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Kreuzfahrten für Heavy-Metal-Fans:Flipflops statt Bikerstiefel

Fans Andy Piller Kreuzfahrt "70.000 Tons of Metal"

"Die Nordsee ist eben nicht die Karibik", sagt Musikmanager und Veranstalter Andy Piller.

(Foto: Marc Hansen, Michael Jagla)

"70.000 Tons of Metal" ist eben die Luxusvariante des Festivals. Und die Gäste sind ebenfalls treu: Fast ein Viertel hat alle drei bisherigen Kreuzfahrten mitgemacht, mehr als die Hälfte ist zumindest zum zweiten Mal dabei. Kein ganz billiges Vergnügen: 666 Dollar - die symbolische Heavy-Metal-Zahl des Bösen -, kostet die günstigste Innenkabine, plus Gebühren und Fluganreise. Der Großteil der 2000 Gäste kommt aus Deutschland, Kanada und den USA. Aber auch Ukrainer, Inder, Saudis und Koreaner sind dabei. Für die Fahrt nehmen die meisten ihren Jahresurlaub. Die Frauen werden dabei gern zu Hause gelassen - fast 70 Prozent der Fans auf dem Schiff sind Männer.

Mittwoch ist Landtag. Die 13-stöckige Majesty of the Seas macht in Cockburn Town auf Grand Turk fest, einer winzigen Insel nordöstlich von Kuba. Königspalmen wiegen sich im leichten Wind, das Wasser ist warm, klar und türkisfarben, der Strand weiß, Bougainvillea-Blüten bilden einen hübschen Kontrast zum blauen Himmel. Es dauert keine halbe Stunde, bis einer der Kreuzfahrer dem Barmann der Strandbar seinen MP3-Player in die Hand gedrückt hat und das Inselparadies statt mit säuselnden Calypso- und Reggae-Klängen mit Metal beschallt wird. Der Strandverkäufer reagiert sofort: "Ihr Jungs scheint schwarz zu mögen. Nur heute: zehn Prozent auf alle schwarzen T-Shirts."

Bands und Fans verbringen den Tag ganz ähnlich: Die Musiker von Sinister stehen im Wasser, Rage-Leute liegen faul unter Palmen, Doro Pesch tauscht Bikerstiefel gegen neue Flipflops, Lizzy Borden findet man an der Bar. Das ist auch ein Phänomen des Metalschiffs: Die große Inszenierung wird nicht aufrecht erhalten. Die Musiker, die sich auf der Bühne mit Kunstblut einschmieren, als Wikinger oder Vampire herumtoben, sind eben auch nur normale Menschen, die genauso Sonnenbrand kriegen wie der Rest. Ausgerechnet ein Luxus-Kreuzfahrtschiff zeigt also die Idee von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - auch wenn die einen deutlich größere Kabinen haben, und das sogar mit Fenster.

Um 16 Uhr geht es zurück auf die Majesty of the Seas, eine halbe Stunde später beginnen bereits wieder die ersten Konzerte. Abends steht Doro Pesch auf der Bühne am Pool, ihre anfängliche Seekrankheit hat sie jetzt am dritten und vorletzten Tag überwunden. Sie singt ihre Hits, auch deutsche Songs wie "Für immer". Seit 30 Jahren hat sie Erfolg als Sängerin, das hier ist allerdings neu für sie: "Der Spaßfaktor auf dem Schiff ist schon enorm, weil es so außergewöhnlich ist. Man spielt auf so vielen Festivals - aber auf dem '70.000 Tons of Metal' vielleicht nur einmal im Leben."

Doch sie hat Blut geleckt: Im Mai wird sie auf der "Full Metal Cruise" des Wacken-Festivals auftreten. Von Hamburg aus geht es nach Southampton, Le Havre und Amsterdam. Hoffentlich dann mit guten Tabletten gegen die Seekrankheit.

SZ Grafik Kreuzfahrt Heavy Metal

SZ Grafik Kreuzfahrt Heavy Metal

(Foto: SZ Grafik)

Informationen

Anreise: Mit Air Berlin ab/bis Düsseldorf nach Miami ab 580 Euro, www.airberlin.com

Unterkunft in Miami: Clifton Hotel South Beach, Doppelzimmer ab umgerechnet etwa 100 Euro, www.cliftonsouthbeach.com

Kreuzfahrt: 27. vom 31. Januar 2014 ab Port of Miami, Preise pro Person ab umgerechnet ca. 510 Euro plus Gebühren in der Vierer-Innenkabine bis 1900 Euro in der Grande Suite mit Balkon, www.70000tonsofmetal.com, Veranstalter: Ultimate Music Cruises Inc. Vancouver, Kanada, www.umcruises.com, Tel.: 001/604/2988667