bedeckt München
vgwortpixel

Schneeschuhwandern in der Schweiz:Jenseits der Stille

Eine Wanderung auf Schneeschuhen unterhalb des Schweizer Schwarzhorns in Graubünden beschert dem Besucher ein faszinierendes Naturerlebnis.

Ob Wetter, Ausrüstung oder Laune - im Gebirge machen 800 Höhenmeter einen gewaltigen Unterschied. Am Morgen liegt das Jakobshorn noch im Nebel, der Himmel über Davos Dorf auf 1560 Meter über dem Meeresspiegel ist bedeckt, es nieselt. Mit dem Auto geht es durchs Flüelatal, einen Wald, das Örtchen Tschuggen mit seinem "Kirchli", in Serpentinen hoch auf den Flüelapass.

Ski Wintersport Schneeschuhwandern, Christof Sonderegger/swiss-image.ch
(Foto: Foto: Christof Sonderegger/swiss-image.ch)

Auf halbem Weg, Jürg Baumgartner, Schneeschuhtourenführer, Betriebsökonom und Skilehrer aus Bern, referiert gerade die Vor- und Nachteile von GPS-Geräten, öffnen sich die Wolken - blauer Himmel, Sonnenstrahlen. Oben auf 2383 Meter ist es dann sonnig, kalt, windig und weiß - in der Nacht hat es geschneit.

Der Flüelapass, eine karge und schneebedeckte Mondlandschaft, hochalpines Gebiet, weit über der höchsten Stadt Europas verbindet die Regionen Landwasser und das Engadin im Kanton Graubünden. Im Winter, spätestens von Neujahr an bis in den Mai, ist er wegen Lawinengefahr gesperrt, BMW darf dann einen Teil der Straße als Teststrecke nutzen. Über den Pass geht es weiter, ein Hospiz, Bergseen, noch ein Stück abwärts Richtung Engadin bis zur Bushaltestelle Schwarzhorn.

Gamaschen, Teleskopstöcke, Lawinenverschüttetensuchgerät, Sondierstange, Schneeschaufel, Outdoorjacken, -hosen und - unterhosen, Gummiriemen an den Schneeschuhen festziehen - die Vorbereitung für die Tour dauert eine kurze Weile.

Den Kopf nach unten gesenkt, den Blick auf die Spur des Vordermanns gerichtet, die Gedanken konzentriert, breitbeinig stapfend und schwankend geht es dann in die im Schatten liegende steile Bergflanke gen Schwarzhorn. Die Schritte kosten Kraft, Schneeschuhwandern ist permanentes Treppensteigen. Baumgartner hat gutes Material herausgesucht, Schneeschuhe von einer Firma, die unter anderem Benzinkocher herstellt.

Je weiter sich die Straße entfernt, desto ruhiger wird es, bis nur noch das gleichmäßige Knirschen der Kunststoff-Schuhe im Schnee zu hören ist.

Dahin gehen, wo die Anderen nicht sind

Dahin zu gehen, wo die Anderen nicht sind - das ist der große Reiz des Schneeschuhwanderns. "In den vergangenen Jahren hat die Nachfrage deutlich angezogen", sagt Baumgartner, der in Davos geführte Touren für Unternehmen anbietet. Im vergangenen Winter haben er und seine Kollegen erstmals zwei eigens markierte Schneeschuhwanderwege bei Davos angelegt, einen beim Skigebiet Pischa.

Schneeschuhwandern ist ein Trendsport geworden, der seine heutige Popularität einem anderen Trendsport verdankt. Mitte der neunziger Jahre verspürten die Snowboarder den Wunsch, Touren zu gehen - als Hilfsmittel für den Aufstieg verwendeten sie Schneeschuhe.