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Schwarzmeerküste in Bulgarien:Bislang war die russisch-bulgarische Ferienfreundschaft eine unkomplizierte

Bürgermeister Germanov spricht da schon lieber von den Zukunftsplänen, die er für die Region hat, vom Öko-Tourismus, den man nun entwickeln wolle, um sich zu unterscheiden vom Betoneinerlei im Norden. Am Strand soll nicht höher gebaut werden als sieben Meter, die Naturschutzgebiete am Ropotamo-Fluss, dessen Mündungsgebiet bei Urlaubern aus der DDR beliebt war wegen der FKK-Strände, sollen erhalten bleiben. In der Bucht, in der jetzt die rätselhaften Siedlungsreste gefunden wurden, blättert der Putz am Feriendomizil Todor Schiwkows vor sich hin. Immerhin: Dem weißen Protzbau des Staatschefs der Volksrepublik Bulgarien ist zu verdanken, dass der Strand nicht verbaut wurde. Schiwkow hatte die Bucht nahe Primorsko zum Sperrgebiet erklärt.

Auch künftig soll es hier keine zehnstöckigen Hotelburgen geben, verspricht der Bürgermeister. Aber er sagt auch, dass es "nicht einfach war", diese Begrenzungen durchzusetzen. Öko-Tourismus hat in Bulgarien keine Tradition. Man setzte hier schon immer auf Masse. Bis zu 700 000 Gäste reisen allein aus Deutschland jedes Jahr an, nur aus dem Nachbarland Rumänien kommen noch mehr: rund 900 000. Urlaub in Bulgarien ist für sie günstiger als Urlaub zu Hause.

Mitte der Sechzigerjahre entstanden in Bulgarien die ersten Urlaubs-"Resorts": Goldstrand, Sonnenstrand, Albena. Die älteste Touristensiedlung ist das nach den Heiligen Konstantin und Elena benannte Resort nördlich von Varna. Die Anlagen haben heute noch viel Grün zwischen den Hotels, liegen an einer kinderfreundlichen Küste mit feinsandigen, seicht ins Meer gleitenden Stränden. Ursprünglich waren die Resorts vor allem für Gäste aus dem Westen geplant, als Devisenbringer. Doch bald schon wollte der ganze Ostblock an die warme, sonnige Schwarzmeerküste, kamen russische Familien, ukrainische Bergarbeiter, Jugendgruppen aus der DDR. Familien aus Ost und West trafen sich hier zur Urlaubszusammenführung, das Leben in Bulgarien mutete frei und westlich an - ein Traum. Für den, der hindurfte.

Den Sonnenstrand säumen heute über Kilometer All-inclusive-Hotelanlagen; gebaut wurde nach Wild-West-Manier, ohne erkennbaren Plan. Die höchsten Häuser stehen an vorderster Front, wer in den Reihen dahinter wohnt, blickt auf Beton. In der Flower Street, der Haupt-Ausgehmeile, tanzen Anwerber auf der Straße, um Partyvolk in die Bars zu bekommen. Drumherum: Tattoo-Läden, Taschen-Imitate, Erotik-Shops und die weltumrundenden Fußknabber-Fischchen. In der Karaoke-Bar "Who the F**k is Alice?" greifen abwechselnd Britinnen im Blümchenkleid und Russinnen im Minirock zum Mikrofon; es klingt wunderbar vielfältig. Wer es volkstümelnder mag, fährt ein paar Kilometer ins Hinterland, ins Dorf Bata, wo Akrobaten auftreten, Frauen in Trachten und der obligate Feuertänzer, der barfuß, eine Ikone vor sich hertragend, über glühende Kohlen läuft. Das Ganze wirkt wie ein Relikt aus den Anfängen des Bulgarien-Tourismus. Vor allem russische Gäste sind hier, sie lachen, trinken, fühlen sich verstanden von den slawischen Brüdern und Schwestern. Die Sprache, die Schrift, die orthodoxen Kirchen, alles ist vertraut. Und doch anders. Wärmer. Und freier.

Reise Bulgarien

Wer es volkstümelnder mag, fährt ein paar Kilometer ins Hinterland, ins Dorf Bata, wo Akrobaten auftreten und Frauen in Trachten.

(Foto: Monika Maier-Albang)

Bislang war die russisch-bulgarische Ferienfreundschaft eine unkomplizierte. Aber seit Putin den Urlaub im eigenen Land zur patriotischen Pflicht erhoben hat und bestimmten Staatsbediensteten der Urlaub im EU-Ausland verboten ist, bleiben an der bulgarischen Schwarzmeerküste die russischen Gäste aus. Im Dorf Bata tanzen sie zwar noch, doch die Hoteliers am Sonnenstrand und in Pomorie klagen, Hunderte Flüge aus Russland seien gestrichen worden. Geblieben sind den Bulgaren jene Neubürger, die seit ein paar Jahren Wohnungen aufkaufen - an unverbauten Stränden, in Dörfern, in denen Häuser leer stehen, weil die Jungen irgendwo in Europa Arbeit gefunden haben.

Sich in Bulgarien ein Appartement zu kaufen, das gehe problemlos, sagen Elena und Ruslan, ein Rentnerpaar aus St. Petersburg, das vor zwei Jahren in einen Vorort von Burgas gezogen ist - und sich dort wohlfühlt. "Hier spielt es keine Rolle, ob du aus England kommst, aus der Ukraine oder aus Russland. Die Leute sind offen, hilfsbereit, gastfreundlich", sagen die beiden, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen wollen. Er ist früher für eine Spedition gefahren, sie hat auf dem Bau gearbeitet. Mit ihrer Rente leben sie hier besser als zu Hause in der teuren Großstadt. Frühmorgens macht Ruslan für gewöhnlich einen Strandspaziergang, danach fährt das Paar gemeinsam Rad. "Wir fühlen uns hier wie im Paradies", sagt die 55-jährige Elena. Wie ihr Mann hofft sie, dass alles so bleibt, wie es ist, dass sie bleiben können. Ihr Pass ist ja ein russischer, die Aufenthaltsgenehmigung wird stets für ein Jahr erteilt. "Und wer weiß", sagt Elena, "was Putin noch so vorhat."

Informationen

Reisearrangements: Tui bietet eine Woche am Sonnenstrand bei Burgas im Riu Helios Paradise inklusive Flug und All-inclusive-Verpflegung ab 595 Euro pro Person im Doppelzimmer.

Eine Woche im Royal Perla in Primorsko kostet inklusive Flug und Halbpension ab 431 Euro pro Person im Doppelzimmer. Bei beiden Angeboten muss für ein Kind nur der Flugpreis bezahlt werden, Buchungen über www.tui.com.

Außerdem im Angebot sind Bus-Rundreisen durch das Land, z. B. acht Tage "Bulgarien zum Kennenlernen". Ab 794 Euro mit Flug ab Deutschland. Stationen sind u. a. Nessebar, Plovdiv, Bansko, das Kloster von Rila, das Frei lichtmuseum von Etăra, ein Stadtrundgang in Trjavna und Sofia, www.tui.com

Weitere Auskünfte: www.bulgariatravel.org/de

© SZ vom 20.08.2015
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