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Typologie der Reisepartner:Das wird ein super Urlaub, haben sie gesagt

Aber dann entdecken die Mitreisenden den Kolonialherrn in sich oder fantasieren über dreifarbigen Hautausschlag. Eine Typologie schwieriger Reisepartner - und was von ihnen zu erwarten ist.

Von Katja Schnitzler und Irene Helmes

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Die Planungshoheit

Wann spätestens klar wird, dass man einen zwanghaften Planer an seiner Seite hat? Bei dem Satz "Wenn wir pünktlich um 7 Uhr 45 beim Frühstück sind, erwischen wir den Bus um 8.10 Uhr und sind vor der Schlange am Museum." Durch die Ausstellung hetzt dieser Typ Reisebegleiter mit der Stoppuhr, denn um 10.05 Uhr startet die Bootsrundfahrt. Diese wird bei einem Zwischenstopp abgebrochen, schließlich muss der Kirchturm mit dem besten Ausblick erklommen werden: 983 Stufen, aber bitte keine Pause, das geht alles von der Zeit oben ab.

Pro Himmelsrichtung sind dort zwei Minuten veranschlagt, dann geht es rasant abwärts: Um 13.12 Uhr fährt die U-Bahn, die zu einer palastähnlichen Station bringt, unbedingt einen Besuch wert! Während man selbst die Gewölbe bestaunt, zerrt der Durchplaner hektisch am Ärmel. Die Führung durch die alte Burg beginnt gleich - zwar auf Chinesisch, aber zu warten, hätte 40 wertvolle Minuten gekostet. Nach der Hälfte der Tour ist sowieso der Notausgang erreicht, laut Plan eine Abkürzung hin zum Dom (Besichtigung des monumentalen Altars: fünf Minuten) ermöglicht. Dass der Ausgang alarmgesichert ist, stand da nicht.

Was die Planungshoheit aufhalten kann? Wenn die Mitreisenden ihr Stoppuhr, Handy, Reisebücher und Stadtpläne entreißen, diese beherzt im hoffentlich vorhandenen Hafenbecken versenken, den Gefährten am Hinterherspringen hindern und ihm im nächsten Café ein Trost-Törtchen bestellen. Dann muss sich der Planer gezwungenermaßen endlich treiben lassen. Bis 20 Uhr, dann ist Zeit fürs Abendessen.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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"Ich richte mich ganz nach dir"

Zunächst ist es eine feine Sache, wenn die Reisebegleitung die Kontrolle über den Tag - womöglich den ganzen Trip - vertrauensvoll lächelnd abgibt: "Worauf hättest du denn Lust?" und "gehen wir doch erst mal dahin, wohin du wolltest" ...

Doch hinter der bescheidenen Fassade des Flexiblen versteckt sich absolute Entscheidungsunfähigkeit. Die ihn aber nicht daran hindert, später auf unnachahmlich indirekte Art zu nörgeln.

Frühes Anzeichen dafür, dass Herr oder Frau Ich-richte-mich-gerne-nach-dir knatschig wird, ist Augenrollen oder leises Seufzen bei der ersten Komplikation unterwegs. Gefolgt von "vielleicht wären wir besser ..." oder "warum hast du denn nicht vorher nachgesehen, ob ..." Auf längeres Nachbohren hin stellt sich heraus, dass es viel schöner gewesen wäre, X statt Y zu besichtigen und vor allem, bei Z zu essen, da A ja eindeutig ein Reinfall war. "Wie bist du eigentlich auf die Klitsche gekommen?". Wenn der Tagesverantwortliche beleidigt ankündigt, ab jetzt überhaupt nichts mehr vorzuschlagen, blitzt aber Panik in den Augen des Unentschlossenen auf: "Naja, ich weiß doch auch nicht, worauf hättest du denn morgen Lust?"

