Rhône

Ein einziger Tag kann alles kaputt machen. Ein Unwetter genügt, um einen Schaden in den Weinbergen zu hinterlassen, den man schmeckt. Insofern bleiben Winzer stets skeptisch. Um einen guten, einen hervorragenden Wein zu keltern, müssen viele Dinge zusammenkommen. Aber die Vorfreude auf diesen Jahrgang 2015, sie war im vergangenen Sommer trotzdem schon groß an der Rhône, lange bevor die Trauben auch nur annähernd reif waren. Sie würden viel Wärme abbekommen, würden üppig Süße und Geschmack ausbilden. Das verhieß jeder neue der vielen wolkenlosen, hitzigen Tage im Süden Frankreichs rund um Avignon und Orange.

Die Weine der Côtes du Rhône werden ohnehin besser seit einigen Jahren, die Qualitätskrise der Jahrtausendwende ist bewältigt. Und nun also dieser sowohl für die Touristen wie für die Winzer sensationelle Sommer - der eben nicht nur bei den Weinbauern eine Vorfreude ausgelöst hat, sondern auch bei weinliebenden Reisenden. Auf die Sonne ist stets Verlass in der Provence und im Languedoc, auch in Sommern ohne Rekordtemperaturen, dazu die Landschaft, die Gastronomie, die zahlreichen Festivals . . . mit einer Reise an die Rhône macht man sich immer eine Freude. Im kommenden Sommer aber werden dann auch die ersten Weine des 2015er-Jahrgangs abgefüllt sein, man bekommt sie in den Restaurants serviert, in den Weinhandlungen, bei Degustationen. Kann damit seinen Urlaub verschönern und sich den Kofferraum vollladen, um auch bestimmt gut über den nächsten Winter zu kommen, sich vielleicht sogar für einen guten Preis einen kleinen Bestand anschaffen von Weinen, die noch lagern müssen, so dass diese Ferien von 2016 noch lange nachschmecken. Und dass Marion Maréchal-Le Pen vom Front National die Regionalwahlen nun doch nicht gewinnen konnte, darauf sollte man schon jetzt eine Flasche öffnen.

Stefan Fischer

Im Bild: Wegweiser im französischen Weinbaugebiet Juliénas

Bild: AFP 7. Januar 2016, 09:152016-01-07 09:15:38 © SZ.de/ihe/kaeb/sks