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Zweiter Weltkrieg:Der am meisten bombardierte Ort im Zweiten Weltkrieg: Malta

Zweiter Weltkrieg Dresden

Richard Overy: Der Bombenkrieg. Europa 1939-1945. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Rowohlt Berlin, Berlin 2014. 1051 S., 39, 95 Euro.

Die Amerikaner verfolgten eine andere Vorgehensweise. Sie griffen primär wirtschaftliche und militärische Ziele bei Tag an. Dafür zahlten sie einen hohen Preis und erreichten eher wenig. Harris hingegen befahl Massenangriffe bei Nacht, deren Zweck angesichts der Zielungenauigkeit in der Vernichtung von Arbeitskräften lag, um so die deutsche Kriegswirtschaft entscheidend zu treffen.

Aber diese Methode lieferte außer massenhafter Zerstörung, Tausenden Toten und unsäglichem Leid wenig Ertrag. Die deutschen Luftschutzmaßnahmen, behördliche Hilfe für die Betroffenen, die Einsatzbereitschaft der Bevölkerung und der Terror des NS-Regimes hielten Wirtschaft und Kriegsmoral aufrecht. Harris verkannte zudem, dass das NS-Regime sogar bereit war, das eigene Volk zu opfern.

Zweiter Weltkrieg

Als Aachen zur Kriegszone wurde

Erst im Sommer 1944, als die US-Luftwaffe systematisch die deutsche Luftwaffe und deren Treibstoffversorgung niederkämpfte, errangen die Alliierten die Luftherrschaft über Deutschland und konnten nun gnadenlos bombardieren. Die erfolgreiche Landung in der Normandie verschaffte den Bomberflotten zusätzlich freie Hand. Die Sorge vor weiteren deutschen "Wunderwaffen" und der ungebrochene Widerstand des Feindes spornten die beiden Luftwaffen an, rücksichtslos das ganze Land zu zerstören.

Overys Buch beleuchtet noch viele andere Aspekte. So etwa den Bombenkrieg gegen Italien, der angesichts der Unfähigkeit der faschistischen Behörden tatsächlich die Moral der Bevölkerung im Innersten traf. Malta war übrigens der am meisten bombardierte Ort im Zweiten Weltkrieg und hielt trotzdem durch. Auch die Angriffe auf die von der "Achse" besetzten Gebiete, unter denen vor allem Frankreich sehr zu leiden hatte, waren brutal und führten zu wachsendem Unmut.

Enorme Ressourcen von der Front zur Luftverteidigung umgeleitet

Doch zurück zur Ausgangsthese: War der völkerrechtswidrige strategische Bombenkrieg nun so ineffektiv, wie Overy am Ende seines Buches noch einmal zusammenfassend darlegt? Er selbst widerspricht diesem Argument, da er deutlich macht, dass diese Art der Kriegführung zumindest militärisch erfolgreich war: Die Angriffe auf deutsche Städte zwangen die NS-Führung dazu, enorme Ressourcen, die an der Front dringend benötigt wurden, zur Luftverteidigung umzuleiten.

Zudem war auch die amerikanische Strategie in den Auswirkungen für die Zivilbevölkerung kaum vom Vorgehen der britischen Führung zu unterscheiden. Und schließlich, darauf geht Overy leider nur am Rande ein, verfolgten die USA gegen Japan die gleiche Strategie wie Arthur Harris: Japanische Städte wurden dem Erdboden gleich gemacht - am Ende sogar mit Atombomben. Gegen die mörderischen Aggressoren der Achsenmächte war eben jedes Mittel recht.

Stig Försters Schwerpunkt ist Militärgeschichte. Er lehrt Neueste Geschichte an der Universität Bern.

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