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Deutsche Bahn:Bahnchef Grube will auf selbstfahrende Autos setzen

Zentrale von DB Schenker - Rüdiger Grube

Bahnchef Rüdiger Grube will in Zukunft auch auf autonomes Fahren setzen.

(Foto: dpa)
  • Deutsche Bahn-CEO Rüdiger Grube will in Zukunft auf Flotten von selbstfahrenden Autos setzen, die seine Kunden zum nächsten Bahnhof fahren.
  • Für 2016 hat Grube einen neuen Passagierrekord im Fernverkehr angekündigt.

Grube begreift Deutsche Bahn als Mobilitätsanbieter

Rüdiger Grube sieht für sein Unternehmen großes Potential in selbstfahrenden Autos. Der Vorstandsvorsitzende wünsche sich, dass die Deutsche Bahn eines Tages eine Flotte von Wagen mit Autopilot betreibt, welche die Kunden bequem zum nächsten Bahnhof bringen. "Je leichter ich dorthin komme, desto attraktiver wird der Zugverkehr", sagte Grube der Bild am Sonntag. Ohnehin begreife er die Deutsche Bahn nicht als Eisenbahnunternehmen, sondern als Mobilitätsanbieter.

Längere Fußwege zur nächsten Bushaltestelle oder zum Bahnhof könnten für die Kunden der Bahn eines Tages nicht mehr notwendig sein. "Wir werden unseren Kunden künftig Angebote von Haustür zu Haustür machen: Call a bike, Car to go oder Taxi, Bahnfahrt, Bus", kündigte Grube an. Es werde in Zukunft eine App geben, mit der man alles buchen könne. Wann der Bahnchef seine ehrgeizigen Zukunftspläne umsetzen kann, ist allerdings völlig unklar. Fest steht: Momentan gibt es noch keine marktreifen, selbstfahrenden Autos. Selbst Vorreiter wie Tesla bieten Fahrzeuge mit Autopiloten derzeit nur in einer nicht ausgereiften Beta-Version an.

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Deutsche Bahn soll pünktlicher werden

Grube bemühte sich im Interview der Bild am Sonntag, die aktuelle Situation der Deutschen Bahn in ein möglichst positives Licht zu rücken. Für 2016 kündigte er einen Passagierrekord im Fernverkehr an. Von Januar bis Ende Mai habe es einen Anstieg der Kunden um mehr als zehn Prozent auf 54,7 Millionen gegeben. "So viele Menschen sind noch nie mit ICE und IC gefahren." Die Bahn werde 2016 den bisherigen Passagierrekord im Fernverkehr von 132 Millionen Reisenden nochmals übertreffen. Ziel sei es, "bis 2030 auf 180 Millionen Fahrgäste jährlich zu kommen".

2016 will die Bahn wieder Gewinne einfahren. Das schlechte Ergebnis aus dem Vorjahr rechtfertigt Grube in der Bild am Sonntag wie folgt: "2015 war ein außergewöhnliches Jahr. Wegen des Lokführer-Streiks und wegen Abschreibungen waren wir im vergangenen Jahr im Minus. 2016 erwarten wir wieder schwarze Zahlen. Das operative Ergebnis (Ebit) werden wir trotz eines herausfordernden Umfelds steigern."

Über das unter Bahnreisenden am häufigsten diskutierte Thema Pünktlichkeit sagte Grube: "Unser Ziel ist ehrgeizig, aber eindeutig: In diesem Jahr müssen mindestens 80 Prozent aller Fernzüge pünktlich sein, mittelfristig sogar 85 Prozent." Grund für die derzeitige Unpünktlichkeit seien die vielen Baustellen. "Wir verbauen in den kommenden fünf Jahren 35 Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als in der Vergangenheit. Das macht die Bahn zwar auf Dauer attraktiver, führt kurz- und mittelfristig aber zu mehr Verspätungen."