Ägypten Endlich wieder Gäste

Die vergangenen Jahre waren eine harte Zeit für alle, die in Ägypten vom Tourismus leben. Doch jetzt steigt die Zahl der Gäste wieder.

(Foto: dpa)

Ägypten erlebt als Reiseland einen Aufschwung und feilt jetzt an seinem Image. Sicherheit und Infrastruktur spielen dabei eine Rolle - und Frauen.

Von Johanna Pfund

Samih Sawiris kennt natürlich die Stelle im Alten Testament, wo Josef den Traum des Pharaos deutet: Auf sieben schlechte Jahre werden sieben gute folgen. Der ägyptische Investor Sawiris hofft, dass diese Prophezeiung auch für den Tourismus in Ägypten gilt. "Das ist ein Zyklus, den wir in Ägypten seit Tausenden Jahren kennen", sagte Sawiris kürzlich. Der Milliardär hat ein besonderes Interesse daran, dass die Urlauber wiederkommen. Er ist Chef der Orascom-Development-Gruppe, die Hotels in Ägypten, aber auch Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz und Montenegro besitzt. Mit dieser Gesellschaft hat er vor knapp 30 Jahren die Urlauberstadt El Gouna am Roten Meer erbaut; zudem hält Sawiris ein Drittel des Münchner Reiseunternehmens FTI.

In der Tat waren die sieben vergangenen Jahre sehr mager für die ägyptische Tourismusindustrie. Die Revolution im Frühjahr 2011 wie auch Terroranschläge im ganzen Land schreckten die Touristen ab. Das deutsche Auswärtige Amt hat für den Norden der Halbinsel Sinai sowie für die Urlauberstadt Taba auf dem Sinai, wo Sawiris ebenfalls ein Resort besitzt, eine Reisewarnung ausgesprochen. Für Reisen in die Badeorte am Roten Meer besteht zwar keine Warnung, doch das Amt rät hier zur Vorsicht. Erst im Sommer 2017 fielen zwei deutsche Urlauberinnen in Hurghada einer Messerattacke zum Opfer.

Die Warnung für Taba kritisieren Investor Sawiris wie auch der Gouverneur der Provinz Rotes Meer, General Ahmed Abdullah, heftig. Was nicht verwundert, denn die Mahnungen spiegeln sich in den Statistiken wider: Kamen 2010 noch 14,7 Millionen Besucher in das nordafrikanische Land - darunter 1,2 Millionen deutsche Gäste -, so sank die Zahl in den folgenden Jahren dramatisch. 2016 registrierte das ägyptische Tourismusministerium nur noch 4,5 Millionen Besucher, davon 654 000 Deutsche. In El Gouna waren die 18 Hotels von Sawiris' Orascom nur noch knapp zur Hälfte belegt. "Aber wir haben keines geschlossen", betont Robert Fellermeier, der aus Niederbayern stammende Manager der Hotels in El Gouna. Dennoch, es war eine harte Zeit für alle, die vom Reisegeschäft leben.

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Auch die Schiffe auf dem Nil hatten kaum noch Gäste. 220 Lizenzen gibt es für die Strecke zwischen Kairo und Assuan, etwa 150 davon für Kreuzfahrtschiffe. Zahlreiche Schiffe dümpeln an den Kais entlang des Flusses vor sich hin. In den schlechtesten Zeiten fuhren gerade noch um die 30 Schiffe, von den einst 10 000 Gästen pro Woche, die man 2010 hatte, kam nur ein Bruchteil. Jetzt, im Herbst 2018, waren wieder 97 Schiffe unterwegs, mit 6700 Gästen. "Ein Kulturprodukt erholt sich nicht so schnell wie der Badeurlaub", sagt Elia Gad, Manager für Ägypten bei FTI. Doch das Tief scheint durchschritten zu sein, nicht nur bei den Nilfahrten. Alleine bei FTI buchten im gerade abgelaufenen Tourismusjahr 2017/18 rund 820 000 Gäste eine Reise nach Ägypten. "Das entspricht einem Wachstum von 58 Prozent", erläuterte FTI-Geschäftsführer Dietmar Gunz. Und die Tendenz bleibt steigend. Für das kommende Jahr haben bereits zum jetzigen Zeitpunkt 237 000 Gäste eine Reise gebucht. Ägypten selbst rechnet für 2019 wieder mit zehn Millionen Gästen, davon 1,3 Millionen Deutsche. Mit der Hoffnung steigen übrigens auch die Preise: Gäste zahlten in El Gouna im vergangenen Jahr wieder 20 bis 30 Prozent mehr.

Und wer zahlt, der soll auch etwas geboten bekommen. Das ägyptische Tourismusministerium arbeitet an einer Qualitätsoffensive im ganzen Land. Nora Salem, Beraterin für internationale Beziehungen im ägyptischen Tourismusministerium, listete die Punkte bei einem Treffen in El Gouna auf: ein neues Image für Ägypten, Strukturreformen, hohe Qualität, ein sicherer gesetzlicher Rahmen, mehr Frauen in der Branche. Vor allem aber soll in Ägypten nachhaltiger Tourismus gefördert werden.

Mehr Qualität bei der Infrastruktur soll das Reisen im Land einfacher machen

Die Provinz Rotes Meer setzt zunächst auf mehr Qualität in der Infrastruktur. "Wir haben die Straßen ausgebaut", berichtete General Ahmed Abdullah, Gouverneur der Provinz, bei einer Pressekonferenz. Ausgebaut wurde auch der Flughafen in Hurghada, 13 Millionen Passagiere nutzten den Airport, der Drehscheibe ist für die 276 Resorts am Roten Meer und für die Weiterreise nach Luxor am Nil, dem einstigen Theben mit seinen weltberühmten, jahrtausendealten Tempeln und den Pharaonengräbern im Tal der Könige. In Luxor gibt es in puncto Luftverkehrs-Sicherheit nach Angaben der Ägypter übrigens nichts zu befürchten: Der Flughafen dort wurde kürzlich vom Dachverband Airports Council International zum sichersten Flughafen Afrikas gekürt.

Wenn es nach Sawiris geht, werden bald weitere Flieger in Luxor landen. FTI plant, von dem Privatflughafen in El Gouna aus Direktflüge nach Luxor und Kairo anzubieten. Noch läuft der Genehmigungsprozess. Sollte es klappen, wird die Anreise nach Luxor für die Besucher der schwer bewachten Urlauberstadt El Gouna einfacher; bislang fährt man mehrere Stunden mit dem Bus ins Kernland. Das passt zum Motto, das der Ägypter seiner Stadt El Gouna und all seinen Resorts gegeben hat: "Life as it should be", Leben wie es sein sollte. "Das bedeutet Muße, schönes Wetter und Freunde", erklärt Sawiris. Und Freunde kann Ägypten nach den sieben mageren Jahren brauchen.

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