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Namibia:"Man glaubt nicht, dass das alles Namibia ist"

Seitdem pendeln sie gemeinsam zwischen Swakopmund und dem Kaokoveld, ein-, zweimal im Monat, die Skelettküste 400 Kilometer Piste rauf und 400 runter, vorbei an gestrandeten Wracks und Robbenkolonien, zwischen Ostseegefühl und Kraal. "Man glaubt nicht, dass das alles Namibia ist", sagt Rodney, und Titus sagt: "Wie zwei verschiedene Sterne."

"Ein Ort, wo man zueinander kommt": die Wüstenlandschaft zwischen Damaraland und Kaokoveld. Dort lebt das Volk der Himba.

(Foto: mauritius images)

So ungleich sind die beiden selbst: Rodney, ein Bär von einem Mann, dichter Vollbart, lautes Lachen, Lederhut, immer ein Messer griffbereit, immer auf der Suche nach einem kalten "Tafel Lager" und nie, niemals Gemüse. Titus, still, schlank und elegant, einer, der behutsam Wort für Wort sucht, beinahe schüchtern, stets korrekt. Und doch ist über die Jahre zwischen beiden eine Männerfreundschaft gewachsen. "Die Liebe zur Wüste", sagt Rodney, "die verbindet uns."

Meist schlagen sie mit ihren Gästen Zelte auf, weitab der Piste, oft im trockenen Flussbett des Hoanib, da wo das Himba-Land beginnt, unter Mopanebäumen und alten Tamarinden. Morgens pirschen sie durchs harte, gelbe Gras, scannen Stein für Stein die Geometrie der weiten Landschaft, Geröllhalden und Tafelberge, mal sehen, was sich so sehen lässt. Zebras, Oryxantilopen und Giraffen muss man nicht lange suchen in der Namib, wer aber Löwen oder Wüstenelefanten erleben will, braucht schon ein wenig Glück.

Und für ein Nashorn braucht es Rodney oder Titus. Deshalb kommen ihre Gäste hierher an den Hoanib. Fast alle Spitzmaulnashörner Afrikas leben hinter Zaun in Nationalparks, hier aber gibt es noch genau 38 in völliger Freiheit. "Frei wie Rodney", sagt Rodney, der sie alle kennt.

Abends sitzen sie am Feuer unter dem Kreuz des Südens, Rodney grillt Boerewors und Entrecôte, rührt Maisbrei und hat endlich ein halb gefrorenes "Tafel Lager"-Bier in der Hand. Vor zwei Jahren haben ihn Kunden nach Deutschland eingeladen: Freising, sagten sie, das ist doch deine alte Heimat. Ein Spaß sei das gewesen, sagt Rodney, Weißwurst-Grillen unter Protest, Freibäder und - unglaublich - das viele Grün. "Von Heimat aber", sagt er, "habe ich da nichts gespürt."

Und dass er erleichtert war, als er wieder im Flieger saß nach Windhuk. Titus sammelt schweigend das dreckige Geschirr ein, er weiß, dass man nicht nach Freising fliegen muss, um sich so fremd zu fühlen wie in einer anderen Galaxie. Übermorgen wird er in seinem alten Kraal vorbeischauen, die Brüder sehen mit der Unterkieferlücke, dann geht es wieder südwärts in die Legostadt.

Die Webervögel in den Akazien sind jetzt still geworden. Ein Generator surrt. Und im Feuer zerreißt die Hitze krachend einen gewaltigen Scheit aus Mopaneholz, Funken stieben auseinander und steigen himmelwärts, ein Sternenschwarm Richtung Orion, am Mars vorbei.

Reiseinformationen

Anreise: Air Namibia fliegt von Frankfurt direkt nach Windhoek, Lufthansa und andere z. B. über Johannesburg (ca. 800 Euro). Man braucht kein Visum. Arrangement: Studiosus bietet eine 17-tägige Rundreise an, bei der auch ein Abstecher zu den Himba und ein Zeltcamp am Hoanib-Fluss Teil des Programms sind, ab 4245 Euro, www.studiosus.com

Beste Reisezeit: In unseren Sommermonaten ist im südlichen Afrika Winter. Die Temperaturen sind angenehm, die Nächte können aber vor allem in den Hochlagen und in der Wüste kalt werden. Die meisten Straßen Namibias sind Piste, Mietautos in der Regel Geländewagen. Linksverkehr!

Weitere Auskünfte: www.namibia-tourism.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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