Kuba Fünf-Sterne-Luxus gibt es nur für Urlauber

Für Touristen ist gesorgt: Pool der Dachterrasse eines Fünfsternehotels in der Altstadt von Havanna.

(Foto: Cathrin Bach/Imago)

Der Tourismus in Kuba boomt - und schon jetzt wird für noch mehr Gäste gebaut. An der Armut der Bevölkerung ändert das wenig.

Von Martina Scherf

Die Kaltfront war seit Tagen angekündigt, jetzt ist sie da. Der Himmel unwirklich stahlblau, das dunkle Meer wild und aufgepeitscht, als wolle es den Menschen mal wieder deutlich machen, wie klein sie in Wahrheit doch sind. Meterhoch branden die Wellen gegen die Mauern des Malecón. Ein paar Kinder machen sich einen Spaß daraus, sich von der Gischt nass spritzen zu lassen. Sonst steht alles still, kein Verkehr auf der Uferstraße, keine Musik, keine turtelnden Liebespaare auf der Mauer. Nur das Tosen des Ozeans.

Die "Frente frío" kommt wie immer von Norden. Wenn in Texas Schnee fällt, bekommen die Kubaner Schnupfen, heißt es. Doch so ein Temperatursturz ist in wenigen Tagen vorüber. In der politischen Großwetterlage zwischen den USA und ihrem kleinen Nachbarn herrscht nach wie vor Eiszeit. Vorbei der zarte Frühling, der sich mit Präsident Obamas Besuch in Havanna vor drei Jahren angedeutet hatte.

"Nervig, dieser Wind", klagt Milly Cabañas. Sie zieht ihren Schal über die Schultern und blickt fragend zum Horizont, als wollte sie sagen: Wann kommen wieder bessere Tage? Den Vorschlag, lieber auf ein Getränk in die Stadt zu gehen, nimmt die 50 Jahre alte ehemalige Lehrerin dankend an. Cabañas vermietet Zimmer im wohlhabenderen Viertel Vedado, sie findet selten Zeit für einen Stadtbummel. Aber heute hat sie sich freigenommen. Also Richtung Paseo del Prado, Havannas Prachtboulevard, der vom Meer zur Altstadt hinaufführt. Mit seinen barocken Fassaden, schmiedeeisernen Balkonen und dem Marmorboden strahlt der Prado noch immer den Charme aus, der einst die Ramblas in Barcelona prägte, bevor dort Fast Food und Kommerz einzogen. Familien schlendern in den Feierabend, Inlineskater drehen ihre waghalsigen Runden, ältere Damen lassen sich auf den Bänken zu einem Plausch nieder. Kunsthandwerker verkaufen ihre Waren.

Der Tourismus in Kuba boomt. Mehr als 4,6 Millionen Übernachtungen verzeichnete das Land 2017, dazu fast eine halbe Million Kreuzfahrttouristen. Eine Tui-Sprecherin sagt, Kuba sei aktuell die beliebteste Rundreisedestination deutscher Gäste. US-Amerikaner dürfen allerdings nur mit Sondergenehmigung - oder an Bord eines Kreuzfahrtschiffes - nach Kuba reisen. Obama hatte die Bestimmungen gelockert, ein paar Monate lang gab es sogar Direktflüge. Doch Donald Trump, kaum im Amt, drehte das Rad zurück - gerade hat er das seit 60 Jahren bestehende Wirtschaftsembargo sogar noch verschärft.

Und so bleibt erst einmal alles, wie es war. Aber gerade dafür lieben ja vor allem Europäer und Kanadier die Tropeninsel - weil sie so anders ist, so romantisch der Zeit entrückt. Reiseveranstalter werben mit dem "morbiden Charme Havannas" und der "fröhlichen Mentalität der Kubaner". Anbieter von Alternativreisen setzen eher auf die Bildung der Kubaner, organisieren Treffen mit Kaffeebauern oder Naturschützern. Der Revolutionsmythos zieht immer - man kann sogar eine Motorradtour mit einem Sohn von Che Guevara buchen. Ein sicheres Reiseland ist Kuba außerdem.

Reisequiz Was wissen Sie wirklich über Kuba?
Quiz
Reisequiz der Woche

Was wissen Sie wirklich über Kuba?

Welcher legendäre Gast hatte in Havanna sein Stammlokal? Und welche Unterhaltung gibt es beim Rollen der berühmten Zigarren? Testen Sie sich auf die Schnelle in sieben Fragen.

Eines Tages aber werden sie kommen, die Amerikaner, in Massen, und sie werden viel Geld mitbringen. Für diese Zukunft wird jetzt gebaut. Der neue Staatschef Miguel Díaz Canel, seit einem Jahr im Amt, setzt ganz auf den Tourismus und folgt damit dem Kurs seines Vorgängers Raúl Castro. Im bislang unberührten Westen der Insel soll ein Golfresort entstehen, mit mehr als 1700 Bungalows und einem Yachthafen. Auch im Badeort Varadero mit seinen weißen Stränden, in der Weltkulturerbestadt Trinidad mit ihrer Kolonialarchitektur und anderswo im Land sind Luxushotels geplant. Das Kreuzfahrtterminal in Havanna soll erweitert werden, und am Prado entsteht gerade das dritte Fünfsternehotel der Stadt, zehn Stockwerke, 250 Zimmer. Der französische Accor-Konzern baut es mit dem kubanischen Staat.

Nur wenige Meter von der Baustelle entfernt türmt sich der Schutt eines zusammengefallenen Wohnhauses. Seit Jahren liegt es so da. Es scheint, als hätten sich die Bewohner der Stadt in stiller Verzweiflung an die Ruinen gewöhnt. "Denk nicht drüber nach, es macht dich nur verrückt", sagt Cabañas und steuert das Hotel Packard ein paar Blocks weiter an. Ebenfalls fünf Sterne, vor Kurzem vom spanischen Iberostar-Konzern eröffnet. Im gläsernen Lift geht es in die sechste Etage. Von der Bar am Pool reicht der Blick über die Hafeneinfahrt bis zur Festung El Morro auf der anderen Seite. Ein Kreuzfahrtschiff schiebt sich durchs Bild, da kommt der Kellner: Daiquirí, bitte.