bedeckt München 28°

Tourismus auf ostfriesischen Inseln:"Klar wünschen wir uns wieder Gäste"

Marcel Fangohr, Bürgermeister von Wangerooge

"Nicht von Null auf Hundert": Marcel Fangohr, Bürgermeister von Wangerooge.

(Foto: Kurverwaltung Wangerooge)

Doch Wangerooges Bürgermeister und Kurdirektor Marcel Fangohr plädiert dabei für eine maßvolle Wiederaufnahme des Tourismus auf seiner Insel.

Wangerooge ist die zweitkleinste der sieben Ostfriesischen Inseln. Laut Tourismus Niedersachsen zählten diese 2019 knapp sechs Millionen Übernachtungen, auf Wangerooge war es eine halbe Million. Die Corona-bedingte Sperrung im März nannte der parteilose Inselbürgermeister und Kurdirektor Marcel Fangohr, 38, den "Super-Gau" für den Tourismus. Doch nun, nach der angekündigten Öffnung, ist er für eine Abschwächung der Lockerungen.

SZ: Herr Fangohr, Sie kritisieren die zu schnelle Rückkehr zur Normalität. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Marcel Fangohr: Klar wünschen wir uns wieder Gäste auf der Insel, wir hängen ja völlig ab vom Inseltourismus. Aber wir können nicht von einem Tag auf den anderen von null auf hundert gehen. Damit setzen wir Insulaner und Urlauber einem unkontrollierbaren Risiko aus. In der Hochsaison sind auf Wangerooge bei 1300 Einwohnern bis zu 10 000 Gäste, da haben wir hier die Bevölkerungsdichte wie in einer Großstadt. Die Menschen verteilen sich nicht wie auf dem Festland. Da sind die Wege zum Strand im Hochsommer sehr stark frequentiert. Wie soll da das Abstandhalten funktionieren?

Sie fürchten einen weiteren Shutdown?

Richtig. Das Risiko für eine Ausbreitung von Corona ist zu hoch. Bei Tagesgästen hätten wir zudem keine Chance, Infektionsketten nachzuvollziehen.

Erst kürzlich haben Sie und die anderen sechs Kurdirektoren der Ostfriesischen Inseln an Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann appelliert, sie als Gastgeber nicht im Regen stehen zu lassen. Was haben Sie damit bezweckt?

Mit unserer Videobotschaft wollten wir zweierlei. Zum einen finanzielle Hilfe, wie man sie den großen Touristikkonzernen sofort gegeben hat. Das benötigen wir ebenso dringend. Zum anderen brauchen wir eine kontrolliert-koordinierte Rückkehr zur Normalität, um einen neuerlichen Shutdown zu verhindern.

Hat das Land Niedersachsen reagiert?

Ja, letztlich gibt es nun eine separate Lösung für die Inseln, nach Paragraf 7a, der uns Flexibilität je nach Fallzahlen gibt, wir können nun die Lockerungen an das Infektionsgeschehen anpassen oder auch mal zurücknehmen, ohne dass es wieder zum Shutdown kommen muss. Dazu gehört die Auflage, dass es zunächst keinen Tagestourismus geben kann - und dass die Gäste sieben Tage bleiben müssen.

Die meisten Gäste bleiben ja schon jetzt eine Woche, davon mehr als 80 Prozent in Ferienhäusern oder -wohnungen. Beste Voraussetzungen, um Distanz zu wahren.

Ja, genau, deshalb hat man die Ferienwohnungen schneller zugelassen. Aber das Problem ist die Infrastruktur: Die Fähre für 600 Passagiere darf nur noch 300 befördern. Da haben wir ein Nadelöhr. Und wie stellen wir unter den neuen Bedingungen die Versorgung der Gäste in Bäckereien, Geschäften und Restaurants sicher?

Könnte die Digitalisierung weiterhelfen?

Von der Anfahrt über die Unterkunft bis hin zum Strandkorb können Sie längst alles online buchen. Wir denken eher über neue Dienstleistungen nach: Zum Beispiel könnten Restaurants den Gästen, die auf der Terrasse keinen Platz finden, das bestellte Essen an die Haustür liefern. Dann hätte auch der Kellner was zu tun, wenn das Lokal leer bleiben muss.

Mit wie vielen Gästen rechnen Sie für das laufende Jahr?

Wir schätzen, dass es bei der Kurverwaltung bei den Gästebeitragseinnahmen ein Drittel weniger ist als im Vorjahr.

Wird es nun Preiserhöhungen geben?

Nein, wir werden nicht die Preise anpassen. Der Strandkorb kostet zehn Euro wie 2019. Wir wollen trotz aller Gebote und Verbote ein schönes Urlaubserlebnis bieten.

© SZ vom 14.05.2020/ihe
Haus hinter Dünen der Ostsee bei Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland/Darß

SZ Plus
Urlaub buchen
:Ab ins Ferienhaus

Urlaub wäre schön - aber mit Abstand. Worauf sollte man bei der Buchung einer Ferienwohnung achten? Und wie sicher ist der Aufenthalt wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Eva Dignös

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite