Städtetipps für Hamburg Nachtleben und Kniggefragen

Möglichst spät beginnt das Nachtleben für echte Hamburger - dafür hören sie mit dem Feiern nicht so schnell wieder auf.

(Foto: Inga Nielsen/Fotolia)

Wo der Abend in Hamburg beginnt, wie es weitergeht und welchen Satz man hier besser nicht sagen sollte.

Der Imbiss für unterwegs:

Die Fischfrikadelle, das Krabbenbrötchen (eher nicht direkt an den Landungsbrücken kaufen) und für die Currywurst zum Beispiel die "Kleine Pause" in der Wohlwillstraße in St. Pauli, ein Stück abseits der Reeperbahn. Dort ist auch die Frikadelle aus eigener Herstellung empfehlenswert. Ein Ereignis ist die Fischbratküche "Daniel Wischer" in Spitalerstraße und Steinstraße mit Stammgästen, die seit Jahrzehnten kommen. Einfach und klassisch.

Typisch für das Nachtleben in Hamburg ist, dass ...

... es spät beginnt und nie richtig aufhört. Die Hamburger versuchen gern, erst loszugehen, wenn die Pinneberger wieder weg sind und auch die anderen Vorstädter. Aber die bleiben auch schon immer länger. So sind die Hamburger ständig auf der Flucht vor ihnen und bleiben doch nicht unter sich, auf der Reeperbahn, dem Hamburger Berg oder der Schanze. Dabei wollen Hamburger das so sehr, unter sich sein.

Wo man den Abend beginnt:

So lange es hell ist am Elbstrand, dann langsam in die Stadt ziehen. Am besten am Elbufer entlang. Irgendwo gibt es immer ein Astra.

Dann ziehen Sie weiter ins ...

... "Hafenklang", um sich von einer Band überraschen zu lassen, von der man noch nie gehört hat.

Hier wollen alle rein:

Mindestens mal gucken, auch wenn das eigentlich nicht so gedacht ist, in der Bar "20 Up", der Skybar hoch über der Elbe im Riverside Hotel.

Dabei ist es hier viel besser:

Im "Le Lion" nahe am Rathaus, oder, wer es nicht so nobel will, auf dem Hamburger Berg, vielleicht ins "Sorgenbrecher".

Dies ist der beste Platz für den Sonnenaufgang:

Der Altonaer Balkon. Franzbrötchen vom nächsten Bäcker, einen Espresso im Pappbecher. Unten liegt der Hafen, weiter hinten die Köhlbrandbrücke, und hinter einem laufen die ersten Jogger vorbei.

Mit diesem Satz kommen Sie hier gut an:

"Ist ja immer noch viel mehr los hier als in Berlin. Regnet auch gar nicht so oft."

Darüber spricht man in Hamburg:

Über den HSV, der niemals absteigen darf. Über den FC St.Pauli, der ständig ab- und aufsteigen darf und nur weiterhin anders erscheinen muss, um geliebt zu werden.

Über das große Geld, das sich mit Lofts in der Stadt breitmacht und Leute ohne Geld verdrängt.

Über die Elbphilharmonie, die - ganz bestimmt, kein Zweifel erlaubt - wunderschön wird, aber niemals fertig.

Vorsicht, Fettnäpfchen!

Sagen Sie bloß nicht: "Es regnet leider doch ziemlich oft hier, oder?" Und: "Man hört ja, dass viele Künstler jetzt nach Berlin gezogen sind. Ist ja auch mehr los da!"

Mehr über Jens Schneider, Autor der Hamburg-Tipps:

Jens Schneider ist 1963 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen. Nach dem Zivildienst verließ er die Stadt von den Landungsbrücken aus mit dem Schiff in Richtung England und arbeitete ein Jahr lang in Cambridge und London als Briefträger und Kellner. Dann studierte Schneider in Hamburg Politik und Volkswirtschaft, bevor er die Henri-Nannen-Journalistenschule besuchte. Seit 1991 ist er bei der Süddeutschen Zeitung. Zunächst berichtete er als außenpolitischer Redakteur vor allem über den Balkan, 1996 ging er als Korrespondent für Ostdeutschland nach Dresden. 2005 wechselte Schneider in die Parlamentsredaktion in der Hauptstadt Berlin, seit 2008 ist er Korrespondent für Norddeutschland. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Der Elbstrand vor der Strandperle ist seit vielen Jahren sein Lieblingsort in Hamburg. Was die Club-Tipps angeht, mag er Hafenklang und Molotow gern, musste sich aber sonst von Bekannten und Freunden helfen lassen.

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