bedeckt München 15°
vgwortpixel

Galapagos-Inseln:Einbruch im Paradies

Ungerührt und furchtlos lässt die Tierwelt des Insel-Archipels den stetig steigenden Touristenstrom an sich vorüberziehen.

Jeder Zweite an Bord des Ausflugsbootes hat bereits Pillen gegen Seekrankheit geschluckt. Nach zwei Stunden Auf und Ab erreicht das Boot endlich die kleine Galápagos-Insel Bartolomé.

Ecuador

Die Galapagos-Inseln

Die Touristen staksen an Land und vergessen angesichts der dösenden und grunzenden Seelöwen mitten auf dem Weg ganz schnell ihre Übelkeit. Die Tiere denken gar nicht daran, den Fremden Platz zu machen.

Neben den Seelöwen hocken fast starrsinnig Meeresechsen auf dem dunklen Basalt. Die Mini-Drachen lassen sich die Äquatorsonne auf ihre Stachelhaut brennen. Dass die meisten Tiere auf den Galápagos-Inseln keine Scheu vor Menschen haben, liegt am Mangel an natürlichen Feinden. Ihre Zutraulichkeit fasziniert viele Besucher.

Doch die steigende Gästezahl belastet die Inseln auch: Kamen Anfang der achtziger Jahre erst etwa 10 000 Besucher jährlich, so sind es heute mehr als 100 000. Der boomende Tourismus und der vergleichsweise hohe Lebensstandard üben zudem eine Sogwirkung auf Festland-Ecuadorianer aus. In Puerto Ayora auf der Hauptinsel Santa Cruz leben inzwischen mehr als 10 000 Menschen.

Rund 90 Hotelschiffe mit 1100 Betten besitzen die Lizenz, um zwischen den Inseln hin- und herzuschippern. Nur wenige Schiffe sind so groß, dass auf ihnen mehr als 50 Gäste Platz finden. Viele Boote sind trotz saftiger Preise lange im Voraus ausgebucht - selbst in den Schlechtwettermonaten von August bis Oktober scheuen europäische und amerikanische Touristen weder hohen Seegang noch Nieselregen.

Kein Fall für Billig-Urlauber

Auf Santa Cruz entstanden als Alternative zu den Hotelschiffen mehrere Vier-Sterne-Hotels, von denen aus die Gäste mit Yachten zu Tagestouren starten. Rucksacktouristen finden in Puerto Ayora auch preiswerte Hotels. Insgesamt gibt es 1200 Hotelbetten auf Galápagos. Tages- und Mehrtagesausflüge lassen sich individuell und vergleichsweise günstig bei den kleinen Reisebüros im Ort buchen.

Für Billigurlaub taugen die Galápagos-Inseln aber auf keinen Fall: Allein der Flug vom Festland auf die Inseln und zurück kostet rund 330 US-Dollar (rund 270 Euro). Wer den Archipel betreten will, muss 100 Dollar (rund 80 Euro) als Eintritt für den Nationalpark Galápagos zahlen. 40 Dollar des auf den ersten Blick happigen Betrag dienen zur Erhaltung der einzigartigen Natur. Bei den Schutzprojekten handelt es sich vor allem um den Feldzug gegen einst eingeschleppte Ziegen, Ratten und Schweine, die die einheimische Flora und Fauna bedrohen.

Ruhephasen für sensible Orte

Alle kleinen Inseln werden von Biologen der Charles-Darwin-Station regelmäßig kontrolliert. Mit einem ausgeklügelten System von Absprachen und Vorgaben werden Besucherströme und Hotelschiffe so gelenkt, dass Orte mit sensiblen Arten auch Ruhephasen haben. Ohne Nationalpark-Ranger betritt ohnehin kein Tourist eine der geschützten Inseln. Die Führer wachen mit Argusaugen, dass sich die Besucher an die strengen Regeln halten. Nichts darf gepflückt oder mitgenommen werden. Kurze Holzpflöcke, im Abstand von etwa zwei Metern in den Boden gerammt, markieren die erlaubten Wege. Wer versucht, sich außerhalb dieser Grenzen zu bewegen, wird sofort zurückgepfiffen.

Informationen: Ecuadorianische Zentrale für Tourismus, Robert-Bosch-Straße 28, 63225 Langen (Kostenloses Tel.: 00800/59 30 05 93, Fax: 06103/833 56 70).