Reisebuch "Norwegen":In der nordischen Natur

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Reisebuch "Norwegen": Blick auf den Gletschersee Ringedalsvatnet auf der Wanderung zur Trollzunge, einem spektakulär auskragenden Felsen.

Blick auf den Gletschersee Ringedalsvatnet auf der Wanderung zur Trollzunge, einem spektakulär auskragenden Felsen.

(Foto: Brice Portolano/DK Verlag)

Von Oslo bis nach Spitzbergen: Brice Portolano inszeniert die markante Landschaft Norwegens in seinem Fotoband - und die teilweise spektakuläre Architektur des Landes.

Rezension von Stefan Fischer

Das friluftsliv, das Leben in der freien Natur, ist ein hohes Gut in Norwegen. Es geht einher mit dem allemannsretten, dem Jedermannsrecht, das besagt, dass jeder die norwegische Natur nutzen und genießen kann, auch auf Privatland, wo sogar Campen erlaubt ist. Wenn man sich denn an bestimmte Regeln hält.

Wobei ohnehin lediglich drei Prozent des Landes bewirtschaftet werden. Der große Rest: weitgehend Natur- und kaum Kulturlandschaft. "Eine Augenreise" nennt der Fotograf Brice Portolano seinen Bildband "Norwegen" im Untertitel folgerichtig. Denn die Geografie des skandinavischen Landes ist markant und an vielen Stellen einzigartig.

Reisebuch "Norwegen": Die Skisprungschanze am Holmenkollen, mit Blick auf Oslo.

Die Skisprungschanze am Holmenkollen, mit Blick auf Oslo.

(Foto: Brice Portolano/DK Verlag)

Von der sieht man erst einmal allerdings nicht besonders viel in dem Buch. Die Reise beginnt in der Hauptstadt Oslo, dem einzigen tatsächlichen Ballungsraum des Landes, das auf weniger als ein halbes Dutzend Großstädte kommt. Oslo hat sich in den vergangenen Jahren verändert, durch ein paar Bauwerke von Weltmaßstab - voran die neue Bibliothek, das Opernhaus und das Munch-Museum. Die urbane Lebensqualität ist dadurch deutlich gestiegen, auch für Besucher.

Der Hauptstadt alleine wegen würden Reisende aber wohl nicht in so großer Zahl kommen. Wobei der Staat es versteht, auch durch spektakuläre Architektur in der Provinz aufsehenerregende Landmarken zu setzen. Und sei es durch eine ambitioniert designte öffentliche Toilette wie in Ureddplassen auf halbem Weg zwischen Trondheim und Tromsø. Oder mit einer Schutzhütte für Radfahrer, die zugleich ein attraktiver Aussichtspunkt ist auf die Gipfel der Vesterålen, einer Inselgruppe nordöstlich der bekannteren Lofoten.

In der Regel bedarf es solcher menschengeschaffener Anlaufpunkte allerdings gar nicht. Die Fjord- und Gebirgslandschaften sind durch ihre natürliche Gestalt staunenswert genug. Wer sich traut bis an die Spitze der Trollzunge, eines zungenförmigen Felsens, und sich dort an die Kante über dem Abgrund setzt mit Blick über den Sørfjord, der wird diesen Augenblick wahrscheinlich sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Aber allein der Weg dorthin ist spektakulär, auch ohne die finale Mutprobe. Und so reist Brice Portolano immer weiter nach Norden, macht Station bei den Surfern auf den Lofoten - die Inselgruppe ist ein international anerkanntes Revier -, den Fischern in Hamnøy, den Sámi in der Finnmark. Bis nach Spitzbergen führt in sein Weg. Die Texte seines Bandes sind auf einen praktischen Nutzen hin ausgerichtet, geben eher Tipps, als dass sie eine Atmosphäre wiedergeben würden. Das leisten etliche der Fotografien.

Brice Portolano: Norwegen. Eine Augenreise. Aus dem Französischen von Barbara Rusch. Verlag Dorling Kindersley, München 2022. 256 Seiten, 29,95 Euro.

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