"Costa Concordia" vor Giglio:Jeder Tropfen Öl bedroht Existenzen

Oben an der Burg bittet Elizabeth Nanni in ihre gemütliche Behausung im Inneren der Festung. Nanni ist Vizepräsidentin von Pro Loco, dem kleinen Tourismusbüro der Insel. Sie wirft gerade Frittelle, Taler aus Mehl, Kichererbsen und Fenchelsamen, ins Bratfett. Auch Nanni kam in der Nacht des Unglücks in den Hafen und verteilte im Büro von Pro Loco heißen Tee und Decken, als Halbamerikanerin waren ihre Englischkenntnisse vielen der 4200 Passagieren eine Hilfe.

File photo of the Costa Concordia cruise ship on its side, half-submerged and threatening to slide into deeper waters

Am 13. Januar havarierte die Costa Concordia vor der Insel Giglio.

(Foto: Reuters)

"Unser Leben hat sich von einer auf die andere Nacht geändert", sagt sie. In dieser Nacht, in der Kapitän Francesco Schettino das Schiff zu nahe an die Küste steuerte, geriet die kleine, bislang kaum bekannte Mittelmeerinsel in den Fokus des Weltgeschehens.

Seither kann jede Nachricht vom Wrack Panik und Existenzängste bei der Inselbevölkerung auslösen. Erst hieß es, dass die Costa versinkt. Dann, dass Schweröl ins Meer gelangt und Teile des Naturschutzgebiets, zu dem Giglio und die anderen Inseln des Monte Argentario gehören, verseucht würden. Neuigkeiten und Gerüchte haben auf Giglio heute ein anderes Gewicht als vor der Katastrophe.

Deshalb geht Elizabeth Nanni wie die meisten Insulaner zu den wöchentlichen Informationsabenden des Zivilschutzes ins Hotel Bahamas im Hafen. Die Bewohner hören dann gebannt Franco Gabrielli zu, dem Chef des italienischen Zivilschutzes, der als Kontrollbehörde die Rettungsarbeiten koordiniert. Giglio lebt vom Tourismus, und jeder ausgelaufene Tropfen Öl bedroht die Existenz von Hoteliers, Restaurantbesitzern, Taxifahrern und Tauchlehrern.

Gabrielli und die Arbeiter der Bergungsteams sind deshalb zu einer Art Lebensversicherung der Inselbewohner geworden. Machen sie keinen Fehler, kommt Giglio vielleicht glimpflich davon.

Wer in diesem Frühjahr auf die Insel übersetzt, der reist wegen der Tragödie an: Außer Schaulustigen sind das Journalisten und Bergungskräfte einer holländischen Spezialfirma in orangenen Overalls, die von den Wirtinnen der Bars und Restaurants im Hafen wie Familienmitglieder behandelt werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB