Spurensuche auf Hawaii Kaum ein Winkel Oahus, der nicht als Drehort diente

Von diesem Magnum-Wahnsinn ist heute nichts mehr zu sehen. Hier und da hängt vielleicht noch ein ironisch gemeintes Poster von Tom Selleck mit Dackelblick in einer Hipster-Bar. Es gibt auch eine Firma in Honolulu, die Inselrundflüge in einem schwarz-gelb-rot gestreifen T.C.-Hubschrauber anbietet. Der hat mit dem originalen, später abgestürzten Modell Hughes 500 aber nichts zu tun. Es gibt keine offiziellen "Magnum"-Touren, dafür welche zu den Sets von "Lost", "Godzilla" oder "Jurassic Park" in der archaischen Berglandschaft der Kualoa Ranch im Osten Oahus. Andererseits muss man nicht lange nach "Magnum"-Locations suchen. Spangler und sein Team haben die Insel zehn Jahre lang abgegrast. Es gibt kaum einen Winkel Oahus, der nicht als Drehort diente.

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Spangler kurvt die Monsarrat Avenue zum Vulkankegel Diamond Head hoch. Rechts geht es zum Besucherzentrum, links liegt das Hawaii Film Studio - nicht viel mehr als eine Handvoll roter Holzbaracken und Wellblechhallen, in denen "Magnum" produziert wurde und heute das Remake von "Hawaii Five-0" entsteht. Ein paar Hundert Meter weiter zweigt die Kahala Avenue ab, in der sich parallel zum Pazifik eine Villa an die andere reiht. Es sind flache Holzgebäude mit Pools auf weitläufigen Strandgrundstücken, von schlanken Königspalmen flankiert. An vielen Zäunen hängen Zu-verkaufen-Schilder, sandige Brachen tun sich auf. Hier tobten sich chinesische und japanische Spekulanten aus, bis die Immobilienblase platzte.

In der Seitenstraße Black Point Road wohnte Tom Selleck während der Dreharbeiten. Ein Tor versperrt die Zufahrt zu den Häusern - inmitten des exklusiven Viertels ist dies eine besonders luxuriöse Exklave. Dabei soll Tom Selleck immer nahbar und freundlich gewesen sein. "Tom hat nicht gespielt", sagt Spangler, "als Magnum war er einfach er selbst." Jedem seiner Co-Stars habe er einen Porsche geschenkt, jeden Freitag habe er eine Party für alle geschmissen. Auch sonst fand Spangler den Job grandios: "Neun Monate im Jahr arbeiten, dann drei Monate frei zum Surfen - was willst du mehr?"

Am Ende der Kahala Avenue liegt der Waialae Beach Park, einer der typischen öffentlichen Strandzugänge. Eine Wiese, ein Klohäuschen, überdachte Picknick-Bänke. Schaut man das Ufer entlang, sieht es wild aus - die Villen sind hinter den Palmen verborgen. Viele Szenen wurden hier gedreht. Auch als Terrasse des King Kamehameha Clubs hielten die Picknick-Bänke schon her. "Wir haben einfach das Klohäuschen verdeckt und weiße Tücher über die Tische gelegt", sagt Spangler. Die "Magnum"-Produzenten sparten, wo es nur ging. Die meisten Aufnahmen entstanden in einem Radius von wenigen Kilometern um das Filmstudio herum. Auch Robin's Nest, das Anwesen von Robin Masters, ist nicht weit entfernt.

Der Helikopter-Landeplatz ist ein Sperrmüll-Lager, Magnums Wohnung heruntergekommen

Der Weg dorthin gleicht einer Kamerafahrt durch den "Magnum"-Vorspann: auf dem kurvigen Kalanianaole Highway die Südküste entlang, links der Coco-Vulkankrater, rechts die lavaschwarze Steilküste, an deren Felsen der Pazifik detoniert - davor raste der Ferrari zum Auftakt einer jeden Episode. Für einen Adrenalinkick reicht es in dieser wilden Umgebung selbst in Spanglers Jeep. Er aber sagt nur: "Hier wurde auch ,Fluch der Karibik' gedreht."