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Abhaker

Man kann dieser Unterart der Planungshoheit nicht vorwerfen, dass sie ihre Ziele aus den Augen verlieren würde. Der Abhaker bereist Städte, um Sehenswürdigkeit um Sehenswürdigkeit von einer Liste zu streichen - je bekannter, umso besser. Eiffelturm - check; Louvre - check; Notre-Dame de Paris - check; Champs-Elysées mit Arc de Triomphe - doppelcheck. Wenn die Mitreisenden versuchen, auch Stimmungen, Charakter und Details dieser Orte zu entdecken, langweilt sich der Abhaker bereits: Dort sein ist alles. "So, wieder was geschafft", sagt er zufrieden nach Punkt neun auf seiner Liste, schießt noch schnell ein Beweisfoto und weiß nach Punkt zehn dann nichts mehr mit sich anzufangen in dieser fremden Stadt.

Dies ist die Chance für die Mitgeschleiften, wieder zu Reisepartnern zu werden: Sie müssen nur glaubhaft versichern, dass das spannende Viertel da hinten kurz davor ist, auf einer Must-See-Liste aufzutauchen. So kann er endlich seinen Erledigt-Stempel auf eine Attraktion setzen, die es erst geben wird. Und muss nicht nochmal anreisen, um seine Liste zu komplettieren.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Café-Sitzer und Strandkomatöse

Er ist die tiefenentspannteste Gesellschaft, die man sich wünschen könnte - zunächst. Dass dieses radikale Nichtstun auf Dauer wahnsinnig macht, kündigt sich nach den ersten vier Stunden im netten Café in der Stadtmitte an: Der Sitzende ist gekommen, um zu bleiben. Das weltberühmte Deckengemälde in der nahen Kirche besichtigen? Das kennt er schon von Fotos - und in seinem sommerlichen Anzug gibt er doch selbst ein gutes Bild ab. Den Ausblick von der Burg genießen? Dort drängen sich sowieso nur Touristen! Also verweilt er an einem Ort, der seiner würdig ist, und versteht nicht, warum es seiner Begleitung nicht reicht, im Reiseführer zu blättern. Am frühen Abend erhebt sich der Café-Sitzer nur kurz, um sich einen Platz in der nächsten Bar zu sichern.

Die liegende Variante dieses Reisebegleiter-Typs findet sich am Meer: Der Strandkomatöse dreht sich zweimal am Tag um, sodass Vorder- und Rückseite gleichmäßig erröten. Surfen, tauchen, die geheime Bucht ein paar Klippen weiter erkunden oder auch nur auf die Wellen blicken? Viel zu anstrengend. Seine Begleitung macht sich besser auf zu einem sehr langen Strandspaziergang, bevor sie ihn mitsamt Badetuch im Sand eingräbt. Wahrscheinlich würde dies dem dösenden Opfer aber sowieso nicht auffallen.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Hyperaktive

"Seid ihr immer so langweilig?", fragt der Supersportler am ersten Tag angriffslustig die Liegestuhl-Lümmler, kaum ist der Powerriegel verspeist. Dabei tänzelt er schon auf der Stelle, dehnt sich, atmet ganz bewusst, deutet leichte Boxschläge in die Luft an. Er ist bereit!

Bereit für Big Wave Surfing, Cave Diving, Downhill Racing, Rock Running, River Rafting, Acro-Paragliding. Notfalls lässt er sich auch auf etwas Lockeres herunterhandeln wie Stand-Up-Paddeln, Bungee Jumping oder stinknormales Joggen am Strand - aber dann wenigstens die Marathonstrecke. Diese Muskeln kennen keinen Urlaub.

Möglich, dass sich die Wege der unterschiedlich motivierten Reiseteilnehmer tagsüber einvernehmlich trennen. Das Gute ist schließlich, dass der Astralkörper Gesellschaft gar nicht vermisst, solange er sich auspowern darf. Er ist nicht beleidigt, bemitleidet höchstens die faulen Säcke, die im Tal/ Pool/ Café auf ihn warten. Abends kann es trotzdem zum Eklat kommen: Der Extremsportler erscheint im schicken Restaurant zwar geduscht, aber einmal mehr in Funktionskleidung. Aus den bequemen Sandalen leuchtet eine frische Blase, in den Gesichtern der perfekt gestylten Begleiter die Schamesröte.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Unverzichtbare, immer Gefragte

Das Smartphone vibriert und der Reisepartner klinkt sich aus: "Warte, ich muss nur kurz ..." und "bin gleich wieder bei euch". Er lügt. Denn "ich muss" ist Ansichtssache, von "kurz" kann keine Rede sein - und "gleich wieder bei euch" setzt voraus, dass der Dauererreichbare zuvor geistig anwesend war.

