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Thailand, Birma, Laos:Wandertouren mit erfahrenen Führern

Heute gilt im hohen Norden Thailands das Motto: Touristen statt Drogen. Das Land vermarktet den schlechten Ruf der Gegend am professionellsten unter allen Golden-Triangle-Staaten. Noch vor wenigen Jahren wirkte die Gegend touristisch arg vernachlässigt. Besucher, die sich nicht nur für die Strände in Phuket oder Ko Samui oder den Trubel in Pattaya interessierten, zog es zwar schon immer nach Chiang Mai, die mit fast 150.000 Einwohnern größte und kulturell wichtigste Stadt im Norden. Sie lockt Besucher mit rund 200 buddhistischen Tempeln, Thai-Kochkursen, einem riesigen Nachtmarkt und ihrer reizvollen, gebirgigen Umgebung. In den äußersten Norden, der sich ideal von dem Städtchen Chiang Rai aus erkunden lässt, reisten allerdings schon deutlich weniger Touristen.

Karen in Thailand

Die Frauen mit den Giraffenhälsen

Interessant, aber auch traurig

In Chiang Rai bieten zahlreiche Veranstalter Golden-Triangle-Touren an. Sie führen unter anderem zu einigen Bergvölkern, die mittlerweile mit den Veranstaltern kooperieren, um Kunsthandwerk, Schals oder einfach nur Verpflegung an die Touristen zu verkaufen. Die Besucher lassen sich von ihrem Führer einmal durchs Dorf scheuchen, sehen sich die oft in bunte Trachten gekleideten Menschen an und werden wieder weggekarrt.

Das ist zwar interessant, aber auch traurig, und wird darin wohl nur noch vom kommerziellen Elefantenreiten übertroffen, das in der Gegend an vielen Orten angeboten wird. Im besten Fall befördern die strapazierten Kreaturen neugierige und begeisterte Kinder durch die Berglandschaft; im schlechtesten Fall grölende Junggesellen mit Bierdosen in der Hand. Keine schöne Karriere für das gutmütige Tier, das den Thailändern als Glücksbringer gilt.

Opium als akzeptiertes Genussmittel

Faszinierend sind dagegen Wandertouren mit erfahrenen Führern. Andirek Petraj etwa ist seit Jahren Guide in Chiang Rai und kennt die Gegend genau. Er kann viel erzählen über einheimische Pflanzen und Tiere, über die unzufriedene Opposition in Thailand oder die Bergvölker. Sie leben im gesamten Goldenen Dreieck, mischten und mischen zum Teil im Drogenanbau und -handel mit. Das Opium ist in diesen Gesellschaften ein akzeptiertes Genussmittel, besonders bei den Älteren. Die staatliche Förderung von Tee- oder Kaffeeanbau soll besonders ihnen eine Perspektive geben - genau wie der Tourismus, auf den sich die Bergvölker unterschiedlich stark eingestellt haben.

Petraj macht mit seinen Gruppen in einem abgelegenen Dorf des wohl bekanntesten Bergvolks Karen Halt. Die Hütten sind schlicht, Schweine und Hunde laufen frei umher. Die Menschen schauen unbeteiligt auf die Besucher. Erst nach dem Essen, das Petraj im Rucksack mit hochgebracht hat und in einer der Hütten serviert, bietet eine ältere Dorfbewohnerin Stoffbeutel und Tücher zum Kauf an. "Alles selbst bestickt", wirbt sie leise in ihrer Sprache, die sich deutlich vom Thailändischen unterscheidet.

Ein Museum rund um die Droge

Um zu unterstreichen, wie ernst es dem Land mit der Bekämpfung der Drogen ist, hat die Königinmutter vor einigen Jahren in der Chiang-Rai-Provinz einen monumentalen Bau in die Landschaft setzen lassen, die "Hall of Opium". Ein Museum, das in Sachen Architektur und technischer Ausstattung Maßstäbe setzt und sich ausschließlich mit allen Aspekten der Droge beschäftigt.

Ein mehr als 100 Meter langer, abgedunkelter Tunnel empfängt den Besucher und stimmt ihn auf die informative, aber auch emotionale Multimedia-Ausstellung ein. Sie spannt einen großen Bogen, unterrichtet über die Anfänge des Drogenkonsums, beschreibt die Opiumkriege zwischen Großbritannien und China, erklärt den Kampf gegen die Drogenbarone in Südostasien, Afghanistan und Südamerika und endet mit Warnungen vor den sozialen und gesundheitlichen Folgen von Opium und Heroin. "Thailand hat den Kampf gegen die Drogen gewonnen", sagt eine junge Museumsangestellte mit Stolz. "Die Königsfamilie kümmert sich." So ganz stimmt das freilich nicht: Vollständig ausrotten konnte Thailand den Drogenanbau trotz aller Bemühungen nicht.