Deutsche Bahn In vier Stunden von München nach Berlin

Ein ICE auf der Berliner Ringstrecke.

(Foto: John Macdougall/AFP)
  • ​Die größte und schwierigste Bahnbaustelle Deutschlands ist nach 25 Jahren fertiggestellt.
  • An diesem Mittwoch fließt erstmals Strom durch die Oberleitungen der Trasse, die den Verkehr zwischen Berlin und München revolutionieren soll.
Von Michael Bauchmüller

Für Freunde der gepflegten Entschleunigung ist eine Zugfahrt von München nach Berlin ein wahrer Genuss. Wenn die ICE-Züge wegen Baustellen nicht gerade umgeleitet werden, dann gondeln sie kilometerlang durchs Idyll des Saaletals, von Hochgeschwindigkeit keine Spur. Wer dieses Highlight des Bahntourismus noch einmal erleben will, der sollte die Tickets aber bald buchen. Denn bald ist Schluss mit langsam.

An diesem Mittwoch legen die Netzwerker bei der Bahn den Schalter um. Dann fließt erstmals Strom durch die Oberleitungen jener Trasse, die den Verkehr zwischen Berlin und München revolutionieren soll. Quer durch den Thüringer Wald führt die Strecke, von Erfurt bis ins oberfränkische Ebensfeld. Sie quert 29 Talbrücken und 22 Tunnel, der längste davon mehr als acht Kilometer lang. Die größte und schwierigste Bahnbaustelle Deutschlands - sie ist fertig.

Nach 25 Jahren Vorgeschichte ist das allerdings auch mal Zeit. 1991 wurde die neue Bahnverbindung beschlossen, unter den "Verkehrsprojekten Deutsche Einheit" erhielt sie die Nummer acht. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten, bis zur Jahrtausendwende sollten die Züge rollen. Aber schon damals war das Milliardenprojekt umstritten. Gerade weil es so aufwendig den Thüringer Wald durchquerte, galt es als unsinnig teuer.

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"Das autonome Fahren auf der Straße ist für uns hoch interessant", sagt der Konzernchef. Für die Zukunft der Deutschen Bahn hat Grube ehrgeizige Pläne.

"Das wird den Flugverkehr auf dieser Strecke marginalisieren"

1999 unterbrach die rot-grüne Bundesregierung das Projekt, begonnene Brücken wurden zu Bauruinen. Erst 2006 ging es weiter. Wenn in den nächsten Monaten letzte Arbeiten gemacht sind, wird die Strecke zehn Milliarden Euro gekostet haben - mehr als doppelt so viel wie gedacht.

Dafür aber wird sich auch einiges ändern zwischen der heimlichen und der echten Hauptstadt Deutschlands. Statt mehr als sechs Stunden samt Saaletal brauchen Reisende nur noch gut vier Stunden von Berlin nach München - mit bis zu 300 Sachen. Dreimal täglich soll ein Sprinter die vier Stunden noch unterbieten. "Das wird den Flugverkehr auf dieser Strecke marginalisieren", glaubt Dirk Flege, Chef der bahnfreundlichen Allianz pro Schiene. "Da beginnt eine neue Ära."

Davor bleibt noch eine Menge zu tun

Die beginnt auch in den Führerständen der ICE-Loks. Als erste Strecke überhaupt ist die Strecke komplett mit dem europäischen Signalsystem ETCS ausgestattet. Signale entlang der Strecke gibt es nicht mehr, Haltesignale und Tempolimits kommen per Funk. Es ist die Vorstufe zum autonomen Fahren.

Davor allerdings bleibt noch eine Menge zu tun. In den letzten Wochen wurde die neue Strecke mit der bestehenden Trasse Richtung Bamberg und Nürnberg verbunden. Damit sich ICEs und Nahverkehrszüge nicht in die Quere kommen, muss aber diese alte Strecke noch viergleisig werden, was an einer engen Stelle auch die Verlegung des Mains verlangt. Wenn die Bahn im Dezember 2017 den Fahrplan wechselt, soll die neue Strecke drin sein, inklusive besserer Anschlusszüge in die Bahnhöfe entlang der Strecke.

Zunächst aber geht es ganz langsam weiter, auch auf der neuen Strecke. Bald prüfen "Hochtastzüge" die 107 Kilometer durch den Thüringer Wald: erst ganz langsam, dann immer schneller. Am Ende wird die Gegend in weniger als 30 Minuten vorbeisausen. Davon zehn Minuten im Tunnel.

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