Mehr als Pilotenstreiks oder schmutzige Zimmer fürchtet diese Urlauber-Gattung das Funkloch. Welch zukunftsentscheidende Text- und Sprachnachrichten dort ins Leere laufen könnten! Im Büro hat er zwar eine Abwesenheitsnotiz hinterlassen. Aber nur, um Chefs und Kollegen umso mehr mit prompten Antworten zu beeindrucken. Privat käme sowieso niemand auf die Idee, etwas könnte die kleinste Lücke reißen in die Posts und Shares des Unverzichtbaren.

Wer das Glas immer halb voll sieht, benutzt den vernetzten Gefährten als fleischgewordene Siri, die jede Frage nach Öffnungszeiten, Fahrplänen oder Wetterbericht begeistert recherchiert. Alle anderen Reisefreunde werden den Immer-Verbundenen früher oder später stummschalten, und zwar ganz analog.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Kolonialherr

Bereits kurz nach der Landung wartet die erste Kränkung: Niemand hat den roten Teppich ausgerollt! Dabei ist er, der Urlauber, nun hier, um die Wirtschaft in diesem ziemlich rückständigen Land anzukurbeln. Da wird man doch ein wenig Dankbarkeit erwarten dürfen. Der Kolonialherr reist, um hofiert zu werden. Der Kunde ist immer König - dass es noch andere Kunden gibt, ignoriert der Pauschalherrscher ebenso wie Höflichkeitsfloskeln. Wer sagt schon bitte und danke zu seinen Untertanen?

Mit genervtem Wedeln der Hand bedeutet er dem Kellner, er möge nun die leeren Gläser und Teller abräumen, die sein Auge schon seit fünf Minuten beleidigen. Wieso der Ober seinerseits gekränkt wirkt, ihn gar ignoriert, und noch dazu der Mitreisende schamesrot unter dem Tisch verschwindet, ist ihm ein Rätsel: Wer das Geld hat, hat doch Anspruch auf Service! Daher reist der Sonnenkönig am liebsten in Länder, gerne im asiatischen Raum, wo der Euro noch was wert ist - und die Hotelangestellten, Kioskbetreiber und Taxifahrer so freundlich sind, seine Herablassung zumindest mit einem angestrengten Lächeln zu quittieren.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Einheimischer als die Einheimischen

Kein Agent auf Undercover-Mission ist eifriger dabei, mit einer fremden Umgebung zu verschmelzen, als diese Spezies Reisegefährte. Sein größtes Glück ist es, sich von diesen unsensiblen Trampeltieren namens Touristen abzusetzen und stattdessen maximale Orts- und Kulturkenntnis zu beweisen.

Mit dem Wort Völkerverständigung ist seine Mission längst nicht beschrieben - er geht konsequent über die eigenen Grenzen. Lieber riskiert er in der windigsten Straßenküche einen verdorbenen Magen als die Demütigung, wie der letzte Chauvinist das "Continental Breakfast" eines Hotels versucht zu haben. Wenn es so rasch möglich wäre, würde er direkt zur örtlichen Religion konvertieren und nur noch von einheimischen Großmüttern gewebte Tracht tragen. "Ach, die Leute sind hier noch so verbunden mit ihren Wurzeln!"

Vor Scham im Boden versinken möchte er, wenn seine Begleiter ein imperialistisches Käsesandwich bestellen oder (oberpeinlich!) auf offener Straße einen Stadtplan auseinanderfalten. Die Tragik des Möchtegern-Einheimischen ist leider allzu offensichtlich. Selbst wenn seine Tarnung nicht durch seine Mitreisenden auffliegt, verraten ihn auf den meisten Kontinenten die Sommersprossen unter dem strohblonden Haarschopf. Und der Akzent. Denn entgegen aller Erwartungen spricht niemand in der Gruppe deutscheres Englisch als er.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Luxuriöse

Ins Bed&Breakfast oder gar ins Zelt? Das käme für diesen Reisenden nur in Frage, wenn er ein so nobles Glamping-Reservat finden würde, dass dagegen jedes Vier-Sterne-Hotel billig wirkt. Der Luxuriöse ist fest entschlossen, sich im Urlaub zu verwöhnen - ohne Rücksicht auf die Reisekasse der anderen. Man gönnt sich schließlich ja sonst nichts.

