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Coronavirus:Was die Infektionen in Italien für Reisende bedeuten

Während in Deutschland Patienten gesund aus dem Krankenhaus entlassen werden, riegelt Italien Gegenden ab. Die Ansteckungsgefahr ist dennoch gering.

Bisher schien die Seuche hauptsächlich China und seine asiatischen Nachbarn zu betreffen. Jetzt schränken die Infektionen mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 zunehmend auch das Leben in Europa ein. Mit Beginn der Winterferien in ganz Süddeutschland und Karnevalsfeiern an vielen Orten wird die Verunsicherung größer. Wie gefährlich ist das Virus tatsächlich? Was ist bei Reisen nach Südtirol oder andere Regionen Italiens zu beachten?

Während in Deutschland bereits sieben der infizierten Patienten wieder gesund aus der Klinik Schwabing in München entlassen wurden und es den dort verbliebenen weiter gut geht, riegelt Italien - ähnlich wie China - Gegenden ab. Österreich stellte sogar den Zugverkehr über den Brenner kurzzeitig ein. Für Reisende, die sich trotzdem in der Nähe der Quarantäne-Gebiete aufhalten oder deren Routen durch die Region führen, ist die Infektionsgefahr indes vermutlich gering. Das liegt zum einen an der geringen Wahrscheinlichkeit, unter den etwa 40 Millionen Menschen, die in Norditalien leben, auf jemanden zu treffen, der sich mit dem Coronavirus angesteckt hat. Selbst wenn die Dunkelziffer um den Faktor zehn höher liegen sollte und sich 1000 Menschen infiziert hätten, wäre das Risiko klein.

Zur Prävention besteht der beste Schutz nach wie vor darin, sich an die "Husten- und Nies-Etikette, gute Händehygiene sowie ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten" zu halten, wie es das Robert Koch-Institut angesichts der Corona-Bedrohung rät. Diese Empfehlungen sind während der noch nicht beendeten Grippesaison allerdings sowieso zu beachten.

Unklar ist, warum die Krankheit mal milde, mal bedrohlich verläuft

Viren sind klein, aber gemein - zumindest manche von ihnen. Tückisch am neuen Coronavirus ist vor allem, dass die Ansteckung wie auch die Ausprägung der Symptome so unberechenbar sind. Am Freitag ist im renommierten Fachmagazin Jama ein Bericht über eine 20-jährige Chinesin aus Wuhan erschienen, die weder Fieber noch andere Beschwerden hatte, aber im Januar dennoch fünf Verwandte im Alter zwischen 42 und 57 Jahren angesteckt hatte, die nicht in der epidemischen Krisenregion, sondern fast 700 Kilometer entfernt lebten. Die Überträgerin selbst blieb also völlig symptomfrei, zeigte keine Auffälligkeiten bei der Computertomografie ihrer Lungen, hatte keine erhöhten Entzündungswerte - trotzdem erkrankten zwei der fünf von ihr infizierten Verwandten an einer schweren Lungenentzündung.

Die nahe München infizierten Deutschen zeigten hingegen keine oder kaum Symptome, sie galten nach zehn Tagen als nicht mehr ansteckend und immun - ihr Abwehrsystem kann also die Erreger fortan erkennen, Antikörper dagegen bilden und die Viren vernichten, sodass sie keine Gefahr mehr für die einst Infizierten darstellen. Zwar sind bisher hauptsächlich alte und vorerkrankte Menschen am Coronavirus gestorben, aber warum die Infektion mal unmerklich, mal milde, aber in seltenen Fällen schwer verläuft und warum sie bei manchen Menschen den "Etagenwechsel" von den oberen Atemwegen bis in die Lunge vollzieht, haben Forscher noch nicht geklärt. Diese Unberechenbarkeit der Viren ist es, die verlässliche Aussagen zur weiteren Ausbreitung der Seuche wie auch zu konkreten Risikoabschätzungen für die kommende Ferien- und Feierwoche so schwer machen.

© SZ vom 24.02.2020
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