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Wandern in den Dolomiten:König Laurins Zauberwelt

So zumindest erzählt es uns Toni Mahlknecht, der uns am folgenden Tag in die Geheimnisse zwischen Rosengarten und Latemar einweiht. So viel wie möglich wollen wir sehen - und lernen doch als erstes, uns Zeit zu nehmen.

Denn wer mit Toni unterwegs ist, kommt nur langsam voran - zu viel gibt es zu hören, zu schauen und zu erfahren. Toni ist Wanderführer, doch vor allem ist er einer jener, leider immer seltener werdenden Menschen, welche die Geschichte jedes Hauses, jedes Berges, ja fast jedes einzelnen Steins kennen - sie sogar ein Stückweit selbst mitgeschrieben hat, als Vorstand des Tourismusverbandes, des Alpenvereins und als engagiertes Mitglied der Dorfgemeinschaft.

Immerwärender Frieden

Zum ersten Mal erfahren wir von "der Rose des Gedenkens", die den Ursprung von König Laurins sagenhaftem Rosengarten darstellt; eine Rose, wie es keine schönere gab, und die eine ständige Erinnerung sein soll an "jene gute Alte Zeit, in der es weder Hader noch Streit, sondern nur immerwährenden Frieden gab".

Doch damit war es zu Ende, als die Zwerge in König Laurins Bergen Gold fanden. Mit Schwertern und Speeren musste der sagenhaft König sein Reich nun vor den Angriffen der Neider beschützen, der Rosengarten begann zu verwildern.

Es hat in der Nacht geregnet, der Himmel scheint noch unschlüssig zu sein, ob er sich in freundliches blau kleiden, oder sich mit drohenden Wolken bedecken will.

Eine wunderschöne Wasserjungfrau

Toni fährt mit uns hinauf zum Karrersee. Noch ist es ruhig hier. Ungestört spiegeln sich die zerfurchten Wände des Latemar im sanften Grün des Wassers.

Tausende von Diamanten scheinen im Sonnenlicht zu glitzern. Kein Wunder, erzählt uns Toni, denn hier lebt eine wunderschöne Wasserjungfrau, in die sich einst der Hexenmeister von Masaré (einem der Felstürme des Rosengartens) unsterblich verliebte.

Um sie aus dem Wasser zu locken, spannte er den schönsten aller Regenbogen zwischen Latemar und Rosengarten und legte Tausende glitzernder Edelsteine ans Ufer.

Schimmer der Juwelen

Tatsächlich tauchte die schöne Nixe auf und bestaunte die Herrlichkeit. Doch sie entdeckte den Zauberer, erschrak zu tiefst und verbarg sich für immer in den Fluten. In seinem Schmerz über die verlorene Liebe riss der Hexenmeister den Regenbogen vom Himmel, zerschmetterte ihn und warf ihn mitsamt den Juwelen in den See. Und so schimmert der Karersee noch heute in den prächtigsten Farben.

Als die ersten Busse heranrollen und Massen von Touristen ausspucken ist es Zeit für uns, zu gehen, auf den Spuren der Geschichte weiterzuwandeln, hinauf zum einstigen Prachthotel, dem Grand Hotel Karrersee.

1896 wurde es von Theodor Christomanos erbaut, der mit seinem "Verein für Alpenhotels" die Dolomiten als idealen Ort für gut betuchte Gäste entdeckt und erschlossen hat.