Als Mitreisender hätte man ihm jetzt gerne widersprochen, wären nicht just in diesem Moment die Ober im Sterne-Restaurant - nicht nur die Köche tragen hier Hauben - an den Tisch geeilt, um den Gästen die gestärkten Stoffservierten synchron auf den Schoß zu legen. Das ist eine Spur zu nah, doch der Luxuriöse genießt sichtlich und bestellt den zweitteuersten Wein auf der Karte (aber nur weil der teuerste so viel gekostet hätte wie ein Gebrauchtwagen und der Rückflug zusammen). Seine Begleitung beschränkt sich auf das billigste Gericht - eine Suppe, aufgeschäumt serviert als Farbklecks auf einem großen, flachen Teller.

Kommt die Rechnung, wird auch klar, mit welchem Luxus-Typ Sie unterwegs sind: Mit viel Glück ist er der großzügige Gastgeber, der den Betrag ganz übernimmt. Pechvögel sind an die andere Variante geraten: "Die Rechnung teilen wir halbe-halbe." Wir empfehlen in diesem Fall - zumindest für die Dauer des Urlaubs - ebenso säuberlich getrennte Wege.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Sparsame

Die Entscheidung für den Zielort fällt der Preisbewusste entweder nach monatelanger Suche auf sämtlichen Buchungsportalen oder in einer Hauruck-Aktion, weil "dieses Angebot nur noch eine halbe Stunde online ist, habe ich grade entdeckt, schau doch mal, irre!!!". Angekommen, wird direkt ein Gratis-Upgrade vom Standardzimmer zur Junior Suite ausgehandelt. Die verächtlichen Blicke des Hotelpersonals von Minute eins an - sei's drum.

Der weitere Aufenthalt erinnert an das Einüben der Grundrechenarten zu Schulzeiten. Der Sparfuchs grübelt, addiert, runzelt die Stirn, multipliziert und teilt, was das Zeug hält. Nur nicht übersehen, dass der Kurs in der Wechselstube am anderen Ende des Ortes 0,7 Cent günstiger ist! Wenn wir eine Familienpackung Saft für den Strand kaufen, wird sich dort der Geldmacher mit seinen sogenannten "frischen" Cocktails aber umschauen! "Und wir können ja am letzten Abend einmal schön essen gehen, das Frühstücksbuffet macht doch total satt für den Tag..."

Die einzig mögliche Gegenwehr: die Reisekasse sabotieren und kommentarlos alles selbst bezahlen, was man sich extra gönnen möchte. Dann die neidischen Blicke des Pfennigfuchsers genießen - bevor man ihn mal nippen oder abbeißen lässt. Man ist ja schließlich großzügig.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Abenteurer

Unterbewusst ist der Abenteurer davon überzeugt, dass ihm kein Härchen gekrümmt wird, schließlich ist er hier im Urlaub. Also denkt er sich nichts dabei, auch das Leben seiner Mitreisenden aufs Spiel zu setzen. Haben diese Glück, macht die Realität ebenfalls gerade Ferien und schlägt nicht mit voller Härte zu, wenn der Abenteurer ruft: "Sind das echte Gangster da vorn?" Und dank Selfiestange sich selbst, die Gang und deren Drogenübergabe dokumentiert.

Der Abenteurer und seine Begleiter tauchen immer wieder mal in den internationalen Meldungsspalten auf: Deutsches Urlauberpaar im Dschungel vermisst - Hostelbesitzer: "Ich habe ihnen gesagt, das ist keine Abkürzung." // Camper von Giftpfeilen gelähmt - Ethnologe: "Ich habe ihnen gesagt, dieser Stamm will nicht besucht werden" // Reisender prallt gegen Baum - Tarzan: "Ich habe ihm gesagt, die Liane ist zu kurz."

