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Lagerhäuser 5Pointz in Queens:Graffiti-Sehenswürdigkeit in New York zerstört

Als Graffiti-Künstler Banksy New York vor kurzem verließ, forderte er noch: "Rettet 5Pointz!" Nun schuf der Inhaber des Graffiti-Zentrums Tatsachen: Er ließ die Kunstwerke übermalen.

Von Katja Schnitzler

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Lagerhauskomplex ´5 Pointz"

Quelle: dpa

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Als Graffiti-Künstler Banksy New York verließ, forderte er noch: "Rettet 5Pointz!" Nun schuf der Inhaber des berühmten Graffiti-Zentrums in Queens Tatsachen: Er ließ die Kunstwerke übermalen.

Wenn Sie dieses Foto betrachten, was sehen Sie da? Einen Lagerhauskomplex mit bemalten Wänden? Das ist korrekt, wenn man nur die Fakten sieht. Weiß man, dass hier seit den 1990er Jahren Künstler aus aller Welt Graffiti auf die Gebäude gesprayt haben, ist klar: Das ist Kunst. Manche halten die Lagerhäuser auf Long Island City in Queens, New York, sogar für das weltgrößte Museum für Graffiti-Kunst. Es tauchte schon in Kinofilmen (zum Beispiel "Now you see me/Die Unfassbaren, 2013), Musikvideos und Serien auf.

Doch die Tage von "5Pointz", wie dieser Ort genannt wird, sind gezählt. Obwohl der prominenteste Graffiti-Sprayer Banksy in seinem letzten Statement vor der Abreise aus New York noch dazu aufgerufen hatte, "rettet 5 Pointz", zerstörte der Eigentümer nun die Kunstwerke, die er mehr als zwei Jahrzehnte lang erlaubt hatte: In einer Nachtaktion ließ er die Bilder weiß übermalen.

5Pointz Graffiti-Zentrum in New York übermalt

Quelle: AFP

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Die Künstler sind schockiert: "5Pointz ist weg, vom Eigentümer in einer Nachtaktion übermalt ... unter Polizeischutz", heißt es auf ihrem Twitter-Account 5PointzNYC und: "Heute wurde das größte Verbrechen an der Kunst begangen, von Jerry Wolkoff." Während die Künstler noch immer auf ihrer Homepage zum Unterzeichnen der Petition aufrufen, damit 5Pointz zur offiziellen New Yorker Sehenswürdigkeit ernannt wird, schuf Eigentümer Wolkoff Fakten. "Ich wollte nicht, dass die Künstler zusehen müssen, wie ihre Werke Stück für Stück abgerissen werden - das wäre Folter gewesen", erklärte er der New York Times. Da ließ er die Wände lieber in einer einzigen Nacht übertünchen. Die Künstlerseelen wird das kaum weniger schmerzen. Auf jeden Fall stirbt mit dem Übermalen die letzte Hoffnung auf Rettung der inoffiziellen Attraktion, die auch Teil von Touristen-Touren war.

Lagerhauskomplex ´5 Pointz"

Quelle: dpa

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Der Street-Art-Experte und Autor von "Graffiti New York", Eric Felisbret, sagte der NYT, dass es natürlich auch andere legale Spraymöglichkeiten in der Metropole gebe - doch nirgends eine so große und international bekannte wie 5Pointz: "Dass sie die Kunst jetzt noch vor den Gebäuden zerstört haben, ist eine heftige Ohrfeige", meint Felisbret.

5Pointz Graffiti in Queens New York

Quelle: AFP

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Der Eigentümer Jerry Wolkoff hatte die Gebäude vor 40 Jahren gekauft und Anfang der 1990er-Jahre günstige Ateliers an Künstler vermietet. Zu dieser Zeit erlaubte er auch erstmals Graffiti-Sprayern, die Außenwände als Leinwände zu benutzen und gab ihnen immer mehr Raum.

Lagerhauskomplex ´5 Pointz" - Athony Capobianco

Quelle: dpa

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Im Jahr 2002 übernahm das Projekt einer der Künstler, Jonathan Cohen alias Meres One, und wurde sein Kurator. Er taufte es 5Pointz Aerosol Art Center. Die New York Times schreibt: "Mit den ständig wechselnden Werken internationaler Künstler war es, als betrete man in 5Pointz einen grellen Fiebertraum". Aus diesem Traum gab es ein heftiges Erwachen, als der Eigentümer ankündigte, den Komplex niederzureißen und Luxus-Wohntürme zu bauen - und ihm ein Richter in diesem Sommer bestätigte, dass er das Recht dazu hat.

Im Bild: Graffiti-Künstler Athony Capobianco arbeitet im August 2013 an einem Graffito an einer Wand des Lagerhauskomplex 5Pointz

New York Graffiti Zentrum 5Pointz

Quelle: AFP

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Der Sohn des Eigentümers, David Wolkoff, versteht die Trauer und Wut der Künstler nicht: "Nachdem wir ihnen fast zwei Jahrzehnte erlaubt haben, sich hier frei zu entfalten, ist es eine Schande, dass sie uns nicht unser Werk machen lassen", sagte er den New York Daily News. Überhaupt sollten die Graffiti-Sprayer nicht gänzlich vertrieben werden: Auch an den neuen Gebäuden dürften sie wieder Flächen gestalten.

New York Graffiti-Zentrum 5Pointz

Quelle: AFP

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Doch darauf wollen die Künstler nicht warten: Sie treffen sich zu Trauerbekundungen, trösten schockierte Fremdenführer, die mit ihren ratlosen Städtereisenden vor leeren Wänden stehen - und nutzen diese gleich wieder als Leinwand: So fließen auf diesem Bild Tränen aus weißer Farbe, ...

New York Graffiti Zentrum 5Pointz

Quelle: AFP

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... und dieses Graffiti macht klar, dass die Künstler nicht leise von ihrer berühmten Bühne abtreten wollen: Statt "rest in peace" wünschen sie sich für 5Pointz lieber "rest in power".

© SZ.de/cag
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