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Radtouren im Odenwald:Kein Hokuspokus am Melibokus

Mountainbiker steht auf der Startrampe für Drachenflieger unterhalb des Melibokus und blickt auf die Rheinebene (Model r

Gleich abheben? Ein Mountainbiker steht auf der Startrampe für Drachenflieger unterhalb des Melibokus.

(Foto: U. J. Alexander/Imago)

Im Odenwald gibt es jede Menge verschiedenster Radtouren, auch fürs Mountainbike. Unterschätzen sollte man ihn aber nicht.

Von Matthias Drobinski

Verdammt, ein klarer Fall von Selbstüberschätzung! Der Weg von Frankfurt herüber war so einfach gewesen, vom Rückenwind getrieben durch die Ebene und über die ersten Hügel. Der gut 500 Meter hohe Berg da vorne sollte auch kein Problem sein. Der Mountainbike-Trail aber, der nach einer cleveren Abkürzung aussah, überfordert die Kombination aus bedingt geländetauglichem Gravel-Rad und derzeit nur mittelmäßig trainierten Beinen. Es geht über immer dickere Steinbrocken, und bald geht gar nichts mehr. Also: Schieben. Schon ein bisschen peinlich. Endlich das Sträßchen zum Gipfel, doch die Sache wird noch schlimmer: Eine Elektroradlerin schießt vorbei, sie grüßt freundlich. Herablassend? Oder ist da doch ein entschuldigender Unterton?

Der Gipfel jedenfalls entschädigt fürs Schieben und den Schweiß. Schon allein der geheimnisvolle Name des höchsten Berges der Bergstraße: Melibokus. Eine Zeitlang glaubten ein paar Gelehrte aus der Gegend, der griechische Geograph Ptolemäus habe, als er vom Μηλίβοκον, dem Mälibokon also, schrieb, ihren Berg gemeint, der bis dahin Malschen hieß. Es war ein Irrtum, aber viel zu schön, um falsch zu sein. Und so blieb der Name. Richtung Westen schaut man über die Rheinebene und zur pfälzischen Weinstraße, nach Osten übers Hügelmeer des Odenwaldes.

Wer sich noch ein bisschen quälen will, ein Mountainbike zur Hand hat und verspricht, Rücksicht aufs Wandervolk zu nehmen, kann nun den Burgensteig weiter fahren, oberhalb von Bensheim, Heppenheim und Weinheim, auf und ab, mit grandiosen Ausblicken bis zur Strahlenburg, wo die von Kleist aufgeschriebene Geschichte des Käthchens von Heilbronn gespielt haben könnte. Oder es gemütlich angehen lassen, den Melibokus hinunter sausen und dann unten entlang Richtung Heidelberg rollen, ein Weinchen auf dem wunderschönen Marktplatz von Heppenheim trinken und irgendwann in den Zug steigen.

Es gibt kaum eine Region in Deutschland, die so viele unterschiedliche Touren bereithält wie die Hügellandschaft zwischen Darmstadt, Heidelberg und Aschaffenburg. Man kann gemütlich die Flüsse entlang fahren, die den Odenwald begrenzen, auf dem bestens ausgebauten Mainradweg, wo die Berge immer näher an den Fluss rücken, durchs malerische Miltenberg. Oder ab Heidelberg den Neckar hinauf nach Mosbach, immer genau so viele Kilometer, wie es Freude macht. Übernachtungsmöglichkeiten und Bahnhöfe gibt es quasi überall. Oder man gibt sich knackige Touren, die Alpenetappen nicht nachstehen. Von Babenhausen im Norden nach Hirschhorn im Süden sind es auf 85 Kilometern noch freundliche 800 Höhenmeter; auf der Rundtour von Bensheim über Fürth, Waldmichelbach und Lindenfels muss man auf knapp 90 Kilometern fast 1700 Höhenmeter hinauf.

Man darf ihn nicht unterschätzen, den Odenwald. Gerade im Westen gibt es scharfe Anstiege auf zugige Kuppen und rasante Abfahrten in enge Täler. Die Königsrundfahrt sind die 212 Kilometer der Drei-Länder-Tour durch den hessischen, baden-württembergischen und bayerischen Odenwald. Mit ausreichendem Ehrgeiz schafft man die in zwei Tagen, mit ausreichend Gelassenheit nimmt man sich fünf und genießt die großartige Landschaft, die man sich nie mit Menschenmassen teilen muss.

Touren unter: bergstrasse-odenwald.de oder tg-odenwald.de

© SZ/ihe/haag
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