Wer einen Urlaub mit dem Abenteurer überleben will, muss auf rechtzeitige Ablenkung setzen: "Insel der Verdammten? Kennt doch jeder. Wie wäre es stattdessen mit einem Bad im Strudel der Hölle?" Dass der einzige, der im schönen Thermalbad Höllenqualen leiden wird, er selbst ist - das bekommt der Abenteurer noch früh genug mit.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Vorsichtige

Es kann so viel schiefgehen. Schon mal daran gedacht, was passiert, wenn die letzte Fähre auf die nächste Insel nicht wartet? Wenn das einzige Hotel im Ort so spontan kein Zimmer frei hat? Wenn wir mit dem Mietwagen falsch abbiegen und dann um Mitternacht im übelsten Scherbenviertel das Benzin ausgeht?

Solche Sorgen plagen den Vorsichtigen - er selbst nennt das Vernunft. Vermiesen will er den Urlaub niemandem, ganz im Gegenteil. Er will nur sichergehen, dass alles klappt. Dementsprechend ist sein bester Freund der Puffer ("Bist du nicht auch lieber ein paar Stunden früher am Flughafen, als zum Gate rennen zu müssen?") und sein Mantra "better safe than sorry". Entgegen aller Erwartungen geht nie etwas schief. Aber warum? Die Naiven sagen: Was sollte schon passieren? Der Vorsichtige weiß: Wir haben eben das Schicksal nicht herausgefordert!

Einen großen Pluspunkt gibt es immerhin. Über Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für den Vorsichtigen muss sich niemand den Kopf zerbrechen. Stiftung-Warentest-gepriesene Zahlenschlösser, ultraleichte Hüftbeutel für Dokumente und Geld, Reiseführer mit detaillierter Beschreibung der Sicherheitslage am Ziel, haltbare Bio-Snacks für Notfälle - die Auswahl ist wirklich unbegrenzt.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Der Leidende

Der beginnende Sonnenbrand schmerzt bereits beim Verlassen des Fliegers auf der Gangway. Dieser Reisegefährten hat sein Schicksal kommen sehen - ebenso wie die ungläubigen Beschwichtigungsversuche seiner elefantenhäutigen Begleiter. Denn Teil seines Martyriums namens Leben ist, dass niemand je nachfühlen kann, wie sehr hier gelitten wird. Halsweh, Kopfweh, Bauchweh, ganz zu schweigen von Rücken und Knie: Was der Gequälte schon daheim regelmäßig durchmacht, wird beim Verlassen der gewohnten Umgebung durch Kofferladungen neuer Beschwerden ergänzt.

Mückenstiche, leichter Durchfall, Schwindel und dreifarbiger Hautausschlag sind das Mindeste. Die hohe Kunst dieses Typus Reisepartner besteht aber darin, alle Anwesenden in seinen Körper hineinhorchen zu lassen. Wann enden die bekannten Schmerzen, wann zeigen sich erste Symptome einer tödlich verlaufenden Exoten-Krankheit? Diesen Moment gilt es auf keinen Fall zu übersehen. Also wird jede Veränderung im brüchigen Wohlbefinden detailgenau analysiert.

Gesunde Reisegefährten sind für den Geschundenen eine Provokation. Sofern sie nicht mit Engelsgeduld gesegnet sind, gibt es nur einen Ausweg: Sie müssen ihn übertrumpfen. Denn er zeigt erst in dem Moment seine liebenswerte Seite, in dem er einen Leidensgenossen trösten und mit seiner gesammelten Erfahrung pflegen kann. Zugegeben, eine recht radikale Lösung. Andere Gegenmittel sind der Forschung bislang aber nicht bekannt.

Aber genug geschimpft: Letztlich kann jeder auf seine Façon die idealen Ferien erleben. Deshalb sagen wir: "Macht doch Urlaub, wie ihr wollt!"

© SZ.de/kaeb/ihe/sks
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