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Corona und Reisen:Erst impfen, dann fliegen

Erstes Ferienwochenende der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen

Vor dem Abflug noch schnell zum Impfen? Auch das könnte ein Modell sein, um die Impfbereitschaft zu steigern.

(Foto: Henning Kaiser/dpa)

In Stuttgart können sich Reisende unmittelbar vor dem Check-in noch eine Spritze gegen Corona abholen. Das bringt zwar keinen sofortigen Schutz - ist aber trotzdem ein wichtiges Signal.

Kommentar von Eva Dignös

Vor dem Check-in noch fix zum Impfen: Das geht neuerdings am Stuttgarter Flughafen. Wer ein gültiges Ticket hat, kann sich im Impfzentrum, das in Sichtweite des Terminals gelegen ist, vor dem Abflug die Spritze setzen lassen, ohne Anmeldung, ohne Termin.

Aber hat der Schnellschuss für den eiligen Reisenden nicht einen gravierenden Haken? "Vollständig geimpft" - und damit trotz Virusvarianten gut vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt sowie vielerorts von Testpflichten befreit - ist man erst, wenn nach der letzten erforderlichen Spritze mindestens zwei Wochen vergangen sind. So lange braucht das Immunsystem, um seine Arbeit zu tun. Die Impfung unmittelbar vor dem Abflug bringt für den Urlaub also erst einmal wenig konkreten Nutzen. Und dennoch ist sie ein wichtiges Signal.

Das Coronavirus reist gern. Das war schon am Beginn der Pandemie so, als feierfreudige Skifahrer es aus den österreichischen Alpen durch ganz Europa trugen. Und das ist erst recht so in Zeiten einer hochansteckenden Delta-Variante, die so mancher Fußballfan in den vergangenen Wochen als Andenken aus einem Europameisterschaftsspielort mitgebracht hat.

Es ist nicht das Reisen per se, das die Pandemie befeuert, das haben Studien im vergangenen Sommer belegt. Bei einem Ferienhausurlaub mit gelegentlichen Ausflügen an den Strand und in den Supermarkt ist das Infektionsrisiko nicht größer als zu Hause. Kritisch wird es überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen, tanzen, feiern, leben wollen wie vor der Pandemie.

Die Sehnsucht, wieder zu reisen, ist groß. Doch wer sich auf den Weg machen möchte, trägt angesichts des mobilen Virus eine Verantwortung. Nicht nur für sich, sondern auch für diejenigen, mit denen er unterwegs ist. Für diejenigen, die gern wieder reisen würden, aber sich nicht trauen, weil sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Und für diejenigen, die mit ihrer Arbeit im Hotel, im Restaurant, im Flugzeug dafür sorgen, dass ein Urlaub erst zum Urlaub wird. Die aber möglicherweise in ihrem Heimatland keinen Zugang zu Vakzinen haben.

Wenn die Immunisierung schon vor der Abreise vollständig ist, umso besser. Doch ebenso wichtig sind Impfstationen dort, wo sich die Reisenden auf den Weg machen, an Flughäfen, an großen Bahnhöfen, als leicht zugängliches Angebot. Spätestens beim übernächsten Urlaub ist dann der Impfschutz auch komplett.

© SZ
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