Kaum sind wir um den östlichen Inselzipfel herumgefahren, kommt die Makai-Pier in Sicht, T. C.s Helikopter-Basis, die an eine Holzscheune auf dem Wasser erinnert und in Realität eine Meeresforschungseinrichtung ist. Angler sitzen in der prallen Sonne, Spangler ignoriert das Zufahrt-verboten-Schild. Keiner sagt etwas zu dem Mann mit dem offiziell wirkenden Logo am Wagen. Der Landeplatz für T. C.s Chopper ist heute ein Sperrmülllager der Wissenschaftler - und wirkt viel kleiner als damals im Fernsehen.

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Keine zwei Meilen auf dem Highway weiter bremst Spangler plötzlich abrupt und hält auf dem Seitenstreifen: Robin's Nest, so unauffällig, dass selbst Spangler fast vorbeigefahren wäre. Eine von Pflanzen überwucherte Mauer aus Lavagestein schirmt die Blicke ab, das schmiedeeiserne Tor ist verschlossen. Hinein kommen wir nicht. Das Grundstück ist in Privatbesitz. Als "Magnum" gedreht wurde, gehörte es einer reichen Erbin. Anfang 2015 ging es für 8,7 Millionen Dollar an einen mit US-Präsident Barack Obama befreundeten Unternehmer. Die amerikanischen Medien rätselten, ob Obama selbst hinter dem Kauf steckte. Er stammt aus Hawaii und verbringt Weihnachten in Kailua, 20 Autominuten vom Anwesen entfernt. Und warum hat Spangler Magnum hier wohnen lassen? "Weil es die Vorgabe des Drehbuchs war: ein altes Anwesen im spanischen Kolonialstil zwischen dem Meer und den Bergen. So etwas gibt es nur einmal auf Oahu."

Das Meer bietet dann doch noch einen Zugang. Alle Ufer Hawaiis dürfen von jedermann betreten werden - auch die Seeseite des Anwesens ist öffentlich. Bis zu den Knien im badewannenwarmen Wasser, waten wir mitten hinein in eine Kindheitserinnerung: das aus Lavasteinen geformte Becken, das dem Anwesen seinen echten Namen gab - Pahonu. Darin wurden vor Hunderten Jahren Meeresschildkröten zum Verzehr für die Häuptlinge gehalten. Am Horizont steht Rabbit Island, die kleine Insel, die in jeder "Magnum"-Folge zu sehen ist. Und hinter einem Zaun steht das Bootshaus, in dem Magnum wohnte. Es wirkt heruntergekommen, die weiße Fassade feucht und schimmlig, die glaslosen Fenster mit Hasendraht vernagelt. Ergreifend, wenn man sich klarmacht, wie oft man als kleiner Junge schon hier war.

Schweigend waten wir zurück zum Parkplatz am Waimanalo Beach Park. Hier beginnt der längste Strand Oahus, fünf Kilometer Sand, flankiert von mächtigen Ironwood-Bäumen. An diesem Nachmittag sind nur ein paar einheimische Familien da. Ein Junge, der aussieht wie 13, passt auf, dass seine kleine Schwester beim Buddeln nicht auf Quallen tritt. "Hey, weißt du, dass hier Magnum gewohnt hat?", fragt Randy Spangler den Jungen. "Wer?", fragt der zurück, "ich mag Rick Grimes."

"Wen?", frage ich mich. Und so muss es wahrscheinlich sein. Jede Kindheit hat ihre eigenen Helden.

Informationen

Anreise: Tägliche Flüge mit Korean Air ab Frankfurt nach Honolulu und zurück ab 1365 Euro, Zwischenstopp in Seoul/Incheon mit der Option, an kostenlosen Sightseeing-Touren in der Stadt teilzunehmen, Übernachtungs-Arrangements, www.koreanair.com.

Unterkunft: Im historischen Hotel The Royal Hawaiian direkt am Waikiki Beach wurden innen wie außen viele "Magnum"-Szenen gedreht, DZ ab ca. 300 Euro, www.royal-hawaiian.com.

Weitere Auskünfte: Hawaii Tourism Europe, c/o Aviareps Tourism GmbH in München, www.gohawaii.com; private, sehr kenntnisreiche Fanseite zu Magnum: magnum-mania.com; Kualoa Ranch, auf der unter anderem "Godzilla", "Jurassic Park" und "Lost" gedreht wurden: www.kualoa.com.

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Die Nordküste von Oahu, nicht weit von Honolulu, gilt als eine der besten Surfregionen weltweit. Clark Little lebt dort - und schwimmt mitten in die haushohen Wellen, um sie von innen zu fotografieren.