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Reisen unter der Aschewolke:Die große Verunsicherung

Kurz vor den Pfingstfeiertagen fallen erneut 1000 Flüge der Aschewolke zum Opfer. In beliebten Urlaubsregionen drohen Streiks und Unruhen. Kann man noch unbeschwert planen? Eine Bestandsaufnahme.

Wer gerade über der Planung der Pfingst- oder Sommerferien sitzt, dürfte beim Gedanken an entferntere Ziele zumindest kurz zögern. Kann man noch sicher planen? Größter Unsicherheitsfaktor ist wohl momentan die Lage im Flugverkehr. Seit April treibt immer wieder Asche aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull über den europäischen Himmel. Mehr als acht Millionen Reisende saßen zeitweilig fest. Wenn auch abgeschwächt führt die Asche auch weiterhin zur Schließung einzelner Flughäfen. Allein am Montag werden rund 1000 Flüge ausfallen. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Der isländische Vulkan kann noch monatelang Rauch und Asche in die Luft spucken. Und er ist nicht der einzige Vulkan auf der Insel, der das Potential für große Störungen des Luftraums hat.

Island, Vulkan, dpa

Trübe Aussichten: Der Eyjafjallajökull spuckt weiter Asche.

(Foto: Foto:)

Besonders von der Asche betroffen war in den vergangenen Tagen Großbritannien. Dort drohen nun auch von anderer Seite Einschränkungen. Das Kabinenpersonal der British Airways (BA) plant Streiks an insgesamt 20 Tagen. Auf der Agenda stehen zunächst Ausstände in der Zeit vom 18. bis 22. Mai, vom 24. bis 28. Mai, vom 30. Mai bis 3. Juni sowie vom 5. bis 9. Juni. Noch ist nicht sicher, ob es dazu kommt. Die Fluggesellschaft versucht derzeit die Streikpläne gerichtlich zu stoppen.

Hinzu kommt die neu aufgeflammte Terrorangst nach dem gescheiterten Anschlag am New Yorker Times Square vor rund drei Wochen. Mindestens drei Mal wurde allein in der vergangenen Woche Bombenalarm im Luftverkehr ausgelöst: bei je einem Flug nach Vancouver und Berlin-Tegel sowie vor einem Abflug aus Moskau. Es handelte sich jedes Mal um Fehlalarm, aber die Angst der betroffenen Passagiere und die Verspätungen können die Urlaubsfreuden wohl genauso trüben wie die Vulkanasche.

Ein weiteres Problem sind Unruhen an zwei sehr beliebte Urlaubsgebieten deutscher Reisender. In Thailand eskaliert die Gewalt, das Auswärtige Amt rät mittlerweile "dringend" von Reisen in die Hauptstadt Bangkok ab. Deutsche Veranstalter sagten für den gesamten Mai Reisen in die Stadt ab und bieten Umbuchungen und Stornierungen an.

Auch Unruhen in Griechenland führten bereits zur Änderung von Reiseplänen. Allein in den Tagen, die auf die tödlichen Ausschreitungen vom 5. Mai folgten, wurden in Athen und Umgebung 20.000 Hotelübernachtungen storniert. Streiks wegen des Sparkurses infolge der Eurokrise ließen Urlauber zusätzlich zögern.

Die Eurokrise hat noch eine weitere mögliche Auswirkung auf deutsche Urlauber. Verliert der Euro an Wert, wird der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten teurer. Gleiches gilt für Länder etwa in Lateinamerika oder Asien, in denen der US-Dollar inoffizielle Leitwährung ist.

Schreckt dies alles Reisende ab? Der Reiseanbieter TUI stellt fest, dass sich die Deutschen insgesamt nicht in ihren Plänen einschränken lassen. Zum Thema Griechenland habe eine Blitzumfrage ergeben, dass sich das Gros der Deutschen nicht von der aktuellen politischen Lage beeinflussen lasse, sagte eine Sprecherin. Auch bei Thomas Cook spürt man keine Zurückhaltung. In den vergangenen vier Wochen verzeichnete der Konzern nach eigenen Angaben bei den Pauschalreisen ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Unternehmen von Rewe-Touristik spüren die Mitarbeiter "eine Verunsicherung" von Reisewilligen, teilte das Unternehmen mit. Kunden fragten häufiger nach möglichen Folgen von Aschewolke oder Unruhen. In den Buchungszahlen schlage sich dies momentan aber nicht nieder.

Wie verhalten Sie sich? Lassen Sie sich bei Ihrer Urlaubsplanung von Asche, Streiks und Unruhen beeinflussen? Schreiben Sie uns!

© sueddeutsche.de/beu/kaeb

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