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Istanbul:Nach 25 Jahren fällt der Airport an den Staat

Fünf große Baufirmen, die als regierungsnah gelten, bekamen den Zuschlag. Sie haben bislang offiziell 10,5 Milliarden Euro investiert, knapp sieben Milliarden waren geplant. Die Firmen bilden auch die Flughafengesellschaft IGA. Nach 25 Jahren fällt der Airport an den Staat. Bis dahin zahlt die IGA Miete, hat aber für zwölf Jahre eine Staatsgarantie für eine profitable Auslastung.

Dasselbe Modell gilt auch für andere türkische Großprojekte, hat sich aber bereits bei der dritten Istanbuler Brücke und dem Autotunnel unter dem Marmarameer als teuer für den Staat erwiesen. Von der Opposition wird es deshalb kritisiert. Beim neuen Flughafen sehen die Betreiber kein Risiko, dass der Staat draufzahlt. 90 Millionen Passagiere soll der zunächst pro Jahr abfertigen können. Nach dem für 2028 geplanten Vollausbau mit dann sechs Startbahnen sollen es 200 Millionen sein. Damit wäre das Prestigeprojekt von Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach heutigem Stand der größte Flughafen der Welt.

Von der Innenstadt kann die Fahrt eineinhalb Stunden dauern

Den Luftdrehkreuzen Dubai, London oder Frankfurt soll Istanbul schon vorher Konkurrenz machen. "Ein Monument des Sieges" nannte Erdoğan den Airport bei der Grundsteinlegung im Juni 2014. Der hat mit 7650 Hektar achtmal so viel Fläche wie der alte. Gebaut wurde in Rekordtempo. Hoch war auch die Unfallbilanz. 30 Todesfälle gab die Betreibergesellschaft zu, wies aber Berichte über Sicherheitsmängel am Bau zurück. Die Gewerkschaft zählte mehr Tote, sie beklagte auch hohen Zeitdruck und oft verspätete Bezahlung.

Erst 2020 soll die U-Bahn zum neuen Airport fertig sein, Busse übernehmen bis dahin die Anbindung. Von der Innenstadt kann die Fahrt eineinhalb Stunden dauern, Reisende müssen also mehr Zeit als bisher mitbringen. Auch im Flughafen sind die Wege weit, bis zu zwei Kilometer vom Check-in zum entferntesten Gate. Die IGA verspricht, dass dafür alle Kontrollen schneller ablaufen werden als in "Atatürk", wo es oft Megaschlangen gab.

Der Name des neuen Airports ist nur "Istanbul", Vorschläge aus der AKP, ihn nach Erdoğan zu benennen, wurden nicht erhört. Das IATA-Kürzel heißt IST, dasselbe trug der Atatürk Airport, der nun ISL heißt und noch eine Weile für Frachtflugzeuge und ein paar VIP-Maschinen geöffnet bleibt. Dann soll dort ein Park entstehen: Yeşilköy wird wieder grün.

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