Cabrera vor Mallorca:Schatzinsel der Piraten

Die kleinste bewohnte Baleareninsel ist so schön wie Mallorca vor hundert Jahren - doch nicht einmal auf der großen Nachbarinsel ist das Kleinod bekannt.

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Ziegeninsel ohne Ziegen: Das Naturparadies Cabrera

Quelle: Manuel Meyer/dpa/tmn

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Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera kennt fast jeder. Doch Cabrera? Selbst unter treuen Mallorca-Fans ist die "Ziegeninsel" weitgehend unbekannt. Dabei gehört die kleinste bewohnte Baleareninsel zu den letzten Naturparadiesen im Mittelmeer. Auf Cabrera gibt es auf den ersten Blick nicht viel. Ein Restaurant, ein kleines Museum, eine Burg, ein paar Häuser. Keinen Flughafen, keine Autos, kein Hotel - dafür viel geschützte Natur. "Hier sieht es noch aus wie auf Mallorca vor hundert Jahren", sagt Toni Villalón. Als müsse er seinen Vergleich beweisen, zeigt der Skipper immer wieder auf die unbebaute Küste und lässt das Boot in menschenleeren Buchten treiben, damit sich die Gäste im türkisblauen Wasser abkühlen können.

Ziegeninsel ohne Ziegen: Das Naturparadies Cabrera

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"Cabrera ist sogar für viele Mallorquiner eine völlig unbekannte Insel", sagt Toni. "Sie wissen zwar, wo sie liegt. Dagewesen aber sind nur die wenigsten von ihnen." Eigentlich handelt es sich nicht nur um eine Insel im Süden Mallorcas, sondern gleich um ein ganzes Archipel mit 19 Inselchen, die zusammen den "Nationalpark Cabrera-Archipel" bilden. Die "Ziegeninsel", die ihren Namen den alles Grün wegfressenden Tieren verdankt, ist mit 17 Quadratkilometern die größte und auch einzige bewohnte Insel des Archipels. Ziegen gibt es hier keine mehr, da sie das sensible Ökosystem zerstören würden. Dafür aber leben auf der kleinen Insel viele andere Tiere, von denen einige sogar nur auf Cabrera vorkommen.

Ziegeninsel ohne Ziegen: Das Naturparadies Cabrera

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Im einzigen Hafen der Insel übernimmt Ranger Biel Servera die Besucher. Nach vorheriger Anmeldung begleiten die Wächter des Parkes die Wanderer auch kostenlos. Einer der schönsten Wege führt vom Hafenkai zum elf Kilometer entfernten Leuchtturm von Ensiola, dort hat man einen herrlichen Blick über fast die gesamte Inselgruppe. Bis zu 50 Meter fallen hier die Steilklippen ins Meer ab. Ein anderer Wanderweg führt zum Aussichtspunkt La Miranda mit der Höhle Cova Blanca. Auf diesem Weg kommt man am ethnographischen Museum "Es Celler" vorbei. Es stellt Keramik und phönizische Amphoren aus, doch auch ganz normale Alltagsgegenstände der Einheimischen aus dem 19. und 20. Jahrhundert wie Fischernetze, Körbe und Geräte für die Feldarbeit. In der ehemaligen Bodega erfahren Besucher einiges über die Geschichte der Insel. Vom ersten bis zum sechsten Jahrhundert nutzten die Römer die Insel als Zwischenstopp auf dem Weg zum spanischen Festland oder nach Mallorca. Sie waren es auch, die hier die gefräßigen Ziegen ansiedelten, die jeglichen Baumbewuchs verhinderten.

Cabrera Mallorca

Quelle: iStockphoto

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Doch die römischen Seefahrer hatten immer "Frischfleich" zu essen, wenn sie auf die Insel zurückkehrten. Nach ihnen kamen die Mauren, die vom neunten Jahrhundert an fast die gesamte Iberische Halbinsel unter ihrer Kontrolle hatten. "Jahrzehntelang wohnten auch Mönche auf der Insel, die sich irgendwann gegen die kirchliche Obrigkeit auflehnten, zur Rebellion übergingen und zum Schluss etwas verwirrt nackt am Strand tanzten", erzählt Ranger Servera. Vom Hafen aus führt er die Besucher hinauf zum Castillo.

Majestätisch thront die Burg auf einem Felsvorsprung über dem Hafeneingang. Errichtet wurde sie Ende des 14. Jahrhunderts, um die Mallorquiner vor Piratenangriffen zu schützen - und die Insel selbst wieder unter Kontrolle zu bekommen. Jahrzehntelang war Cabrera als "Pirateninsel" bekannt. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert versteckten Schmuggler auf dem Eiland ihre Ware. Im 19. Jahrhundert brachte die spanische Krone während des Unabhängigkeitskrieges gegen Napoleon 9000 französische Kriegsgefangene nach Cabrera und überließ die Männer dort fünf Jahre lang ihrem Schicksal.

Ziegeninsel ohne Ziegen: Das Naturparadies Cabrera

Quelle: Ein Denkmal erinnert auf Cabrera an gestorbene Kriegsgefangene. Foto: Manuel Meyer/dpa/tmn

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"Es überlebten damals nur 3600 Gefangene", sagt der Parkhüter auf dem Weg zum Franzosen-Denkmal. Er kennt die Insel wie kaum ein anderer. Auf den Wanderungen weist er immer wieder auf seltene Pflanzenarten hin. Es gibt auf Cabrera alleine 30 endemische Pflanzen, die also nur hier wachsen. Wilde Ölbäume, Phönizischer Wacholder, Rosmarin, strauchartiger Wolfsmilch und Zitronenklee bestimmen die Landschaft. Noch artenreicher geht es unter Wasser zu. Das Meer macht rund 90 Prozent der Nationalparkfläche aus. Zackenbarsche, Muränen, Steckmuscheln, Delphine und sogar im Mittelmeer bedrohte Tiere wie Seeschildkröten und Wale sind hier zu finden. In den unzähligen Unterwasserhöhlen haben sich viele seltene Fische und Korallen angesiedelt. Wassersport und Sportfischerei sind im Nationalpark verboten, die Zahl der Segelboote ist stark beschränkt. Nur wenige Fischer dürfen mit ihren traditionellen Booten fischen.

Ziegeninsel ohne Ziegen: Das Naturparadies Cabrera

Quelle: Manuel Meyer/dpa/tmn

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Somit hat sich im Meer um Cabrera eine Unterwasserwelt erhalten, wie sie vor den anderen Mittelmeerinseln schon lange nicht mehr anzutreffen ist. Spektakulär sind neben den Höhlen auch die Unterwasserklippen, die abrupt bis auf 90 Meter abfallen. Der geringe Niederschlag auf der Insel und das Fehlen von Flüssen bewirken zudem, dass kaum Sedimente ins Meer gespült werden. Dadurch hat man beim Schnorcheln Sichtweiten von bis zu 50 Metern - und damit freie Sicht auf die wahren Schätze von Cabrera.

Informationen

Besucher-Zentrum des Nationalparks in Colònia de Sant Jordi, C/ Gabriel Roca, Tel.: 0034/971/65 62 82 , Öffnungszeiten 10 bis 20 Uhr.

Nationalpark Cabrera, Tel.: 0034/971/17 66 13

© dpa, Manuel Meyer/kaeb
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