch günstiger. Trotzdem rauchen nur noch elf Prozent der Bevölkerung. Es mag an den heftigen Abschreckungsbildern auf den Packungen liegen. Vielleicht aber auch an der Wirtschaftskrise. Für sieben Reais kann man schon zwei Dosen Bier kaufen.

Boris Herrmann

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Schweden

Die Schweden rauchen selten, viele snusen lieber. Sie schieben sich klebrige Tabakmasse lose oder im Portionsbeutel unter die Oberlippe. Schön sieht das nicht aus, dafür qualmt Snus nicht, stinkt kaum und gilt als weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten. Bei Zigaretten sind die Skandinavier streng: Rauchverbot gilt seit 2005 in schwedischen Bars, Cafés, Restaurants, öffentlichen Gebäuden. Die Schweden nehmen es gelassen hin, sie rauchen ohnehin weniger als andere Europäer: Das Land hat laut OECD-Statistik den geringsten Raucheranteil in der EU, nur 14 Prozent der Erwachsenen qualmen täglich. Derzeit denkt die Regierung darüber nach, das Rauchen auch draußen auf Café- und Restaurant-Terrassen, vor Eingängen und in öffentlichen Bereichen wie Haltestellen, Sport- und Spielplätzen zu verbieten. Manche Wohnungsbaugesellschaften sind bereits auf rauchfreie Mietshäuser umgestiegen, in denen man sich weder in der eigenen Wohnung noch auf dem Balkon oder im Innenhof eine Zigarette anzünden darf.

Genauso streng geht es in manchen Berufen zu, in denen während der Arbeitszeit nicht geraucht werden darf, auch nicht in kleinen Pausen vor der Tür. Als der Provinzlandtag in Uppsala seinen Angestellten vergangenes Jahr sogar verbieten wollte, nach Tabak zu riechen, schlugen die Wogen doch hoch. Denn dann wäre nicht mal mehr Snus erlaubt.

Silke Bigalke

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Ägypten

Der frühere ägyptische Tourismusminister Hisham Zaazou war ein Mann offener Worte. Auf die Frage, wie man das Reiseerlebnis in seinem Land noch verbessern könne, sagte er: Es mache keinen sonderlich guten Eindruck, wenn Sicherheitsbeamte schon in der Ankunftshalle des Flughafens rauchten. Das umschreibt ganz gut das Verhältnis der Ägypter zu ihrem liebsten Laster. Geraucht wird im Grunde überall, auch wenn es längst nicht mehr überall erlaubt ist - im Flughafen schon gar nicht.

Die Regierung bemüht sich seit Jahren, die Raucherei einzudämmen. Auf Zigarettenpackungen gibt es Schockbilder, die Steuern wurden mehrmals erhöht, und offiziell gilt in öffentlichen Einrichtungen ein Rauchverbot. In besseren Restaurants gibt es getrennte Bereich für Raucher.

Öffentliche Verkehrsmittel wie die U-Bahn in Kairo sind offiziell rauchfrei, auch in Taxis darf nicht geraucht werden - was manchen Fahrer nicht stört. Garantiert ohne Qualm kann man mit den Mitfahr-Diensten Uber und Kareem fahren, die nicht zuletzt deshalb beliebt sind in Kairo.

Paul-Anton Krüger

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Österreich

Wien wird regelmäßig zu einer der lebenswertesten Städte der Welt erklärt. Ob das auch am Laissez-faire in Sachen Tschick liegt? Zigarette heißt das auf Wienerisch und der Wiener - wie auch der Innsbrucker, Dornbirner oder Linzer - muss nicht in die Kälte hinaustreten, wenn er eine Tschick rauchen will. Zwar herrscht offiziell schon seit 2008 eine Art Rauchverbot, doch wegen der vielen Ausnahmen im Gesetz wird es de facto zu einer Art Freibrief für Raucher umgedeutet.

