10. Der Geruch

Sicherlich, am Ufer der Guanabara-Bucht empfiehlt es sich, die Nase zuzuhalten. Abseits seiner inzwischen weltweit berüchtigten olympischen Segel-Kloake riecht Rio allerdings gar nicht mal so übel. Es duftet nach Gewächshaus. Märchenhafte Schlingpflanzen wuchern mitten in der Großstadt. Jeder Baum scheint von 30 Unterspezies bevölkert zu sein. Auf den Stromleitungen turnen die Äffchen, in der Kanalisation leben angeblich Krokodile, und selbst in der dreckigsten Segelbucht der Welt halten noch ein paar tapfere Delfine die Stellung.

Zu den größten realen Gefahren Rios gehört es, von überreifen Mangos, Maracujas oder den medizinballgroßen Jaca-Früchten erschlagen zu werden. Klar, ein wenig nervt es schon, dass ganze Zimmer verschimmeln, wenn man ein paar Tage lang nicht lüftet. Der durchaus beruhigende Gedanke aber ist: Wenn die Menschen eines Tages Rio de Janeiro verlassen sollten, dann wird es nicht lange dauern, bis der Dschungel diesen Ort zurückerobert hat.

Bild: AP 3. August 2016, 16:162016-08-03 16:16:21 © SZ.de/sks