Egal, ob es nun ein Restaurant ist, eine Nachtbar oder ein Berggasthaus: Dem nichts ahnenden Besucher schlägt oft eine beißende Qualm-Wolke entgegen. Zuerst stutzt, dann hustet man, schließlich ist man es nicht mehr gewohnt. Umgeben von Rauchverbotsländern ist Österreich die letzte Bastion, irgendwie auch sympathisch, wenn's nur nicht so stinken würde. Aber die Tage, pardon, Jahre, sind gezählt. 2015 wurde ein "totales" Nichtrauchergesetz beschlossen, das auch schon im Mai 2018 wirksam wird. Eine dreijährige Übergangsphase ist schließlich das mindeste, wo bliebe denn sonst die Lebensqualität? Tu felix Austria, fume!

Hans Gasser

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Spanien

Ob Bars und Restaurants, Bahnhöfe oder Ämter - nirgendwo in Räumen mit Publikumsverkehr darf man rauchen. Raucherbereiche: Fehlanzeige. Strafen: drastisch. Wer sich in der Bar beim Qualmen erwischen lässt, selbst auf dem Klo, muss eine dreistellige Summe zahlen. Den Wirt oder Kellner, der zulässt, dass Gäste rauchen, trifft es noch härter.

Vor zehn Jahren trat erstmals ein Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, Tabakindustrie und Gastronomie hatten zuvor vergeblich gejammert und gedroht: Dem Staat würden Milliarden an Steuergeld entgehen, Schwarzmarktware übelster Qualität würde die Volksgesundheit schädigen, eine halbe Million Arbeitsplätze verloren gehen. Natürlich passierte nichts davon. Der Umsatz der Tabakindustrie jedoch ist um 13 Prozent zurückgegangen, Tendenz weiter fallend.

Thomas Urban

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Russland

"Solange du noch eine Packung Zigaretten in der Tasche hast, ist noch nicht alles verloren", sang Wiktor Zoi 1989. Der sowjetische Rockstar ist lange tot (Autounfall, nicht Lungenkrebs!), aber sein melancholisches Lied hat in Russland jeder im Ohr. Dabei sind Zigaretten per Gesetz aus Rundfunk, Theater und anderen öffentlichen Aufführungen, an denen Kinder teilnehmen könnten, verbannt.

Manchmal sieht man abends noch vereinzelt Raucher von Kiosk zu Kiosk gehen, den Kopf in die niedrigen Luken stecken und verzweifelt fragen: "Haben Sie Zigaretten?" Früher gab es sie noch stückweise. Heute ist der Verkauf von Tabakwaren streng reglementiert. Man bekommt sie nur in Supermärkten an der Kasse, wo sie nicht sichtbar präsentiert werden dürfen. Rauchen darf man noch auf der Straße, in der eigenen Wohnung oder im eigenen Auto; aber seit 2013 nicht mehr in Cafés und Restaurants, öffentlichen Gebäuden, in Zügen oder an Bahnhöfen.

Laut Gesundheitsministerium ist der Tabakkonsum um 17 Prozent zurückgegangen, seit das Gesetz gilt. Das staatliche Umfrageinstitut Wziom musste aber feststellen, dass unverändert 34 Prozent der Menschen in Russland rauchen. Jeder Dritte gibt an, sich nicht an das Gesetz zu halten. Solange eine Packung Marlboro umgerechnet nicht mehr als 1,50 Euro kostet, ist nach Wiktor Zois Maßstab in Russland noch nicht alles verloren.

Julian Hans

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Frankreich

Die sonst eher undisziplinierten französischen Raucher beugten sich schon einem Verbot, als in den meisten Ländern Europas noch munter gepafft wurde. Überraschend brav setzten sie sich in den Cafés und Brasserien an die paar Tische, über denen ein blauer Elefant - so wollte es 1991 das neue Gesetz - ihr eingeschränktes Revier anzeigte. In den Jahren danach sank der Zigarettenkonsum auf die Hälfte. Allmählich kehrte die Sucht aber zurück. Seit fünf Jahren stagniert der Anteil der Raucher bei 32 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen.

Seit 2007 gilt ein striktes Verbot in allen öffentlich zugänglichen Räumen, am Arbeitsplatz wie in den Pausenhöfen der Schulen. Das Flair der durch Tabak angereicherten Geselligkeit ist aber weder mit Verboten noch mit massiven Preisaufschlägen - zwischen 6,50 und neun Euro kostet die Packung - zu vertreiben. Die Pariser Cafés wetteifern um die attraktivsten geheizten Raucherterrassen, die von Nichtrauchern auf dem Weg ins Innere mit angehaltenem Atem durchquert werden müssen. Die jüngsten Terrorattentate trugen zur Lockerung der Regeln bei. Ein Gymnasium erregte Aufsehen, weil es das Rauchen im Pausenhof wieder gestattete mit dem Argument, dort seien die Schüler sicherer als auf der Straße.

Joseph Hanimann

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Quelle: Grafik Jessy Asmus/SZ.de

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Israel

In Israel wird stets in vollen Zügen gelebt, und auch das Rauchen mag sich hier nur ungern jemand verbieten lassen. So kann es passieren, dass einen der Taxifahrer ungefragt an seinem Rauchgenuss teilhaben lässt, und auch in privater Runde wird gern gequalmt. Zwar gilt auch hierzulande schon seit vielen Jahren ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, Restaurants, Kneipen und Cafés. Doch im Sommer, grob gesagt also zwischen Januar und Dezember, sitzt man ohnehin lieber draußen. Zu den Besonderheiten der israelischen Logik zählt es, dass in manchen Lokalen draußen ein Rauchverbot gilt, während drinnen an der Theke und den Tischen die Aschenbecher stehen.

Trotz der gesetzlichen Androhung von Geldstrafen wird das Verbot von Wirten und mehr noch von Gästen zu vorgerückter Stunde oftmals als unverbindliche Empfehlung interpretiert. An Kiosken lässt sich rund um die Uhr Nachschub besorgen. Das größte Problem für die religiösen Raucher ist der Sabbat - denn da darf ein frommer Jude kein Feuer entzünden.

Peter Münch

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Quelle: Grafik Jessy Asmus/SZ.de

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Japan

Rauchverbote obliegen in Japan den lokalen Behörden. Die Umsetzung ist Sache der Städte, in Tokio der 23 Stadtteile. Die Regeln können sich von einer U-Bahnstation zur nächsten ändern. In zwei Stadtteilen ist das Rauchen sogar auf der Straße verboten. Für die Unverbesserlichen, immerhin noch 19 Prozent der Japaner, gibt es Raucherecken, oft mit Getränke- und Zigarettenautomaten. In Letztere wurde Gesichtserkennungs-Software eingebaut, die das Alter der Käufer (mindestens 20) kontrolliert. Viele andere Stadtteile und manche Provinzregionen unternehmen hingegen wenig. Selbst in Tokios Stadtteilen mit strengen Regeln darf in vielen Restaurants weiter gepafft werden. Das ist Sache des Wirts. Manche Männer rauchen sogar weiter, wenn am Nebentisch eine schwangere Frau isst. Mit Müttern wurde das Werbeverbot begründet, das bis 1985 galt; dann privatisierte der Staat die Tabak-Industrie und erlaubte ihr Werbung.

Rauchen ist, wie fast alles in Japan, ein Gruppenphänomen. Wenn in einem Büro zwei oder drei Leute rauchen, gehen alle anderen Männer mit vors Haus oder in den Raucherraum im Keller ihres Büroturms. Nach der Kneipe rauchen manche Gruppen trotz Verbots auch auf der Straße, seltener sogar auf dem Bahnsteig. Weist sie jemand zurecht, am ehesten eine ältere Frau, drücken sie ihre Stummel mit schuldverzerrtem Gesicht aus. Und stecken eine Neue an, sobald die Frau weg ist.

Christoph Neidhart

© SZ.de/kaeb/rus
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